3. Etappe:Egadische Inseln-Südsizilien-Malta
vom 17.06. - 14.07.2006 (354 sm)
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Die Tage in Palermo waren laut, anstrengend, aber auch sehr erlebnisreich. Wir haben es nicht bereut, hier unser Boot festgemacht zu haben. Jetzt lockten uns aber wieder Ruhe, Einsamkeit und herrliche Natur, so dass wir am 17. Juni die Festmacher loswarfen. In kurzen Etappen wollten wir zu den Egadischen Inseln vor der Westküste Siziliens.
Unseren ersten Nachtankerplatz fanden wir östlich des Flughafens in einer weitläufigen Bucht. Den folgenden Tag segelten wir zum Capo San Vito. Vor dem Hafen fanden wir guten Ankergrund. Allerdings ist die Bucht von NO - SO offen. Der Wind meinte es aber gut mit uns und nicht einmal Schwell störte unseren Schlaf.
Tags darauf war mit Trapani wieder einmal eine größere Hafenstadt unser Ziel. Nachdem wir das Capo San Vito gerundet hatten, konnten wir bei mäßigem achterlichen Wind gut segeln. Vor dem Felseneiland Arsinella legten wir noch einmal einen schönen Ankerstopp ein, bevor wir gegen Abend in den Hafen von Trapani einliefen und am Schwimmsteg der Marina Navale festmachten.
Von einem anschließenden Besuch des Ortes waren wir aber total enttäuscht. Er schien völlig ausgestorben zu sein. Auf der breiten "Promenade" mit teuren Geschäften spazierten außer uns höchstens noch 4..5 Passanten, völlig untypisch für eine italienische bzw. sizilianische Hafenstadt! Eine Gaststätte konnten wir weit und breit nicht entdecken! Also machten wir uns wieder auf den Rückweg, um in der Gaststätte des Yachtclubs zu Abend zu essen. Das wurde dafür ein Volltreffer - das Essen war lecker, reichhaltig und preiswert.
Am
nächsten Vormittag machten wir uns auf den Weg nach Levanzo, unserer
ersten
Insel des
Egadischen Archipels und fanden einen guten Ankerplatz in einer Bucht nahe des kleinen Hafens.
Abends besuchten wir den verschlafenen und beschaulichen ,Hauptort der Insel. Nur wenige Touristen verlaufen sich hierher. Den nächsten Tag nutzten wir für eine Inselrundfahrt. Eigentlich wollten wir die kommende Nacht in einer Bucht an der Südküste von Favignana vor Anker gehen, aber im Laufe des Tages baute sich ein immer kräftiger werdender Wind mit entsprechender Welle aus SO auf und wir zogen es deshalb vor, im Hafen von Favignana, der Hochburg des Tunfischfangs, Schutz zu suchen. Vorher allerdings verbrachten wir noch ein paar erlebnisreiche Stunden in einer weitläufigen, von Felsen mit herrlichen Grotten gesäumten Bucht an der Westküste von Levanzo.
Im
Hafen von Favignana fiel der Anker vor den alten Bootshallen. 
Die Tunfischsaison war bereits vorüber und jeden Tag fuhren mehrere Arbeitsschiffe mit eine bunt zusammengewürfelten und verwegen aussehenden Mannschaft hinaus, um die mehrere km langen Leit- und Fangnetze abzubauen. Abends war dann entsprechende Stimmung in den vielen Restaurants und Bars. Wir fanden diesen Ort geradezu faszinierend. Keine Spur von Massentourismus aber dafür lebendig und noch ursprünglich. Da uns der Südwind eh noch etwas festhielt, liehen wir uns an einem Tag Fahrräder aus, um die Insel auch per pedes zu erkunden. Dabei fanden an der Nordküste auch die bekannten Steinzeit-Höhlen.
Eine Drehung des Windes auf Nord gab uns den Anstoß, endlich auszulaufen und unser Boot in die Bucht Rotonda auf der Südseite der Insel zu verlegen. Erste Erkundungen über die fast kreisrunde Bucht hatten wir bereits per Fahrrad eingezogen. Wir fanden auch einen sehr schönen Ankerplatz, allerdings stand für einige Stunden noch ein tüchtiger Schwell durch den Wind der vergangenen Tage, aber die Nacht war ruhig und traumhaft schön.
Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Marsala, den wir bei wechselnden Winden teils unter Segel teils mit Maschine zurücklegten. Am Nachmittag fiel der Anker im nördlichen Hafenbecken.
Abends kam kräftiger Wind und Schwell auf aber wir fühlten uns vor Anker ganz sicher. Es war auch rundum genügend Platz, so dass wir niemanden behinderten. Das sahen wohl nicht alle so, denn gegen 23.00 Uhr kam plötzlich die Hafenpolizei und verwies uns an die Nordmole, zwischen lauter Fischerboote und kreuz und quer liegende Bojen. Nachts im Dunkeln, bei Wind, der uns auch noch gegen die Mole drückte, war es das "reinste Vergnügen", in eine schmale Lücke zu steuern, ohne anzuecken oder irgendwelche Leinen mit der Schraube einzufangen. Dieses Auftreten der Hafenpolizei kann man wohl nur als "Schikane" bezeichnen.
Marsala
ist weltweit berühmt für seinen speziellen Wein ( ähnlich dem
"Madeira" oder dem "Cherry" ). Es gibt hier mehrere
Weinfabriken, die (touristisch aufgemotzt) zur Besichtigung einladen. Auch wir
haben uns einer Reisegruppe angeschlossen (damit wir was von der Führung
verstehen) und fanden es ganz interessant. Natürlich haben auch wir zum
Abschluss der Führung ein paar Flaschen "Marsala" besonders günstig
(?) erstanden.
Nachdem
es uns auch noch gelungen war, ein neues 12 V Netzteil für unser Notebook
aufzutreiben, haben wir am 26.6. spät nachmittags den ungastlichen Hafen
verlassen. Bis nach Mazara del Vallo waren es 15 sm, die wir gegen leichten Wind
und Welle zurücklegen mussten. In der Marina in Mazara waren Gäste nicht
willkommen. Obwohl noch freie Liegeplätze vorhanden waren, wurden wir
abgewiesen. Vorsichtig tasteten wir uns den in den Hafen mündenden Fluss aufwärts,
vorbei an Booten aller Art und abgesoffenen Kähnen. Das Echolot brachte schon längst
kein Ergebnis mehr. An einer Stelle verbreiterte sich der trübe Wasserlauf
etwas und am Ufer waren Poller aus Holz und Beton zu erkennen. Als wir unser
Boot dorthin manövriert hatten und es mit unseren Festmachern noch ein paar
Meter weiter ziehen wollten, blieb das Ruder im Schlick stecken. Behutsam zogen
wir das Boot wieder zurück und machten fest. Wir lagen direkt an einem großen
Parkplatz gegenüber dem Fisch-Auktionshaus.
Nachts
fanden wir keine Ruhe, bis nach Mitternacht war auf der Straße und dem
Parkplatz ein ständiges Kommen und Gehen. Früh gegen 04.00 Uhr rückten
Transporter und Lastwagen an, um auf die zurückkehrenden Fischer zu warten. Wir
konnten noch froh sein, dass die Fahrer die Wartezeit nicht in unserem Cockpit
verbracht haben. Für uns höchste Zeit, den Platz zu räumen. Beim ersten Tageslicht haben wir uns wieder aus dem Hafen getastet. Außerhalb haben wir
dann vor der Stadt den Anker fallen lassen, um wenigstens noch ein paar Stunden
Schlaf nachzuholen.
Am
späten Vormittag ging es dann weiter nach Sciacca, wo wir von
freundlichen Mitarbeitern des Yachtclubs "Lega Navale" einen
Liegeplatz zugewiesen bekamen.
Die nächsten 31 sm nach San Leone legten wir bei kräftigem SW-Wind in nur 5 Stunden zurück. Vor der Marina fanden wir im Hafenbecken einen guten Ankerplatz. Da in der Nacht der Wind nicht nachließ und am nächsten Morgen sogar Sturmstärke erreichte, entschieden wir uns, besseres Wetter im Hafen abzuwarten. Am 1. Juli ging es dann nach Licata und von dort, dicht vorbei an den Erdöl-Bohrinseln vor Gela, nach Scogliatti, wo wir am Schwimmsteg des Yachtclubs festmachen konnten. Scogliatti sollte unsere vorerst letzte Station auf Sizilien sein, denn von hier hatten wir den Absprung nach Malta geplant.
Im ersten Morgengrauen machten wir uns auf die 60 sm lange Strecke nach Malta. Gegen 10.00 setzte ein Wind aus West ein, der stetig zunahm und uns eine zügige Fahrt bescherte. Schon bald mussten wir das 1. Reff in das Großsegel einbinden. Auch sonst war einiges los auf dem Wasser. Besonders der starke Schiffsverkehr war zu beachten. Mehrmals entdeckten wir große Wasserschildkröten, die dann beim Näherkommen aber vorsichtshalber auf Tauchstationen gingen. Beim Eintritt in die maltesischen Hoheitsgewässer meldeten wir uns vorschriftsmäßig über Funk an und wurden aufgefordert, unmittelbar nach Erreichen des Hafens beim Zoll einzuklarieren.
Der
Wind blies nun schon seit mehreren Stunden mit 20-25 kn aus West und hatte eine
heftige Welle entfacht. Wir waren deshalb froh, am späten Nachmittag den
Windschutz der Insel Gozo erreicht zu haben und um 17.00 Uhr machten wir
an einem uns über Funk zugewiesenen Steg im Hafen von Mgarr fest. Die
Mitarbeiter der Zollbehörde hatten noch auf uns gewartet und in wenigen Minuten
waren alle Formalitäten unbürokratisch erledigt.
Beim Abstellen des Motors hatte es fürchterlich im Motorraum gekracht und gerumpelt.
Diagnose: Bruch einer Motoraufhängung!
Trotz eifriger Bemühungen war auf Gozo kein passendes Ersatzteil zu finden, und so mussten wir telefonisch eine Lieferung aus Deutschland veranlassen.
Wir
hatten nun Zeit, um Gozo und später die Hauptinsel Malta zu erkunden (die
defekte Aufhängung hatte ich nur provisorisch repariert und wir mussten sehr
vorsichtig mit der Maschine umgehen). Zuerst verbrachten wir vor Gozo an der
NW-Küste eine Nacht in der fast kreisrunden, wildromantischen und einsamen Dwejra
Bay. Dann setzten wir Richtung Malta in die St. Pauls Bay über, wo
wir kurz vor dem Ort einen (belebten) Ankerplatz fanden. Tags darauf segelten
wir zur Hauptstadt Valetta. In der Msida Marina war kein
Platz zu bekommen, haben dann aber über Telefon von der Grand Harbour Marina
eine Zusage erhalten und am Nachmittag dort an einem Fingersteg festgemacht.
Jetzt hatten wir ein paar Tage auf Malta vor uns, und wir wollten etwas von der Insel sehen. Unter anderem interessierten uns die alten Städte Mdina und Rabat. Um dorthin zu gelangen, benutzten wir das gut ausgebaute und preiswerte Busnetz.
Die Busverbindungen auf Malta sind gut, preiswert und gewöhnungsbedürftig. Bei halsbrecherischer Fahrt mit offenen Türen durch die engen und belebten Straßen kassierte der Fahrer nebenbei auch noch das Fahrgeld.
Nach einigen Tagen Großstadt wollten wir mal wieder etwas Ruhe haben und suchten uns einen neuen Ankerplatz in der berühmten "Blauen Lagoone" vor der Insel Comino (dort lagen wir auch direkt gegenüber von Mgarr, wo wir noch unsere Ersatzteilsendung aus Deutschland erwarteten). Aber was sich in dieser landschaftlich so schönen Bucht abspielte, war unbeschreiblich: tagsüber "kochte" das Wasser von den ständig ein- und auslaufenden Ausflugsbooten und Motoryachten, und nachts tobte die Disco auf speziellen Party-Kähnen bis Mitternacht.
Wir waren deshalb froh, als wir telefonisch die Nachricht erhielten, dass die Ersatzteilsendung in Mgarr eingetroffen sei, und am 15. Juli verließen wir Malta.
Trapani
Marina "Lega Navale" (27 €) mit guten Liegemöglichkeiten an Schwimmstegen, Sanitäranlagen o.k., gutes clubeigenes Restaurant, recht weiter Weg bis in den Ort.
Im Hafenbecken vor der Marina liegt ein Bojenfeld, das von Yachten auch zum Festmachen genutzt werden kann.
Insel Favignana
sehr gute Ankermöglichkeit im Hafen vor den alten Bootshallen auf gut haltendem Sandgrund.
Rund um Favignana ist, wegen vieler Riffe und Untiefen, mit großer Sorgfalt zu navigieren .
Marsala
war für uns einer der unangenehmsten Häfen: dreckiger und unsicherer Liegeplatz an der Mole, mit laufendem LKW-Verkehr, kein Wasser,
verstaubte Straßen...
Mazara del Vallo
Gastlieger in Marina nicht willkommen (!) Im Bereich der Flussmündung sind vereinzelt Liegeplätze zu finden.
Sciacca
Liegeplätze am Yachtclub "Lega Navale" (15 €), freundliches und hilfsbereites Personal. Wasser und Strom. Das Hafenbecken ist sehr verdreckt und die Schwimmstege voller Vogelkot.
San Leone
gute Ankermöglichkeit im Hafenbecken, ausreichend Platz zum schwojen. Versorgungsmöglichkeiten im Ort
Licata
kleine Marina mit wenigen Gastliegeplätzen (25 €), freundliches Personal. Wasser und Strom. Gute Versorgungsmöglichkeiten im nahen Ort.
Scogliatti
Günstiger Absprunghafen für Malta. Gastliegeplätze in Marina (25 €). Versorgungsmöglichkeiten im Ort.
Malta
trotz EU weiterhin Ein- und Ausklarierung erforderlich. Anmeldung per Funk bei Erreichen 12 sm-Zone und nochmals kurz vor Erreichen des Hafens.
In Mgarr unbedingt per Funk Liegeplatz zuweisen lassen. Liegeplatz 16 € mit Strom/Wasser. Zollformalitäten gehen schnell und unbürokratisch.
Wenn in der Marina Marsamxett in Valetta keine Liegeplätze sind, in die Grand Harber Marina ausweichen. Liegt verkehrstechnisch auch günstig, aber nicht ganz billig (40 €).