Einleitung - Vorwort

Im Spätsommer 1999 hatten wir unsere in die Jahre gekommene Najade 900 (Baujahr 73) in Kroatien verkauft.

Auf dem Gebrauchtwarenmarkt waren wir inzwischen fündig geworden. Eine erst 3 Jahre alte Reinke 10 M (Aluminium) sagte uns sowohl vom Allgemeinzustand als auch vom Preis her zu. Mit dem Eigner wurden wir recht schnell handelseinig und bereits im Oktober wurde der Kaufvertrag abgeschlossen.

Als begeisterte "Warmwasser-Segler" sollte unser neues Stück wieder in den Süden verlegt werden, am liebsten wieder nach Kroatien, wo es uns ausnehmend gut gefallen hatte.

Der Weg sollte "außen herum" führen, also von Emden durch den Kanal, die äußere Biskaya und die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer. Diese Herausforderung reizte mich ganz gewaltig. Zum Ende der Überführung wollten wir eine Marina in der Nähe von Alicante ansteuern.

Da ich bisher keine praktischen Erfahrungen in Tide-Gewässern sammeln konnte, nahm ich mir besonders viel Zeit für eine gründliche Vorbereitung. Das betraf sowohl das Studium aller verfügbaren Revierberichte, die Beschaffung notwendiger Handbücher und Seekarten als auch die Durchführung einiger technischer Veränderungen an der Yacht. Den Winter nutzte ich, um den kleinen Petroleumkocher gegen einen Petroleumherd mit Backröhre austauschen zu lassen. Ich ließ 2 weitere Service-Batterien einbauen und die Stromkreise voneinander trennen. Auch die Sicherheitsausrüstung wurde erweitert. Zu dem schon Vorhandenen kamen neue automatische Schwimmwesten, ein Schlauchboot, eine EPIRB Seenotbake sowie kurz vor der Abreise leihweise eine Rettungsinsel für 4 Personen. Nachdem unsere erste Yacht auf den Namen "SOLEIL" hörte, entschieden wir uns, die Nachfolgerin  "SOLEIL II" zu taufen. Die notwendigen Schiffspapiere wie z.B. das Flaggenzertifikat mussten auch noch beschafft werden.

Anfang des Jahres stand die Route für die Überführung für mich ziemlich fest. Ich hatte dabei zu berücksichtigen, dass ich noch berufstätig bin und daher nicht über einen unbegrenzten Zeitfonds verfüge. Das gleiche Problem werden die Mitsegler haben, die ich aber erst noch "anheuern" musste.

Ich wollte die Yacht entweder nonstop oder mit höchstens 2 Zwischenstops zunächst bis nach Portugal schaffen. Von dort wollte ich dann die nächste Etappe mit meiner Frau als Urlaubsreise gestalten.

Nachdem ich im März die Möglichkeit hatte, des Vorhaben auch mit dem Segelprofi Burghard Pieske zu besprechen, der in Jena eine Ausstellung mit seiner "Bounty Bay" durchführte, entschied ich mich, von Emden aus zunächst an der holländischen Küste endlang zu segeln, vor Erreichen der Straße von Dover das Verkehrstrennungsgebiet zu kreuzen und meinen Kurs an der englischen Südküste fortzusetzen. Ein erster geplanter Zwischenstop sollte in Plymouth eingelegt werden. Von dort aus könnten dann meine ersten 2 Begleiter, die inzwischen mit meinen Freunden Nils und Frank feststanden, wieder nach Hause fliegen.

Von Plymouth wollte ich dann mit neuer Crew durch die äußere Biskaya bis nach Lissabon segeln.

Für die erste Etappe waren 7-8 Tage eingeplant, für die 2. Etappe 12 Tage. Gerechnet hatte ich mit Etmalen von 100 sm. Als Starttermin entschieden wir uns für den 6. Mai 2000.