6. Etappe: 

Kanal v. Korinth - Ägäisches Meer - Türkei    

 

vom 24.08. - 01.10.2006   ( 675 sm )

 

 

 

Nachdem wir alle Formalitäten erledigt und auch unsere Kanalpassage bezahlt hatten, mussten wir uns am Nachmittag nach einem geeigneten Ankerplatz umsehen. Wir entschieden uns für die Bucht von Korphos, wo wir zwischen vielen anderen Yachten eine ruhige Nacht verbrachten.

Den folgenden Tag lockte es uns zu einer im Küstenhandbuch traumhaft beschriebenen Ankerbucht  östlich der Isola Angistri. Als wir dort ankamen, stellten sich unsere Nackenhaare auf: die Bucht war gekracht voll, und einige unserer „beliebten“ engl. Motoryachten warteten schon auf uns. Da wir an diesem Tag aber nicht weiter wollten, quetschten wir uns noch zwischen 2 Boote und ließen uns stundenlang vom Lärm der Dieselgeneratoren voll dröhnen. Am nächsten Morgen verließen wir fluchtartig den „gastlichen“ Platz und segelten die 45 sm nach Lavrion.

Dieses Seegebiet südlich von Athen ist bekanntermaßen sehr stark befahren und besonders auf die vielen Schnellfähren musste sorgsam acht gegeben werden.

Am frühen Abend machten wir unser Boot in der Olympic Marina von Lavrion fest. Die Gebühren waren mit 38,- € zwar recht üppig, aber dafür wurden wir mit super-Sanitäranlagen, Strom, Wasser und guten Versorgungsmöglichkeiten entschädigt.

Die Ziele für die nächsten Tage waren die Inseln Kea, Kythnos und Syros.

Vor Kea fanden wir einen ordentlichen Ankerplatz in der Bucht Nicolaou vor den alten Kohlebunkern.

Kythnos hatte uns besonders gut gefallen. Nachdem wir eine Nacht an der Westseite in der Bucht Apokreiosi verbracht hatten, wechselten wir am nächsten Tag an die NO-Seite nach Loutron. Hier konnten wir an der Außenmole des Hafens festmachen (Liegeplatz incl. Wasser + Strom kostenlos). Am Nachmittag besuchten wir die hübsche und liebevoll gepflegte Hora der Insel.

An der Insel Syros war es nicht so einfach, einen ordentlichen Ankerplatz zu finden. Letztendlich entschieden wir uns, den Anker vor dem Militärhafen auf 5 m steinigem Grund fallen zu lassen. Der Platz war allerdings recht unruhig und starkem Schwell ausgesetzt, so dass wir bald nach Sonnenaufgang das Weite suchten. Wir rundeten das Kap Velostasi und nahmen Kurs auf Mykonos. Westlich von Mykonos liegt die kleine Insel Rinneia, an deren Südküste eine Bucht tief in das Eiland einschneidet. Auf  4 m Sandgrund fanden wir einen guten und geschützten Ankerplatz.

Bisher hatte uns der berüchtigte Meltemi verschont, aber am Abend begann es, kräftig zu blasen und in der Nacht fauchten die Böen bereits mit bis zu 40 kn über uns hinweg. An eine Weiterfahrt war vorerst nicht zu denken. Da wir auch keinen Zeitdruck hatten, richteten wir uns auf einen etwas längeren Aufenthalt ein. Inzwischen hatten auch noch andere Boote in der Bucht Zuflucht gefunden.

Nach 2 Tagen hielten wir es aber doch nicht mehr aus und wir ließen uns vom Meltemi und kräftiger Welle nach Süden treiben. Aber so richtig gemütlich wurde die Fahrt natürlich nicht, und so waren wir froh, in einer großen Bucht im Norden der Insel Paros einen (vor Wellen) geschützten Ankerplatz zu finden. Die Sturmböen sausten uns aber weiterhin um die Ohren.

Tags darauf setzten wir mit dem Schlauchboot zum Strand über und statteten dem hübschen Hafenstädtchen  Naousa  einen Besuch ab. Leider war der Fährbetrieb wegen des Sturms eingestellt, so dass wir ein Taxi nehmen mussten.

 

Naousa auf der Insel Paros Friedhof auf Naxos im Hinterland von Naxos

 

Am 3. Tag ließ der Meltemi etwas an Stärke nach und wir beschlossen, die Bucht zu verlassen und nach Naxos überzusetzen. Wir hätten wohl doch lieber noch einen Tag warten sollen – der Starkwind der letzten Tage hatte eine ruppige Welle aufgebaut, die genau auf der Einfahrt der Bucht lag. Nachdem wir uns da durchgekämpft hatten, begaben wir uns (freiwillig) auf Legerwall. Die vielen Riffe und Felsen an der Nordküste von Paros, die wir in geringem Abstand passierten, wirkten nicht gerade sehr beruhigend auf uns. Hinzu kam, dass der Wind inzwischen wieder auf 6 bft aufgefrischt hatte.

In der Marina von Naxos fanden wir einen freien Platz an einem Schwimmsteg und konnten uns dann erst einmal etwas erholen. Die Marina liegt direkt vor der Stadt.

Am nächsten Tag erkundeten wir die Insel mit einem Mietwagen. Naxos ist sehr gebirgig (bis 1000m hoch). Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und wir haben diese Fahrt nicht bereut.

An den folgenden Tagen änderte sich das Wetter nicht sehr. Während in den frühen Morgenstunden meist nur geringer Wind zu verzeichnen war, setzte regelmäßig gegen Mittag der Meltemi ein und steigerte sich schnell auf  7-8 Windstärken, die dann erst nach Sonnenuntergang langsam nachließen.

Am 5. September verließen wir Naxos, um in mehreren Tagesetappen über Schoinousa und Antikaros nach Amorgos zu segeln.

In Amorgos legten wir uns in der großen Bucht Katapola an die Stadtmole. Tags darauf machten wir einen erlebnisreichen Ausflug zum Kloster Hosoviotissa, das von nur 3 Mönchen bewohnt wird.

 

Kloster auf AmorgosFür die kommenden Tage war wieder Starkwind angekündigt und zwischen den vielen Charteryachten und Motorbooten, die alle mehr oder weniger fachmännisch vor Buganker lagen, fühlten wir uns nicht recht wohl. Wir legten deshalb noch am Nachmittag nach unserem Ausflug ab und verholten uns in die rundum geschützte Bucht Katalyri zwischen der kleinen Insel Nikouria und  Amorgos. Auf dem Weg dorthin hatten wir mit gut 3m Welle zu kämpfen und kamen dabei um einen „Vollwaschgang“ nicht herum. In der großen Bucht fiel dann der Anker vor dem Strand auf 5 m Sandgrund und am Abend wurde am Strand gemütlich gegrillt.

In der Nacht beglückwünschten wir uns zu der Entscheidung, die Mole von Amorgos verlassen zu haben. Schwere Sturmböen fegten über uns hinweg. Gegen Morgen setzte ich noch einen zusätzlichen Anker. Die Böen erreichten teilweise fast 50 kn, aber die Anker hielten felsenfest im Sandgrund.

 

"Fluchtbucht" vor AmorgosUnd ausgerechnet in dieser Abgeschiedenheit ereilte uns die traurige Nachricht, dass Heidis Vater plötzlich und für alle überraschend verstorben ist. Natürlich wollte sie so schnell wie möglich nach Hause fliegen, aber wie? Die nächstgelegenen Flughäfen lagen auf Naxos und auf Kos. Wir entschieden uns für Kos, einmal, weil diese Insel auf unserer Route lag und zum anderen, weil wir dorthin nicht gegen den Meltemi ankämpfen müssten. Bei dem gegenwärtigen Sturm war es allerdings völlig aussichtslos, die geschützte Bucht zu verlassen. In der Hoffnung auf eine Wetterbesserung buchten einen Flug nach Deutschland für einige Tage später.

Insgesamt eine Woche hatte uns der Sturm festgehalten, bevor wir am 16. September endlich die Bucht verlassen konnten.   

 

Nach 21 sm durch aufgewühlte See machten wir unser Boot in einer langen, schmalen Bucht im Süden von Kynaros an einer Boje fest, wo wir wie in einem Windkanal lagen. Tags darauf segelten wir eine kurze Strecke nach Levitha. Beim Einlaufen in die große geschützte Bucht fiel uns gleich eine Yacht auf, die uns bekannt vorkam. Es war die „Emocean“ mit Valerie und Jens, mit denen wir in Roccella Jonika gelegen hatten. Den Abend verbrachten wir gemeinsam in der gastlichen und einzigen Taverne der Insel.

Am nächsten Tag liefen wir gleichzeitig mit der „Emocean“ aus, die beiden wollten direkt nach Kos und wir hatten uns noch eine Zwischenübernachtung  auf  Kalymnos vorgenommen.

Einen Tag später setzten wir mit unserem Boot zu dem kleinen Hafen Mastikhari auf Kos über, so dass Heidi rechzeitig ihr Flugzeug erreichen konnte.

Nachdem ich nun allein auf dem Boot zurückgeblieben, war segelte ich zuerst nach Kos und von dort nach Bodrum, um  für die Türkei einzuklarieren. Von Bodrum aus ging es in die hübsche Bucht Knidos an der Halbinsel Datca und anschließend  nach Symi, wo ich mich in der großen, fast kreisrunden Bucht Panormitis mit dem großen Kloster vor Anker legte.

Nach einem weiteren Stop am einem „Kneipensteg“ in der Bucht Ciftlik lief ich am 26. September in die Bucht von Marmaris ein und machte dort unsere Yacht in der YAT-Marina  fest.

 

Damit war unser eigentlicher Sommertörn 2006 beendet. Seit Mai hatten wir von Sardinien bis in die Türkei rund 2500 Meilen zurückgelegt. Obwohl wir uns dabei recht viel Zeit gelassen hatten, sind viele schöne Plätze doch zu kurz gekommen. Das nächste Jahr wollen wir dazu nutzen, einige besonders interessante Fleckchen noch einmal zu besuchen.

 

Nachdem ich in Marmaris alle notwendigen Formalitäten für das Winterlager erledigt hatte, standen noch 4 Wochen „Buchtenbummeln“ an. Zuerst brachte ich unser Boot in 2 Etappen nach Göcek und holte Heidi vom Flugplatz in Dalaman ab.

Die große Bucht von Fethiye bietet eine Vielzahl schöner Ankerbuchten, und so tingelten wir von einer zur anderen, hauptsächlich darauf bedacht, einen schönen und vor allem ruhigen Platz zu finden. Einen besonders romantischen Platzt fanden wir in Siralibük Koyu, einer kleinen Bucht mit grobem Kies und einem einsamen Strand. 

 

unsere TraumbuchtZusätzlich zu unserem Anker brachten wir 2 Heckleinen zum Land aus. Das   abendliche Lagerfeuer unter glitzerndem Sternenhimmel wurde ein echter   Stimmungs-Höhepunkt und wir wollten so schnell eigentlich gar nicht wieder weg 

von hier. Am nächsten Tag nahm uns das Wetter aber die Entscheidung ab. Am Nachmittag setzte urplötzlich Sturm aus SO ein. Als der Anker zu slippen begann, startete ich die Maschine, konnte aber damit nicht genügend Druck erzeugen. Immer weiter wurden wir Richtung Felsen gedrückt. Wir mussten die Heckleinen abwerfen und konnten dann endlich das Boot gegen den Wind und die Wellen bewegen. Schnell holten wir den Anker auf und suchten in einer gegenüberliegenden Bucht Schutz vor den Elementen. Leider lag hier schon ein großer türkischer Motorsegler (Gulet), der mit seiner Ankerkette und den Landleinen keinen Platz mehr für uns gelassen hatte. Aber nach ein paar verzweifelten „Ehrenrunden“ erbarmte sich der Kapitän und gab uns ein Zeichen bei ihm längsseits zu gehen. Hier waren wir in Sicherheit und hatten dieses Abenteuer ohne Schaden überstanden. Unsere abgeworfenen Landleinen holten wir, nachdem der Sturm abgeflaut war, mit dem Schlauchboot zurück.

 

Ein paar Tage später reiste unser Enkel Fritz (8J.) mit dem Flugzeug in Antalya an. Von dort holten wir ihn mit einem Mietwagen ab. In den folgenden Wochen verbrachten wir Drei gemeinsam eine schöne und erholsame Zeit in den vielen Buchten um Göcek / Fethiye.

 

unser neuer Steuermann    abends am Lagerfeuer

 

Für Fritz war es ein tolles Erlebnis, tagelang ungebunden und frei von jeglichen Zwängen zu leben – baden, schnorcheln, Lagerfeuer, segeln.... Leider ging diese Zeit viel zu schnell vorbei und am 26.Oktober brachte ich Heidi und Fritz wieder zum Flughafen,  während ich anschließend unsere SOLEIL noch die 50 sm nach Marmaris zurücksegeln musste.

 

Nautische Informationen

 

Korfos (37° 45,8 N, 23° 07,7E)

gut geschützte und große Ankerbucht. Vorsicht bei der Ansteuerung: Untiefen, Fischzucht und Riffe!

 

Olympic Marina Lavrion

gut ausgestattet, möglichst vorher per Telefon oder UHF anmelden. Gute Versorgungsmöglichkeiten im etwas entfernten Ort.

 

Kea

Die Bucht Nicolaou an der NW-Seite bietet mehrere Ankerplätze, kann in der Saison aber voll werden.

 

Kythnos

sowohl die Buchten an der SW-Seite als auch der Hafen von Loutron im NO sind zu empfehlen. Die hübsche Hora ist gut mit dem Bus zu erreichen.

 

Syros

Die Buchten auf der Westseite bieten keinen besonders guten Schutz (den Hafen an der Westküste haben wir nicht kennen gelernt).

 

Rinneia

Im Süden der Inseln findet man eine hervorragend geschützte Ankerbucht bei 37° 22,8N, 25° 14,2E.

 

Paros

Die große Bucht im Norden der Insel bietet Ankermöglichkeiten bei allen Windrichtungen. Bei Starkwind aus nördl. Richtungen kann sich in und vor der Einfahrt zur Bucht gefährlicher Wellengang aufbauen.

 

Naxos

Die Marina bietet nicht viel Platz und ist meist belegt. Wir haben 12,- € incl. Strom und Wasser bezahlt.

Die Insel und auch den Hafen fanden wir sehr schön und sehenswert.

 

Schoinousa

Diese Insel liegt südlich von Naxos und bietet an der SW-Seite mehrere gute Ankerplätze.

 

Andikaros

Zwischen den kleinen Inselchen Andikaros und Dhrima findet man in der Durchfahrt einen sehr schönen Ankerplatz. Ansteuerung von SO, da die Durchfahrt nur für Ortskundige geeignet ist!!

 

Amorgos

In der großen Bucht von Katapola findet man mehrere Ankerplätze. Im Hinteren Teil der Bucht kann man vor dem Strand ankern oder römisch/katholisch am Stadtkai festmachen. In der Saison ist dort aber viel Betrieb. Strom und Wasser gegen Gebühr, Diesel aus Tankwagen.

 

Bucht Katalyri (36° 52,9N, 25° 55,5E)

Traumhaft schöner und sehr gut geschützter Ankerplatz südlich der kleinen Insel Nicouria. Ein Ausflug mit Klettertour lohnt sich. Bei ruhigem Wetter kleiner Fährverkehr zur Insel Amorgos.

 

Levitha

Die Bucht an der Südseite bietet Schutz gegen alle Winde. Man kann ankern oder für 7 € eine der ausgelegten Bojen benutzen. Der Betreiber der Bojen ist gleichzeitig Besitzer des einzigen Restaurants auf der Insel (Essen ist lecker !)

 

Kalymnos

Riesengroßer Hafen mit Liegeplätzen am Stadtkai. Die im Hafenhandbuch von R.Heikell eingezeichnete Marina haben wir vergeblich gesucht !

 

Insel Kos / Hafen Mastikhari

Hafen befindet sich an der NW-Küste der Insel. Er ist hauptsächlich mit kleinen Motorbooten belegt. Ein Liegeplatz war für uns ohne Probleme zu finden. Schwieriger Ankergrund - dicke Schicht von abgestorbenem Seegras!!

 

Insel Symi

Die große Bucht Panormitis an der SW-Seite der Insel bietet einen guten und geschützten Ankerplatz. Im Ort, der komplett zum Kloster gehört, befindet sich ein guter Bäcker! Die Kirche ist sehenswert.