31.05.08
Nachdem wir noch ein paar Tage mit Freunden aus unserer Heimat
vor Sardinien gekreuzt sind, haben wir heute unseren jahrelangen Heimathafen
Santamaria Navarrese auf Sardinien endgültig verlassen. Der Abschied von
der Segler- gemeinschaft im Hafen ist und schon etwas schwer
gefallen, aber den einen oder anderen werden wir vielleicht irgendwo auf dem
Wasser wieder treffen.
In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns Richtung Straße von
Gibraltar bewegen und haben dann vor, im Winter den Atlantik zu überqueren.
14.06.08
Seit einer Woche befinden wir uns im Bereich des Maddalenen Archipels im Nordosten von Sardinien. Die Landschaft ist traumhaft schön, aber das Wetter spielt dieses Jahr verrückt. Drei Tage lang haben wir in der Bucht von Cala Palma vor Anker ein ausgiebiges Sturmtief abgewettert. Uns erging es dabei besser als einem franz. Segler, der mit seiner Yacht strandete aber zum Glück wieder frei geschleppt werden konnte.
17.06.08
Gestern haben wir uns von kräftigem Ostwind und mitlaufendem
Strom durch die Straße von Bonifacio blasen lassen. Hinter der Isola Rossa
(vor dem Hafen) im Norden von Sardinien einen guten Ankerplatz gefunden.
Heute sind wir in Castelsardo eingelaufen und haben in der Marina einen Platz
bekommen.
Castelsardo sollte auf dem Routenplan eines jeden Seglers stehen, der nach
Nordsardinien kommt! Der Ort und die alte Festung sind interessant.
Hervorragende und preisgünstige Versorgungsmöglichkeiten bei EUROSPIN.
Am 22.06. haben wir früh, von Alghero aus, Sardinien mit Ziel Menorca
verlassen. Nach anfänglicher Flaute setze gegen Mittag leichter SO ein und wir
konnten Segel setzen. Heute hatten wir auch endlich mal wieder Angelglück - ein
stattlicher Tunfisch ist uns an den Haken gegangen und lieferte uns für die nächsten Tagen 4 schmackhafte
Mahlzeiten. Zur "Abrundung" des
ersten Tages auf See tauchten in unserer Nähe auch noch 3 große Wale auf, die
wir über längere Zeit beobachten konnten.
In der Nacht mussten wir leider wieder die Maschine zu Hilfe nehmen. Am
nächsten Tag baute sich eine immer kräftigere Dünung aus SO auf, die uns (bei
fehlendem Segelwind) tüchtig durchschüttelte. In der folgenden Nacht wurde es
immer "ekliger", so dass wir froh waren, am 24. früh 5.00 Uhr unseren
Anker in der Bucht Los Llanes fallen lassen zu können.
06.07.08
Die letzten 12 Tage haben wir uns vor Menorca "rumgetrieben"
und dabei sehr schöne Ankerplätze gefunden. Einige Tage lagen wir auch in der
Hauptstadt Mahon an einer Boje. Den Platz hatten uns Hannelore und
Franz von der "Ole Pinelle" empfohlen. Abends ging es dann mit dem
Schlauchboot zum Fußball-Fernsehen in das nächste Restaurant.
Da uns angekündigter Starkwind vorerst von der geplanten Überfahrt nach
Mallorca abhielt, machten wir noch einen Abstecher in den Norden von Menorca und
lernten dadurch noch den hübschen Ort Fornells mit seiner rundum
geschützten weitläufigen Ankerbucht kennen.
12.07.08
Seit dem 06.07.sind wir vor Mallorca. Ursprünglich wollten wir
die Südküste entlang nach Westen, aber unterwegs wurde uns die herrliche
Nordküste der Insel so schmackhaft gemacht, dass wir kurzfristig unsere Route
änderten. Unsere erste "Station" war die Bucht von Pollensa.
In einer schönen Bucht hinter der Isola de Formentor fanden wir
einen sicheren Platz in einem (kostenlosen) Bojenfeld. Hier trafen wir auch
wieder mit Cordula und Andreas von der "Aphrodite" zusammen, die wir
einige Tage zuvor in einer Bucht vor Menorca kennen gelernt hatten.
Gestern hatten wir einen traumhaft schönen Ankerplatz vor der Cala
Calobra. Eingerahmt von schroffen Felswänden lagen wir vor der Mündung
eines (im Sommer trockenen) Flusslaufes, der sich über mehrere km durch eine
steile Schlucht gefressen hat - beliebtes Ausflugsziel für Wanderer.
Der nördliche Teil von Mallorca hat uns bisher ausnahmslos gut gefallen!
19.07.08
Am 15.07. haben wir Mallorca Richtung Ibiza verlassen. An
unserem letzten Liegeplatz auf Mallorca in der Bucht von Andraitx
wurden wir noch etwas "gestresst":
Den ersten Ankerplatz mussten wir wieder räumen, da wir angeblich zu dicht an
der Fahrrinne zum Fischereihafen lagen. Danach schnappten wir uns, nach
längerer Suche, eine freie Boje, aber am Abend kamen die Besitzer und forderten
ihr Recht. Uns blieb nur noch ein Ankerplatz
außerhalb der Hafengeländes, wo
bereits eine Reihe anderer Boote lag. Als wir am nächsten Morgen weg wollten,
hatten sich Anker und Kette zwischen Felsbrocken verfangen.
Unseren ersten Liegeplatz vor Ibiza fanden wir in einer ruhigen kleinen
Seitenbucht vor Portinax an einer freien Boje.
Da wir unsere Vorräte mal wieder ergänzen mussten, verbrachten wir eine Nacht
und einen Tag in der großen und überaus belebten Bucht vor dem Hafen von San Antonio.
Ursprünglich wollten wir auch für ein paar Tage nach Formentera, aber als wir
unterwegs sahen, dass ganze "Karawanen" von Motor - und Segelyachten
dahin unterwegs waren, brachen wir das Vorhaben schleunigst ab und kehrten zu
unserem sehr schönen Ankerplatz vor der Cala d`Hort an der Westküste zurück.
Morgen wollen wir von hier zum spanischen Festland übersetzen.
01.08.08
Heute liegen wir in der Marina in Cartagena. Die letzten knapp 2 Wochen an der span. Festlandküste hatten wir einige schöne, aber auch weniger schöne Erlebnisse. zuerst natürlich die angenehmen:
an Heidis 60. Geburtstag fanden wir einen Liegeplatz im exclusiven "Real Club de Regata" in Alicante. Nach einem schönen Abendessen in der Stadt nahmen wir in der gemütlichen Bar des Yachtclubs noch einen Drink zu uns
als wir im Hafen von Villajoyosa lagen, fand dort im Ort das alljährliche Fest der "Moros und Christianos" statt. Mit einem aufwändigen und farbenfrohen Umzug, sowie nachgestellten Straßenkämpfen und einer "Seeschlacht" wird der Vertreibung der arabisch / maurischen Belagerer durch die vereinten christlichen Heere im 14. Jahrhundert gedacht
die Stadt Alicante ist immer eine Reise wert. Die vielen
liebevoll restaurierten Gebäude, die vielfältigen und ständig wechselnden
Mosaiken auf den Fußwegen und Parks und das pulsierende Leben haben uns
sehr angenehm beeindruckt
und nun das weniger angenehme:
Bei heftigem Wind waren wir gerade in das Mar Menor eingelaufen, um uns dort einen geschützten Ankerplatz für die Nacht zu suchen, als die Maschine plötzlich die Arbeit verweigerte. Unter Segel suchten wir uns erst einmal einen Ankerplatz in Lee einer kleinen Insel. Danach war Fehlersuche angesagt. Da es schon mehrmals Probleme mit der Dieselpumpe gab und wir über eine neue Pumpe als Reserve verfügten, wurde das Teil also gewechselt und siehe da, der Motor sprang wieder an. Große Freude bei uns! Aber auf dem heutigen Weg nach Cartagena fiel die Maschine wieder aus - ausgerechnet bei fast Flaute dicht vor dem mit Riffen gespickten Cabo Palos. In Windeseile wechselte ich den KS-Filter, entlüftete das System und 10 Minuten später sprang die Maschine wieder an. Bis hier nach Cartagena lief sie fehlerfrei weiter!
15.08.08
Heute sind wir am frühen Abend in die Bucht von Gibraltar
eingelaufen und haben nördlich der Landebahn des Flughafens einen geschützten
Ankerplatz gefunden.
Nach Cartagena haben wir einige Ankerplätze und Marinas aufgesucht, die wir
schon von unserem Überführungstörn im Jahr 2000 kannten. Sehr schön und
geschützt lagen wir vor Anker nördlich von Aguilas hinter der
Isola e. Fraile und in der Bucht von San Pedro
fanden wir eine buntes Volksgemisch von Aussteigern, Hippys, Punks, aber auch
einigen "normalen" Badegästen. Zu erreichen ist diese Bucht nur über
einen beschwerlichen Pfad oder per Boot. Als am Abend ein Schwimmer mit einem
Hund bei uns vorbeiplanschte, kamen wir ins Gespräch und luden wir beide auf
ein Glas Bier (Napf Wasser) in das Boot ein. Es stellte sich heraus, dass Er aus
Thüringen stammt (ist mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Afrika vorerst in
Spanien hängen geblieben und arbeitet ab und zu als Tagelöhner auf einer Finca)
und ihm der Hund zugelaufen ist.
Nach einer etwas ruppigen "Dampferfahrt" haben wir in Porto
Genoves östl. des Cabo da Gata wieder einen ruhigen und
sicheren Ankerplatz gefunden.
Der Motor ist seit der "Notoperation" auf dem Weg nach Cartagena
tadellos und ohne zu stottern gelaufen. Dafür hat sich eine Undichtheit
im KS-System eingestellt, die immer bedrohlicher wurde. Zuletzt floss mehr
Diesel in den Maschinenraum als in die Zylinder. Die Ursache war sehr schwer zu
finden und kostete mich einige unruhige Nächte. Jetzt ist aber alles trocken!!!
Morgen wollen wir nach Afrika - quer über die Straße von Gibraltar nach Ceuta, einer kleinen spanischen Enclave.
21.08.08
Die Überfahrt nach Ceuta verlief
ohne
Probleme. Wegen der starken Strömung mussten wir allerdings bis zu 30°
vorhalten. Auf dieser Passage wurden wir von vielen Delfinen begleitet. In der
Marina von Ceuta haben wir einen guten Liegeplatz bekommen (15,60 €).
Neben uns lag Herbert Stuemer mit seiner "Northern Magic". Der
Kanadier Herbert (geboren in Berlin) hatte in den 90ger Jahren mit
Frau und 3 Kindern eine abenteuerliche Weltumsegelung geschafft. Das darüber
entstandene Buch ist in Deutschland bei Delius Klasing unter dem
Titel "Das Glück war jeden Tag an Bord" erschienen. Wir verbrachten 2
nette Abende mit Herbert und konnten dabei so manchen guten Tipp
mitnehmen.
Von Ceuta aus wollten wir dann durch die
Strasse von Gibraltar
westwärts, aber Wind und Strömung machten uns einen Strich durch die Rechnung.
Nach 3 Stunden Kampf ohne echten "Raumgewinn" mussten wir unser
Vorhaben für diesen Tag aufgeben und drehten wieder nach Gibraltar ab. Den
Ankerplatz kannten wir ja nun schon und am Nachmittag hingen wir am Haken.
2 weitere Tage mussten wir noch warten, ehe uns der einsetzende Ostwind endlich
die Passage ermöglichte. Allerdings wurde es dann noch ziemlich heftig. Hatten
wir anfangs noch schönen achterlichen Wind mit 4-5 bft., nahm er kontinuierlich
zu, je näher wir dem westlichen Ausgang kamen. Vor Tarifa pfiffen uns schon 8
Windstärken um die Ohren, und eine chaotische Welle warf uns hin und her. Aber
kaum hatten wir die Meerenge nach Norden verlassen, beruhigte sich wenigstens
die See und bei 5-6 Windstärken jagten wir die letzten 15 Meilen nach Barbate.
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07.09.08
In Barbate haben wir sicher
gelegen, aber der Ort lud nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Er machte
einen recht heruntergekommenen
und schmutzigen Eindruck. Wesentlich besser
gefiel uns unser nächster Anlaufpunkt Cadiz. Diese Stadt ist
voller Leben und wir fanden es herrlich, uns in das Gewimmel zu stürzen oder
abends in rappelvollen Bodegas den Wein zu genießen.
Der Abschied von Cadiz ist uns schon etwas schwer gefallen, aber wir wollten
natürlich weiter.
Abends gabs frisches Brot aus dem Backofen ...
Letzte Nacht hat es dazu noch geregnet. Vielleicht wagen wir uns morgen raus – aber eine konstante Wetterlage haben wir dann noch immer nicht.
19.09.08
Bevor
wir endlich Richtung Madeira starten konnten, mussten wir noch eine
Schlechtwetterfront in Porto Baleeira (bei Sagras) vor Anker
abwettern. Dann gab es aber kein Halten mehr.
Am
17.09. gegen Mitternacht haben wir die Insel Porto Santo erreicht.
Die 440 sm Überfahrt von Portugal hatten es aber in sich! Alles, was man sich für
eine mehrtägige Segeltour nicht wünscht, ist nacheinander eingetreten.
Als wir am Sonntag früh gestartet sind, stand noch eine 3-4m Dünung von den Stürmen
der Vortage und 25 kn Wind aus NW waren auch nicht ganz ohne. Bei diesem
Geschaukel hielt sich der Appetit (gelinde gesagt) in Grenzen. Dafür rauschten
wir mit 6-7 kn über das Meer. In der 2. Nacht sind wir dann in eine Kaltfront
geraten, mit heftigen Böen und Gewitter. Später kam Flaute und der Motor mußte
ran. 4 sm vor dem Hafen von Porto Santo (kurz nach Sonnenuntergang und dicht vor
der felsigen Küste) fiel plötzlich die Maschine aus!!! Wind zum Segeln hatten
wir nicht.
Als es uns nicht gelungen war, die Maschine wieder zu beleben, blieb nur ein Ruf
über Funk. Der wurde zum Glück von einem anderen Segler im Hafen gehört und
der hat dann organisiert, dass wir abgeschleppt werden konnten. Nach 2 Stunden
Rumdümpeln kam erst ein Schlauchboot der Marina und später ein kräftigeres
privates Boot von Hochseeanglern, und gegen Mitternacht lagen wir endlich am
Steg.
Gestern
habe ich mir die Maschine vorgenommen und wieder in Gang gesetzt. Kleine Ursache
(Luft im System), große Wirkung! Wenn wir mehr Zeit und
größere Entfernung von der Küste gehabt hätten, wäre die ganze
"Bergungsaktion" nicht nötig gewesen. Dafür ist unser
Bekanntheitsgrad rapide angestiegen. Sogar ein Reporter der lokalen Presse war
da.
Inzwischen
geht es uns wieder sehr gut, Stimmung ist bestens! Wir haben hier schon viele
Segler verschiedenster Nationen mit gleichem Reiseziel getroffen. Eine 5-stündige
Wanderung zum Gipfel der Insel hat unsere unteren Extremitäten heute wieder in
Wallung gebracht. Die nächsten Tage werden wir hier auf Porto Santo noch
verweilen müssen, da das Wetter - wie es sich auf unserer Tour gehört - ungewöhnlich
stürmisch aus der falschen Richtung (Südwest) ist. Bei nächster Gelegenheit
dampfen wir und mindestens noch 15 weitere Boote gen Madeira ab.
Vorher werden wir uns aber noch (der Tradition gehorchend)
mit einem
"Kunstwerk" an der Mole der Marina verewigen.
30.09.08
Seit
dem 23.09. sind wir auf Madeira und haben unser Boot in der Marina
Quinta do Lorde auf der Halbinsel Sao Lorenco festgemacht.
Die französische SY "Vanille" mit Nadine und Tom, die wir schon in Porto
Baleeira in Portugal kennen gelernt hatten, war kurz vor uns eingelaufen.
Die Marina ist sehr gut ausgestattet. Die Sanitäranlagen sind Topp. Etwas
nachteilig ist der weite Weg bis zum nächsten Ort, aber die meisten Segler
nehmen sich sowieso für einige Tage einen Mietwagen, der mit 23,-...30,- €
pro Tag auch bezahlbar ist.
Madeira
ist eine herrliche Insel und lädt geradewegs zum Erkunden und Wandern ein, auch
wenn das Wetter zur Zeit recht unbeständig und regnerisch ist. Aber das kann
uns die Laune nicht verderben!
So wie wir haben die meisten einen etwas längeren Aufenthalt auf Madeira
eingeplant. Uns trieb es natürlich in die Natur und bei ausgedehnten
Wanderungen wurde endlich auch mal wieder der Kreislauf in Schwung gebracht.
Eine sehr schöne Levada-Wanderung machten wir zusammen mit Nadine und Tom und
anschließend ließen wir uns leckere "Espetadas" (traditionelle
einheimische Fleischspieße) und ein Glas "Puncha" munden.
Der Wetterbericht sagt für die nächsten 5 Tage nördliche Winde Stärke 3-4 voraus. Das wäre für unser nächstes Ziel Kanarische Inseln gerade ideal und wir bereiten deshalb unsere Abreise für übermorgen vor. Die hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten kommen uns dafür sehr entgegen. Dann muss noch Diesel und Wasser gebunkert werden und auch große Wäsche ist mal wieder fällig.
07.10.08
Heute
Nachmittag haben wir unseren Anker in der Bucht vor der Playa Francesa von
Graciosa fallen lassen. Die Tage davor waren wieder recht
erlebnisreich. Wir hatten Madeira am 02.09. bei recht regnerischem Wetter
verlassen. Unterwegs wechselten sich regelmäßig Regen, heftige Böen und
Flaute ab. Das Meer war ziemlich unruhig. In den Böen machten wir trotz 2fach
gerefftem Großsegel noch über 5 kn Fahrt.
Am 03.09 erreichten wir am späten Nachmittag die Insel Selvagem
Grande und gingen in der einzigen (einigermaßen geschützten Bucht) vor Anker (die
Ilhas Selvagens sind Naturschutzreservat und Ankern und Betreten erfordert eine
schriftliche Genehmigung, die wir uns auf Madeira besorgt hatten).
Diese ruppige Fahrt über 165 sm war aber auch an der Technik unseres Bootes
nicht ganz spurlos vorüber gegangen.
Auszug aus der "Krankenliste": Aufhängung Autopilot gerissen,
Druckschlauch Petroleumherd undicht, Steuerung der Ankerwinsch ausgefallen.
Das meiste ließ sich zum Glück mit eigenen Mitteln beheben bzw. behob sich
nach ein paar Wochen von selbst (Ankerwinsch). Den Druckschlauch mussten wir uns
aus Deutschland liefern lassen (wochenlang kein frisches selbstgebackenes
Brot!!!).
Am nächsten Morgen setzten wir mit dem Schlauchboot zur Insel über und
meldeten uns ordnungsgemäß beim Parkranger an. Es war ein freundlicher Empfang
und für den Nachmittag lud er
uns zu einer Führung über die Insel ein. Dabei
zeigte er uns u.a. die Brutplätze der Albatrosse sowie einige, nur auf den
Selvagens lebende Tiere. Die völlig unberührte Natur war ein beeindruckendes
Erlebnis für uns.
Als wir 2 Tage später unseren Anker lichten wollten, gab es erst einmal
Probleme. Auf dem felsigen Grund hatte sich die Ankerkette in 12m Tiefe um
mehrere Felsbrocken gewickelt und konnte nur nach einem ausgiebigen Tauchgang
freigelegt werden.
Die 136 sm nach Graciosa mussten wir leider größtenteils unter
Maschine zurücklegen, zuerst hatten wir Flaute und die letzten 50 sm blies uns
der Wind aus O-NO entgegen.
19.10.08
Inzwischen
haben wir uns auf den Kanaren schon ganz gut eingelebt. Wegen Schlechtwetter
hatten wir uns länger als vorgesehen auf Graciosa aufgehalten, aber es waren
trotzdem schöne Tage. Zuerst einmal trafen wir Nadine und Tom von der SY
Vanille wieder, die uns dann auch in den Hafen von Graciosa lockten. Dort
entdeckten wir plötzlich ein Boot mit dem Namen "Delirium", das
hatten wir doch vor 4 Jahren auf Sardinien kennen gelernt!! Tatsächlich - als
wir am Steg festmachten, standen dort bereits Veronika und Jean Paul. Nach den
vielen Jahren wurde es eine freudige Begrüßung und zu sechst verbrachten wir
einige schöne Tage.
Nachdem sich der Wind etwas gemäßigt hatte, sind wir am 13.10. weiter nach Rubicon
an der Südspitze von Lanzarote.
4 Tage genossen wir diese sehr schöne Marina und mit dem Mietwagen erkundeten
wir das Insel-Innere. Der Südwesten hat uns besonders beeindruckt.
Dann ging es weiter nach Fuerteventura. Eine Nacht
verbrachten wir in einer schönen Bucht vor der Insel Lobos, dann segelten wir
die Ostküste südwärts nach Gran Tarajal. Die Marina ist
inzwischen mit 2 neuen Schwimmstegen ausgebaut worden. Ankern im Hafen ist
dadurch zwar nicht mehr möglich, aber das Liegen (mit Strom und Wasser) ist
äußerst preiswert ( wenn der Hafenmeister nicht kommt, ist es kostenlos).
Der Ort selbst hat uns auch sehr gut gefallen - ruhig und gemütlich mit guten
Einkaufsmöglichkeiten.
31.10.08
Am
20.10. haben wir gegen Mittag Gran Tarajal, und damit Fuerteventura, verlassen.
Unser Ziel war die Südküste von Gran Canaria. Die ersten 6
Stunden hatten wir mit ständig wechselnden Winden zu kämpfen, An der
Südspitze von Fuerte fauchte es mit bis zu 35 kn. Auf dem offenen Meer wurde es
dann aber beständiger und mit gerefften Segeln und achterlichem Wind und Welle
hatten wir eine sehr schöne Nacht-Passage. Die letzten 10 sm mußten wir dann
noch die "Bremse anziehen", um nicht schon vor Sonnenaufgang
anzukommen. Kurz nach 08.00 Uhr ließen wir den Anker über herrlichem Sandgrund
in der Bucht vor der Marina Pasito Blanco fallen.
2 Tage später machten wir das Boot in der Marina Mogan fest, wo
wir und tags darauf mit unseren Freunden Bettina und Günter aus Deutschland trafen und eine schöne Woche
miteinander verbrachten. Gemeinsam erkundeten wir mit dem Mietwagen das
atemberaubende Insel-Innere und hatten auch sonst viele schöne Stunden.
Eine Woche später bekamen wir erneut Besuch: unsere Enkeltochter Frieda ist mit ihren anderen Großeltern aus Deutschland angereist. Sie brachten für uns auch ein paar dringend benötigte Ersatzteile mit ( z.B. einen neuen Anlasser). Mit dem Mietwagen holten wir sie vom Flughafen Las Palmas ab und verlebten ein paar sehr schöne Tage auf Gran Canaria. Bei einem Ausflug mit unseren Boot zu einer nahe gelegenen Bucht (Playa de Veneguera) erholten wir uns am Strand und badeten im herrlich klaren und warmen Wasser.
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09.12.2008
Weihnachten
ist gar nicht mehr so weit und noch immer sind wir auf den Kanaren!
Eigentlich wollten wir schon vor den Kapverdischen Inseln liegen, aber es kam
nun mal wieder anders.
Zunächst hatten wir ein paar sehr schöne Tage auf Teneriffa. In
der Marina San Miguel fanden wir einen ruhigen Platz am
Schwimmsteg und mit dem Mietwagen machten wir ein paar interessante Ausflüge in
das Insel-Innere. Der Teide-Nationalpark durfte dabei nat
ürlich
nicht fehlen.
In San Miguel trafen wir auch Volker mit seiner "Ziganka III". Wir
waren uns bereits einmal in Porto Santo begegnet und unsere
Reiseplanung lässt weitere Begegnungen erwarten.
Aber auch mit den traurigen "Besonderheiten" dieser so nahe am Afrikanischen Kontinent liegenden Insel mussten wir Bekanntschaft machen. Schon bei der Ansteuerung von Teneriffa, kurz nach Sonnenaufgang, hatte ein kleines, mit vielen schwarzen Gestalten beladenes Holzboot unseren Kurs gekreuzt. Einige Tage später wurde ein ähnliches Boot mit mehr als 30 afrikanischen Flüchtlingen in den Hafen von San Miguel geschleppt.
Nach
einer knappen Woche zog es uns weiter nach La Gomera. Die
Überfahrt war zwar mit 28 sm nicht sehr weit, aber die unberechenbare Strömung
und der Wind, der immer mehr zunahm je näher wir der Küste kamen, machte die
Fahrt doch recht anstrengend. Die letzten Meilen hatten wir es mit 30 kn
achterlichem Wind bei 3 kn Gegenströmung zu tun, so dass wir froh waren,
am späten Nachmittag in der Marina von San Sebastian einen ruhigen Liegeplatz
zu bekommen.
Als wir das Boot am Steg festmachten, tauchte plötzlich Werner auf, ein
alter Bekannter aus unserer Heimatstadt Jena und der eigentliche "Schudige"
dafür, dass wir uns vor nunmehr 9 Jahren eine REINKE zugelegt hatten. Er ist
jetzt, nach einigen Atlantik-Überquerungen, auf La Gomera sesshaft geworden,
macht sich hier im Hafen als Bootsbauer auf jede erdenkliche Art und Weise
nützlich und konnte uns auch bei einigen unserer Problemchen helfen.
San
Sebastian und die gesamte Insel La Gomera haben uns ausgesprochen gut gefallen.
Es ist vielleicht sogar die schönste Insel, die wir bisher mit unserem Boot
besucht haben. Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass wir von hier nicht
loskamen. Die Landschaft ist einfach traumhaft und sollte möglichst zu Fuß
erkundet werden.
Allerdings
gab es auch noch einen anderen Grund für unseren "verlängerten
Aufenthalt": am letzten Tag vor unserem Aufbruch zu den Kapverden stellten
wir fest, dass unsere Batterien "im Sterben liegen". Nach ein paar
Tagen Bedenkzeit bissen wir in den sauren Apfel und bestellten neue Batterien -
auf La Gomera eine kostspielige Angelegenheit. Die notwendige Wartezeit nutzten
wir, um uns und das Boot auf die nächsten, langen Schläge vorzubereiten
(Lebensmittel aller Art und Trinkwasser bunkern, Segel optimieren, Windgenerator
überholen, Unterwasserschiff säubern, Zinkanoden wechseln...).
25.12.2008
Mit den neuen Batterien hat es dann doch
nicht so geklappt, wie vorgesehen. Von den 3 gelieferten passten nur 2 zusammen.
Die Dritte war ein völlig anderer Typ, was nun – noch mal 2 Wochen warten?
Wir entschieden uns „zähneknirschend“, auf 100 Ah zu verzichten und bauten
nur 2 Batterien ein.
Eigentlich wollten wir (mit mehreren anderen Booten) nun lossegeln, aber ständig
zogen Schlechtwetterfronten über uns hinweg. Jeden Tag wurden neue Starttermine
„festgelegt“.
Der 14.12. war nun unser nächster „fester“ Termin - Wasser aufgefüllt,
frisches Brot gebacken… Aber in der Nacht davor Sturmböen ohne Ende, am Tag
Dauerregen!
Aber am Mittwoch, 17.12. ging
es nun endgültig los! Vor uns lagen 760 sm bis zu den Kapverdischen Inseln
nach Sal.
Die ersten Tage verliefen, wie meistens, nicht so prickelnd. Alte Welle von den
durchgezogenen Schlechtwetterfronten und wechselnde Winde mit zum Teil heftigen
Böen setzten uns heftig zu. Aber als uns am 3. Tag eine leckere
Kartoffelsuppe mit einem Bier mundete, war wieder alles im Lot.
Wir hatten uns auf einen 6-Stunden-Wachrhythmus festgelegt und sind damit ganz
gut klar gekommen. So blieb für jeden genügend Zeit zum Schlafen (zumindest
theoretisch). Heimtückischer Weise zwangen uns wechselnde Winde besonders
nachts immer wieder zu Segelmanövern, und das ging natürlich nicht allein.
Die Nächte waren so stockfinster, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Von 18.30
Uhr bis früh 07.30 Uhr war es dunkel. Die anrollenden Wellen waren nur
akustisch wahrzunehmen. Nach einiger Zeit konnten wir am anrollenden Geräusch
schon abschätzen, ob uns eventuell eine „Dusche“ bevorsteht, oder das Boot
nur durchgerüttelt wird. Trotzdem hatten diese finsteren Nächte auch ihre
interessanten Seiten. Manchmal trieb das Boot
durch ein Meer von leuchtendem Plankton – faszinierend - und der
Sternenhimmel war (in den wenigen wolkenlosen Stunden) traumhaft.
Aber auch eine unangenehme meteorologische Besonderheit dieser Gegend blieb uns
nicht erspart – der Harmattan - ein kräftiger Ostwind, der große Mengen Wüstenstaub
aus der Sahara über das Meer mitführt. Der Himmel wird gelb und das Boot
braun! Überall setzt sich der Dreck fest, besonders an den Seilen, Wanten,
Segeln und dem Mast.
Die ersten 5 Tage bescherte uns der Wind Etmale (zurückgelegte Strecken in 24
Stunden 12.00 – 12.00 Uhr) um die 100 sm.
Es sah also nicht danach aus, dass wir Sal noch vor Weihnachten erreichen
könnten. Aber Weihnachten, zumindest Heilig Abend auf dem Meer, ist auch mal
ein Erlebnis.
24. Dezember: 15.00 Uhr war „Bescherung“, die den Umständen
entsprechend dürftig ausfiel. Aus unseren Stauräumen wurden
ein Stollen und Dominosteine hervor
gezaubert, eine Kerze wurde kippsicher in einem Glas verstaut und mit einem
Tannenzapfen (an Stelle eines Weihnachtsbaumes) war das Fest "perfekt".
Man kann eben nicht alles haben.
Seit unserer Abfahrt von La Gomera hatten wir regelmäßig Funkkontakt mit
Christoph von Intermar, der uns mit der neuesten
Wetterinformationen versorgte. Auch die Standorte anderer Segler und deren
Erlebnisse und eventuell Sorgen bekamen wir darüber mit. So erfuhren wir, dass
die „Ziganka“ bei
der Anfahrt auf die Kapverden-Insel Sao Vicente ein dickes Tau in die
Schiffsschraube bekommen hat und in den Hafen von Mindelo
geschleppt werden musste. Vielleicht treffen wir sie dort wieder?
Inzwischen hatten wir uns der Insel Sal bis auf wenige Seemeilen
genähert. Um nicht schon in der Nacht dem
unbekannten Gewässer mit Strömungen und Riffen zu nahe zu kommen, mussten wir
etwas „bremsen“. Wir refften die Segel und ließen die Maschine mitlaufen.
Als am 25.12. die Sonne aufging, lag die erste Kapverden-Insel dicht vor uns und
um 11.30 Uhr ließen wir den Anker in der Bucht von Porto de Palmeira an der
NW-Küste von Sal fallen. Acht „arbeits“- und erlebnisreiche Tage auf dem
Ozean lagen hinter uns. Auch wenn uns das Wetter nicht gerade verwöhnt hatte,
gab es für uns doch keine Probleme. Die nächsten Aufgaben können kommen!!!
Die Kapverden gehören zu
Westafrika. Die Bevölkerung ist dunkelhäutig aber nicht ausgesprochen
afrikanisch. Der Jahrhunderte währende europäische Einfluss hat auch in der
Vermischung der Rassen seine Spuren hinterlassen. Bevor die Kapverden 1975
selbständig wurden, gehörten sie lange Zeit zu Portugal. Entsprechend ist die
Hauptsprache auch noch immer Portugiesisch.
Porto de Palmeira ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte für
Segler auf dem Weg nach Südafrika, Südamerika und die Karibik. Es ist deshalb
auch nicht verwunderlich, dass mit uns noch ca. 35 weitere Yachten aus den
unterschiedlichsten Herkunftsländern in der Bucht vor Anker lagen. Es waren
aber auch einige dabei, die wieder zurück nach Europa wollten.
Das Einklarieren verlief problemlos. Landeswährung kann man entweder aus einem
Automaten ziehen oder besser an der Kasse des Supermarktes (!) eintauschen.
Das wirkliche Leben des Dorfes spielt sich an der kleinen Hafenmole ab, wo der
Fang der Fischer anlandet und zum Verkauf ausgebreitet wird.
Die große Bucht von Porto de Palmeira bietet zwar unter den vorherrschenden
Windbedingungen recht guten Schutz, bei starkem Schwell aus westlichen
Richtungen kann es allerdings recht ungemütlich werden, besonders für die
Yachten, die dicht vor dem Strand ankern. Wenn dann die langen Wellen von bis zu
2m Höhe in die Bucht laufen, zieht sich das Wasser am Strand wie bei einem
Tsunami weit zurück. Das war auch der Grund, dass wir bereits am 27.12. Sal
verlassen haben, um nach Sao Nicolau weiter zu segeln.
Vor uns lagen 90 Meilen. Nachdem Heidi noch das Abendessen vorbereitet hatte,
gingen wir um 18.00 Uhr Anker auf.
Der Wind stand günstig und wir machten unter Fock und Großsegel gute Fahrt. Plötzlich
„Fisch-Alarm“!! An unserer Angel hing ein stattlicher Tunfisch, ein ca. 3 kg
schwerer Bonito – „Zusatzverpflegung“ für die nächsten 3 Tage - in
unterschiedlichsten Zubereitungsarten.
Am nächsten Tag gegen 15.00 Uhr erreichten wir unseren Ankerplatz vor dem Ort Tarrafal.
Wir fanden dort ruhiges Wasser vor einer felsigen Küste und einem dahinter
liegenden Bergmassiv, das bis auf 1300m ansteigt. Der Ankerplatz ist ernorm
Fallwind-gefährdet, aber wir blieben zum Glück davon verschont.
Unser erster Ausflug an Land war gleich ein Erlebnis. Als wir das Beiboot am
Hafenkai festmachten, stürmten ein paar Kinder auf uns zu, die auf unser
Schlauchboot aufpassen und uns herumführen wollten. Nachdem wir die
„Aufgaben“ verteilt und die Bezahlung geklärt hatten, machten wir unsere
Besorgungen. Außerdem wollten wir mit dem Trans-Ocean-Stützpunktleiter
„Henny“ Kontakt aufnehmen. Da es mit dem Telefon nicht klappte und wir auch
keine Adresse hatten, fragten wir und durch und waren ganz erstaunt, dass fast
jeder in Tarrafal „Henny“ kannte. Man führte uns bis zu einem Haus über
der Küste, und da trafen wir Henny, einen Holländer Schweizer Herkunft, in
seinem früheren Leben Koch, der seit Urzeiten auf Sao Nicolau zu leben scheint.
Er kennt jeden und alles, kümmert sich um alles und ist enorm hilfsbereit. Bei
Kaffe und einem Glas Wein wurde das nächste Programm besprochen und nebenbei
unsere Wäsche gewaschen.
Als wir zu unserem Beiboot zurück kamen, hatte sich die ruhige Hafenmole in
einen geschäftigen Fischmarkt verwandelt. Sardinen, Makrelen und andere
kleinere Fische gingen stückweise oder als Pakete an den Käufer, große
Brocken wie Tunfische, Barrakudas und ähnliche wurden gleich an Ort zerlegt und
die Abfälle ins Wasser geworfen. In dieser Brühe schwamm übersät von
Fischresten unser
Schlauchboot! Igitt!! Nachdem wir ein paar Fotos geschossen hatten,
machten wir uns schnell aus dem Staub.
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Sao Nicolau ist eine sehr interessante und landschaftlich abwechslungsreiche
Insel. Davon konnten wir uns bei einer Fahrt zur Hauptstadt im Hochland mit dem
Linienbus und bei einem Ausflug zur nördlichen Steilküste überzeugen.
Inzwischen neigte sich das Jahr dem Ende entgegen und Silvester wollten wir
eigentlich nicht allein verbringen. Wir wussten, dass mehrere unserer Bekannten
bereits in Mindelo auf der Insel Sao Vicente lagen und hofften, einige davon in der Marina anzutreffen.
Als wir uns am 31.12. früh um 04.00 Uhr aus der Koje quälten, war es bewölkt
und recht windig. Wir ahnten, dass es recht ruppig werden kann, wenn wir den
Schutz der Insel verlassen und so war es dann auch. Heftige Wellen warfen uns
hin und her, dazu kam eine gewaltige Strömung zwischen den Inseln. Die 48
Meilen bis Mindelo wurden eine echte Herausforderung. Als wir die „rettende“
Bucht schon dicht vor uns hatten, legte uns eine Sturmbö flach und Heidis neu
erstandenes Handtuch ging über Bord.
In der Marina fanden wir einige bekannte Segelyachten, viele waren
zwischenzeitlich verlassen. Die Crews waren entweder auf den Inseln unterwegs
oder zu Besuch in der Heimat. Aber am Nachbarsteg lag die "LIV" mit Christel und Wolfgang und gemeinsam verbrachten wir den Jahreswechsel, der
um 0.00 Uhr mit einem gigantischen Feuerwerk (das uns bei der offensichtlichen
Armut des Landes zu denken gab) eingeleitet wurde.
Zu einem Höhepunkt unseres Kapverden-Aufenthalts wurde eine 2-tägige
Wandertour auf der Insel Sao Antao. Wir hatten das Programm telefonisch bei André
(einem auf Sao Antao lebenden Franzosen) vorgebucht. Die von ihm
geführten Trackingtouren durch enge Schluchten, vorbei an klaren Wasserfällen,
durch Zuckerrohrplantagen und abgelegene Ortschaften, über Bergrücken mit blühenden
Wiesen und märchenhaften Ausblicken waren ein echtes Erlebnis.
Zurück in Mindelo ging es nun an die letzten Vorbereitungen für die
Atlantik-Passage. Inzwischen waren auch die Besatzungen der „Vanille“ und
„Ziganka“ eingetroffen.
Leider spielte das Wetter nicht mit, dauernde Sturmböen drückten mächtig auf
die Stimmung aller Segler. So blieb aber auch noch genügend Zeit, um uns mit
unseren Freunden zu treffen und die verschiedenen Routen in die Karibik zu erörtern.
Nachdem der Wind etwas nachzulassen schien und wir die letzten wichtigen Sachen
wie Wasser, Diesel, Obst und Gemüse gebunkert hatten, haben unsere beiden
Yachten am 08.01.2009, 11.30 Uhr,
begleitet von einem Hup- und Pfeifkonzert, den Hafen von Mindelo verlassen.
1.Tag auf See (09.01.)
Anfangs hatten wir im Kanal
zwischen den Inseln die erwartete hackige Welle mit Schaumkämmen und viel Wind.
Die erhoffte Beruhigung stellte sich leider nicht ein, sondern wir mussten auch
auf dem offenen Ozean mit heftiger Dünung kämpfen. Hinzu kam jetzt eine grässliche
Kreuzsee, Ausläufer mehrerer Sturmtiefs im Nordatlantik. Der Appetit ließ an
den ersten 2 Tagen auch noch zu wünschen übrig - das kennen wir ja
schon. Na ja. Eigentlich konnte es nur besser
werden!
4. Tag auf See (12.01.)
Etmal: 132sm / Log: 378 sm
Gestern
hat sich Heidi eine tiefe Platzwunde über dem Auge zugezogen, als sie von einer
Kreuzsee gegen die Kabinenwand katapultiert worden ist. Hätte eigentlich genäht
werden müssen!
Klaus
muss ständig in das Ruder eingreifen, da Autopilot und auch Windsteueranlage
oft überfordert sind, wenn uns Wellen und Böen mal wieder aus dem Kurs
geworfen haben. Mehrere große Brecher krachten über das Schiff.
Inzwischen
haben wir uns daran gewöhnt und das Essen schmeckt auch. Kochen und einigermaßen
zivilisiertes Essen erfordert allerdings akrobatische Fähigkeiten.
5. Tag auf See (13.01.)
Etmal: 106 sm / Log: 484 sm
Wir hatten eine unruhige Nacht. Wetterbericht: keine Änderung!
Heidi ist wütend, erst recht, als ihr eine Tasse mit 3 Eiern im Waschbecken
umkippt und die Eier im Abfluss verschwinden.
Vormittags endlose Segelmanöver. Bei diesen Kreuzseen werden die Segel und die
Spibäume extrem belastet – von uns beiden ganz zu schweigen!
Von Intermar hören wir, dass auf den Kanaren der kälteste Winter
seit 35 Jahren herrscht und im Nordatlantik ein Sturmtief das andere ablöst.
Aber dieser Tag hält noch andere Höhepunkte für uns bereit:
Am Nachmittag geht uns ein herrlicher Barrakuda an die Angel..
7. Tag auf See
(15.01.)
Etmal 103 sm / Log: 686 sm
Klaus
kommt die ganze Nacht nicht zur Ruhe. Ohne Ausbaumer ist keine ruhige Fahrt möglich.
Chaotisch wechselnde Winde. In der Nacht reißt ein Block am Steuerseil des
Windpiloten – Reparatur im Dunkeln!
Der Wind weht mit 25-30 kn, in den Böen
35-40 kn. Die See geht hoch und die Kreuzseen türmen sich auf 6-8 m. Es sieht
manchmal schon recht gespenstisch aus.
10.00 Uhr Funkrunde mit Intermar: das Wetter bessert sich die nächsten Tage
nicht, sondern es wird eher noch schlechter.
Nach dem Frühstück Fock wieder ausgebaumt – jetzt können wir endlich wieder
Kurs anlegen und wir ziehen mit 5-6 kn durch die wilde See. Die meterhohen
Wellen brechen sich mit blauem Wasser und weißer Gischt nahe am Schiff –
sieht schön aus, aber wir haben mehre Einsteiger im Cockpit und zwei schaffen
es bis in die Kabine – Bodenluken voll Wasser – alles ausräumen!!
Besondere „Erlebnisse“ sind die Toilettengänge und das tägliche Duschen im
Cockpit.
12. Tag auf See (19.01.)
Etmal: 103 sm / Log: 1.229 sm
Bergfest - aber richtige Freude kommt nicht auf. Eine aufregende Nacht liegt
hinter uns: gegen Mitternacht kracht der große Spibaum mitsamt dem Schlitten
und dem Mastbeschlag auf das Kabinenfenster – mit Ausbaumen ist nun Schluss.
Gegen 05.00 früh jagt ein Squall mit 35-40 kn über uns hinweg. Klaus stürzt
in´s Cockpit, um die Fock zu retten
und wirft die Maschine an. Bei diesem Chaos rauscht die Fockschot aus und wird
von der Schraube erfasst!!! Schlagartig steht die Maschine! Wir könnten nur
noch die Schot kappen, ziehen uns erschöpft in die Kabine zurück und lassen
das Schiff treiben.
Erstaunlicherweise konnten wir sogar ein paar Stunden schlafen. Aber es musste
ja weitergehen, also fertig machen zum nächsten Segelmanöver!
16.
Tag auf See ( 23.01.)
Etmal:
100 sm / Log: 1.653 sm
Nachdem wir für den Spibaum am Mast (mit Seilen und einem Handtuch als
Polsterung) eine provisoris
che Befestigung angebracht haben, können wir die
Fock wieder ausbaumen, aber wie lange wird das halten?
Heute hatten wir erstmals ein paar Minuten Sonnenschein und der Wind hat auch
etwas nachgelassen. Sollte das der Durchbruch sein?
17. Tag auf See (24.01.)
Etmal: 89 sm / Log: 1.742
Jetzt schimpfen wir über zu wenig Wind! Aber als sich am Nachmittag auch die
See etwas beruhigte, war endlich die Gelegenheit da, um die Motorwelle von der
Fockschot zu befreien. Mit Taucherbrille und Schnorchel ging Klaus in´s Wasser
und nach 15 Min. war die Welle wieder frei. Uns fiel ein Stein vom Herzen, denn
bei dem Gedanken, unter Segel in den (unbekannten) Hafen von Scarborough auf
Tobago einlaufen zu müssen, fühlten wir uns recht unwohl, auch wenn uns die
"LIV" bereits über Funk ihre Hilfe angeboten hatte.
18.
Tag auf See (25.01.)
Etmal: 93 sm / Log: 1.835 sm
Seit 2 Tagen haben wir endlich
freundlicheres Wetter und auch gleich 30°C!!
Und so sieht unser
Nachdem ich Nachtwache hatte kommt Klaus 8.00 aus den Federn, um sich in die tägliche
Funkrunde mit „Intermar“ einzuklinken (beginnt 10.00 Uhr UTC und kann im
Internet unter www.intermar-ev.de mitgehört
werden).
Dieser direkte Kontakt, wo wir Wetterinfos für exakt unsere Position erhalten
und auch Probleme besprechen können, ist sehr hilfreich und fast familiär. Man
käme sich sonst wohl doch ziemlich verlassen vor.
Früh und abends haben wir über Funk auch noch
Kontakt zu anderen Booten auf der Strecke, so z.B. mit der SY "LIV",
die uns voraus Richtung Tobago segelt. Nach einem kräftigen Frühstück gibt es
einiges zu tun wie: Logbuch schreiben, kochen, Brot backen, angeln und g.g.f.
Fische ausnehmen (was jedes Mal eine gründliche Cockpitreinigung nach sich
zieht). Wir hatten bis jetzt einen Barrakuda, eine schöne Goldmakrele und einen ca. 3 kg
Tunfisch (Bonito) an der Angel – eine willkommene Ergänzung zu den ansonsten gut
sortierten Vorräten. Abends essen wir meistens warm.
Nach der wochenlangen Fahrt bei stürmischem
Wetter, wobei das Material extremen Belastungen ausgesetzt war, sind auch einige
Reparaturen und Erneuerungen erforderlich.
Zur Zeit haben wir Schwachwind mit stündlichen
Regenschauern und dümpeln so vor uns hin. Noch liegen 300 sm vor uns und eine
voraussichtliche Ankunftszeit lässt sich so schwer abschätzen.
29.
01. 2009
Wir haben es geschafft!!!
Nach 2.160
sm und 20 Tagen Fahrt über den Atlantik
haben wir gestern, am 28.1. um 11.30 Uhr Ortszeit
unseren Anker im Hafen von Scarborough auf der Karibik-Insel
Tobago fallen lassen. Die Segelyacht „LIV“ mit Christel und
Wolfgang, mit denen wir gemeinsam von den Kapverden gestartet sind und mit denen
wir unterwegs regelmäßig im Funkkontakt standen, haben uns schon erwartet.
Wir sind glücklich und auch ein bisschen stolz
darauf, diese Herausforderung bewältigt zu haben. Die Wetterbedingungen waren während
der gesamten 3 Wochen alles andere als optimal. Kaum ein Boot, das zur gleichen
Zeit auf dieser Route unterwegs war, ist ungeschoren davon gekommen. Neben uns
liegt ein Segler aus Frankreich, der hat seinen Mast eingebüßt, einem anderen
hat eine Welle das Kabinenfenster zerschmettert, ein Einhandsegler gilt noch als
vermisst. So gesehen sind unsere „Verluste“ ( zerbrochener Spinnackerbaum,
abgerissener Spinnaker-Mastbeschlag und
eingerissenes Vorsegel) sowie zahlreiche
blaue Flecke noch Lappalien.
Unsere "Soleil" hat uns sicher in die Karibik gebracht und sich nun,
genau wie wir, ruhigere Zeiten und "Erholung" verdient.
Jetzt müssen wir uns erstmal wieder an das
„Landleben“ gewöhnen, wenn wir auf festem Boden laufen oder sitzen, fühlen
wir uns noch wie auf einem schwankenden Boot.
Unsere ersten paar Stunden an Land haben uns
gleich gut gefallen. Die karibische Mentalität ist schon ganz angenehm – viel
Musik und alles nicht so ernst. Das hat sogar auf die "Offiziellen"
(Zoll und Immigration) abgefärbt – alle sind freundlich und locker drauf.
Wenn in den nächsten Tagen endlich einmal der heftige Tropenregen aufhören würde,
wären wir rundum glücklich.
Wir möchten uns bei allen, die uns unterwegs die
Daumen gedrückt haben ganz herzlich bedanken, auch für die lieben Emails, die
wir erst jetzt in einem Internetcafe lesen und deshalb nicht eher beantworten
konnten.