Auszüge aus unserem Logbuch (ab 2008)

 

1. Sardinien - Gibraltar (1.430 sm)

 

31.05.08

Nachdem wir noch ein paar Tage mit Freunden aus unserer Heimat vor Sardinien gekreuzt sind, haben wir heute unseren jahrelangen Heimathafen Santamaria Navarrese auf Sardinien endgültig verlassen. Der Abschied von der Segler- gemeinschaft im Hafen ist und schon etwas schwer gefallen, aber den einen oder anderen werden wir vielleicht irgendwo auf dem Wasser wieder treffen.
In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns Richtung Straße von Gibraltar bewegen und haben dann vor, im Winter den Atlantik zu überqueren.

 

14.06.08

Seit einer Woche befinden wir uns im Bereich des Maddalenen Archipels im Nordosten von Sardinien. Die Landschaft ist traumhaft schön, aber das Wetter spielt dieses Jahr verrückt. Drei Tage lang haben wir in der Bucht von Cala Palma vor Anker ein ausgiebiges Sturmtief abgewettert. Uns erging es dabei besser als einem franz. Segler, der mit seiner Yacht strandete aber zum Glück wieder frei geschleppt werden konnte.

 

17.06.08

Gestern haben wir uns von kräftigem Ostwind und mitlaufendem Strom durch die Straße von Bonifacio blasen lassen. Hinter der Isola Rossa  (vor dem Hafen)  im Norden von Sardinien einen guten Ankerplatz gefunden.
Heute sind wir in Castelsardo eingelaufen und haben in der Marina einen Platz bekommen.
Castelsardo sollte auf dem Routenplan eines jeden Seglers stehen, der nach Nordsardinien kommt! Der Ort und die alte Festung sind interessant. Hervorragende und preisgünstige Versorgungsmöglichkeiten bei EUROSPIN.

 

24.06.08

Am 22.06. haben wir früh, von Alghero aus, Sardinien mit Ziel Menorca verlassen. Nach anfänglicher Flaute setze gegen Mittag leichter SO ein und wir konnten Segel setzen. Heute hatten wir auch endlich mal wieder Angelglück - ein stattlicher Tunfisch ist uns an den Haken gegangen und lieferte uns für die nächsten Tagen  4 schmackhafteunser erster kapitaler Tunfisch Mahlzeiten. Zur "Abrundung" des ersten Tages auf See tauchten in unserer Nähe auch noch 3 große Wale auf, die wir über längere Zeit beobachten konnten.
In der Nacht mussten wir leider wieder die Maschine zu Hilfe nehmen. Am nächsten Tag baute sich eine immer kräftigere Dünung aus SO auf, die uns (bei fehlendem Segelwind) tüchtig durchschüttelte. In der folgenden Nacht wurde es immer "ekliger", so dass wir froh waren, am 24. früh 5.00 Uhr unseren Anker in der Bucht Los Llanes fallen lassen zu können.

                                                                                                                                                                                       

                                                                                                                                              

06.07.08

Die letzten 12 Tage haben wir uns vor Menorca "rumgetrieben" und dabei sehr schöne Ankerplätze gefunden. Einige Tage lagen wir auch in der Hauptstadt Mahon an einer Boje. Den Platz hatten uns Hannelore und Franz von der "Ole Pinelle" empfohlen. Abends ging es dann mit dem Schlauchboot zum Fußball-Fernsehen in das nächste Restaurant.die Einfahrt nach Fornells/Menorca
Da uns angekündigter Starkwind vorerst von der geplanten Überfahrt nach Mallorca abhielt, machten wir noch einen Abstecher in den Norden von Menorca und lernten dadurch noch den hübschen Ort Fornells mit seiner rundum geschützten weitläufigen Ankerbucht kennen.

 

 

 

12.07.08

Seit dem 06.07.sind wir vor Mallorca. Ursprünglich wollten wir die Südküste entlang nach Westen, aber unterwegs wurde uns die herrliche Nordküste der Insel so schmackhaft gemacht, dass wir kurzfristig unsere Route änderten. Unsere erste "Station" war die Bucht von Pollensa. In einer schönen Bucht hinter der Isola de Formentor fanden wir einen sicheren Platz in einem (kostenlosen) Bojenfeld. Hier trafen wir auch wieder mit Cordula und Andreas von der "Aphrodite" zusammen, die wir einige Tage zuvor in einer Bucht vor Menorca kennen gelernt hatten.wildromantische Ankerbucht Cala Calobra
Gestern hatten wir einen traumhaft schönen Ankerplatz vor der Cala Calobra. Eingerahmt von schroffen Felswänden lagen wir vor der Mündung eines (im Sommer trockenen) Flusslaufes, der sich über mehrere km durch eine steile Schlucht gefressen hat - beliebtes Ausflugsziel für Wanderer.
Der nördliche Teil von Mallorca hat uns bisher ausnahmslos gut gefallen!

 

19.07.08

Am 15.07. haben wir Mallorca Richtung Ibiza verlassen. An unserem letzten Liegeplatz auf Mallorca in der Bucht von Andraitx wurden wir noch etwas "gestresst":
Den ersten Ankerplatz mussten wir wieder räumen, da wir angeblich zu dicht an der Fahrrinne zum Fischereihafen lagen. Danach schnappten wir uns, nach längerer Suche, eine freie Boje, aber am Abend kamen die Besitzer und forderten ihr Recht. Uns blieb nur noch ein Ankerplatz Abschied von Mallorca außerhalb der Hafengeländes, wo bereits eine Reihe anderer Boote lag. Als wir am nächsten Morgen weg wollten, hatten sich Anker und Kette zwischen Felsbrocken verfangen.

Unseren ersten Liegeplatz vor Ibiza fanden wir in einer ruhigen kleinen Seitenbucht vor Portinax an einer freien Boje.
Da wir unsere Vorräte mal wieder ergänzen mussten, verbrachten wir eine Nacht und einen Tag in der großen und überaus belebten Bucht vor dem Hafen von San Antonio.
Ursprünglich wollten wir auch für ein paar Tage nach Formentera, aber als wir unterwegs sahen, dass ganze "Karawanen" von Motor - und Segelyachten dahin unterwegs waren, brachen wir das Vorhaben schleunigst ab und kehrten zu unserem sehr schönen Ankerplatz vor der Cala d`Hort an der Westküste zurück.
Morgen wollen wir von hier zum spanischen Festland übersetzen.

 

01.08.08

Heute liegen wir in der Marina in Cartagena. Die letzten knapp 2 Wochen an der span. Festlandküste hatten wir einige schöne, aber auch weniger schöne Erlebnisse. zuerst natürlich die angenehmen:

und nun das weniger angenehme:

 

15.08.08

Heute sind wir am frühen Abend in die Bucht von Gibraltar eingelaufen und haben nördlich der Landebahn des Flughafens einen geschützten Ankerplatz gefunden.
Nach Cartagena haben wir einige Ankerplätze und Marinas aufgesucht, die wir schon von unserem Überführungstörn im Jahr 2000 kannten. Sehr schön und geschützt lagen wir vor Anker nördlich von Aguilas hinter der Isola e. Fraile und in der Bucht von San Pedro fanden wir eine buntes Volksgemisch von Aussteigern, Hippys, Punks, aber auch einigen "normalen" Badegästen. Zu erreichen ist diese Bucht nur über einen beschwerlichen Pfad oder per Boot. Als am Abend ein Schwimmer mit einem Hund bei uns vorbeiplanschte, kamen wir ins Gespräch und luden wir beide auf ein Glas Bier (Napf Wasser) in das Boot ein. Es stellte sich heraus, dass Er aus Thüringen stammt (ist mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Afrika vorerst in Spanien hängen geblieben und arbeitet ab und zu als Tagelöhner auf einer Finca) und ihm der Hund zugelaufen ist.
Nach einer etwas ruppigen "Dampferfahrt" haben wir in Porto Genoves östl. des Cabo da Gata wieder einen ruhigen und sicheren Ankerplatz gefunden.

Der Motor ist seit der "Notoperation" auf dem Weg nach Cartagena tadellos und ohne zu stottern gelaufen. Dafür  hat sich eine Undichtheit im KS-System eingestellt, die immer bedrohlicher wurde. Zuletzt floss mehr Diesel in den Maschinenraum als in die Zylinder. Die Ursache war sehr schwer zu finden und kostete mich einige unruhige Nächte. Jetzt ist aber alles trocken!!!

Morgen wollen wir nach Afrika - quer über die Straße von Gibraltar nach Ceuta, einer kleinen spanischen Enclave.

 

2. Gibraltar - Madeira (931 sm)

 

21.08.08

Die Überfahrt nach Ceuta verlief ohne Probleme. Wegen der starken Strömung mussten wir allerdings bis zu 30° vorhalten. Auf dieser Passage  wurden wir von vielen Delfinen begleitet. In der Marina von Ceuta haben wir einen guten Liegeplatz bekommen (15,60 €).
Neben uns lag Herbert Stuemer mit seiner "Northern Magic". Der Kanadier Herbert  (geboren in Berlin) hatte in den  90ger Jahren mit Frau und 3 Kindern eine abenteuerliche Weltumsegelung geschafft. Das darüber entstandene Buch  ist in Deutschland bei Delius Klasing  unter dem Titel "Das Glück war jeden Tag an Bord" erschienen. Wir verbrachten 2 nette Abende mit  Herbert und konnten dabei so manchen guten Tipp mitnehmen.

Von Ceuta aus wollten wir dann durch die Strasse von Gibraltar westwärts, aber Wind und Strömung machten uns einen Strich durch die Rechnung. Nach 3 Stunden Kampf ohne echten "Raumgewinn" mussten wir unser Vorhaben für diesen Tag aufgeben und drehten wieder nach Gibraltar ab. Den Ankerplatz kannten wir ja nun schon und am Nachmittag hingen wir am Haken.
2 weitere Tage mussten wir noch warten, ehe uns der einsetzende Ostwind endlich die Passage ermöglichte. Allerdings wurde es dann noch ziemlich heftig. Hatten wir anfangs noch schönen achterlichen Wind mit 4-5 bft., nahm er kontinuierlich zu, je näher wir dem westlichen Ausgang kamen. Vor Tarifa pfiffen uns schon 8 Windstärken um die Ohren, und eine chaotische Welle warf uns hin und her. Aber kaum hatten wir die Meerenge nach Norden verlassen, beruhigte sich wenigstens die See und bei 5-6 Windstärken jagten wir die letzten 15 Meilen nach Barbate.

besonders liebe Gäste Blick von Afrika nach Europa

07.09.08

In Barbate haben wir sicher gelegen, aber der Ort lud nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Er machte einen recht heruntergekommenenBodegbummel in Cadiz und schmutzigen Eindruck. Wesentlich besser gefiel uns unser nächster Anlaufpunkt Cadiz. Diese Stadt ist voller Leben und wir fanden es herrlich, uns in das Gewimmel zu stürzen oder abends in rappelvollen Bodegas den Wein zu genießen.
Der Abschied von Cadiz ist uns schon etwas schwer gefallen, aber wir wollten natürlich weiter.

Ein interessantes Hobby wurde das Erkunden von Flussmündungen zwischen Ayamonte und Faro (Algarve). Dazu bedarf es umfangreicher Studien der Gezeitentabellen (ca. 3m Unterschied des Wasserstandes bei Ebbe und Flut), der Strömungsverhältnisse und der Seekarten, damit wir über die Flachstellen und Sandbänke kommen. Große Gebiete der sehr flach auslaufenden Atlantikküste fallen bei Ebbe trocken, man muss die teilweise betonnten Fahrrinnen finden ... interessant und manchnal auch aufregend. Die Einfahrt in den Nationalpark Ria Formosa (bei Faro) gestaltete sich so: Als wir ankommen, treffen die langgezogenen Wellen des Atlantik genau in der Durchfahrt (ca 80 m breit, zu beiden Seiten Felsen) auf das ablaufende Wasser, was eine tosende Brandung mit steilen schäumenden Wellen und Strudeln erzeugt. Klaus steuert beherzt darauf zu, klemmt sich ans Ruder und hofft, dass unser Motor gegen die Wasserwüste ankommt. Ich schaue mit Entsetzen auf diesen Hexenkessel... An Zuschauern mangelt es uns nicht, Angler und Spaziergänger beobachten von der Mole, wie sich das auf den Wellen tanzende Schiff durchkämpft. Wir scheinen auf der Stelle zu stehen, haben bestimmt 4 Knoten Gegenströmung. Dann sind wir endlich durch, das Getöse liegt hinter uns, ruhiges Wasser und Sandbänke, die mit fortschreitender Ebbe zu Inseln werden, vor uns. Wir finden einen schönen Ankerplatz und freuen uns, dass wir um eine Erfahrung reicher sind. Gefährlich wäre es nicht geworden, aber peinlich, wenn wir hätten umkehren müssen ...
Abends gabs frisches Brot aus dem Backofen ...

Als letzten Hafen auf dem europ. Festland hatten wir uns Lagos ausgesucht. Hier wollten wir uns noch einmal mit dem Nötigsten  versorgen und dann nach Madeira starten. Heute ist der 06.09. und wir liegen seit 4 Tagen in dieser Supermarina (Swimmingpool, Miele-Waschmaschinen, toller Supermarkt, hotspot für WLAN....) und machen schon lange Gesichter. Das Wetter macht uns gegenwärtig einen Strich durch unsere Rechnung. Statt des erwarteten Nordwindes bläst es seit 4 Tagen konstant aus Südwest, also genau aus unserer Fahrtrichtung. 

Letzte Nacht hat es dazu noch geregnet. Vielleicht wagen wir uns morgen raus – aber eine konstante Wetterlage haben wir dann noch immer nicht.

 

19.09.08

Bevor wir endlich Richtung Madeira starten konnten, mussten wir noch eine Schlechtwetterfront in Porto Baleeira (bei Sagras) vor Anker abwettern. Dann gab es aber kein Halten mehr.

Am 17.09. gegen Mitternacht haben wir die Insel Porto Santo erreicht. Die 440 sm Überfahrt von Portugal hatten es aber in sich! Alles, was man sich für eine mehrtägige Segeltour nicht wünscht, ist nacheinander eingetreten.
Als wir am Sonntag früh gestartet sind, stand noch eine 3-4m Dünung von den Stürmen der Vortage und 25 kn Wind aus NW waren auch nicht ganz ohne. Bei diesem Geschaukel hielt sich der Appetit (gelinde gesagt) in Grenzen. Dafür rauschten wir mit 6-7 kn über das Meer. In der 2. Nacht sind wir dann in eine Kaltfront geraten, mit heftigen Böen und Gewitter. Später kam Flaute und der Motor mußte ran. 4 sm vor dem Hafen von Porto Santo (kurz nach Sonnenuntergang und dicht vor der felsigen Küste) fiel plötzlich die Maschine aus!!! Wind zum Segeln hatten wir nicht.
Als es uns nicht gelungen war, die Maschine wieder zu beleben, blieb nur ein Ruf über Funk. Der wurde zum Glück von einem anderen Segler im Hafen gehört und der hat dann organisiert, dass wir abgeschleppt werden konnten. Nach 2 Stunden Rumdümpeln kam erst ein Schlauchboot der Marina und später ein kräftigeres privates Boot von Hochseeanglern, und gegen Mitternacht lagen wir endlich am Steg.

Gestern habe ich mir die Maschine vorgenommen und wieder in Gang gesetzt. Kleine Ursache (Luft im System), große Wirkung! Wenn wir mehr Zeit und  größere Entfernung von der Küste gehabt hätten, wäre die ganze "Bergungsaktion" nicht nötig gewesen. Dafür ist unser Bekanntheitsgrad rapide angestiegen. Sogar ein Reporter der lokalen Presse war da.

Inzwischen geht es uns wieder sehr gut, Stimmung ist bestens! Wir haben hier schon viele Segler verschiedenster Nationen mit gleichem Reiseziel getroffen. Eine 5-stündige Wanderung zum Gipfel der Insel hat unsere unteren Extremitäten heute wieder in Wallung gebracht. Die nächsten Tage werden wir hier auf Porto Santo noch verweilen müssen, da das Wetter - wie es sich auf unserer Tour gehört - ungewöhnlich stürmisch aus der falschen Richtung (Südwest) ist. Bei nächster Gelegenheit dampfen wir und mindestens noch 15 weitere Boote gen Madeira ab.
Vorher werden wir uns aber noch  (der Tradition gehorchend)
mit einem "Kunstwerk" an der Mole der Marina verewigen.

 

30.09.08

Seit dem 23.09. sind wir auf Madeira und haben unser Boot in der Marina Quinta do Lorde auf der Halbinsel Sao Lorenco festgemacht. Die französische SY "Vanille" mit Nadine und Tom, die wir schon in Porto Baleeira in Portugal kennen gelernt hatten, war kurz vor uns eingelaufen.
Die Marina ist sehr gut ausgestattet. Die Sanitäranlagen sind Topp. Etwas nachteilig ist der weite Weg bis zum nächsten Ort, aber die meisten Segler nehmen sich sowieso für einige Tage einen Mietwagen, der mit 23,-...30,- € pro Tag auch bezahlbar ist.

Madeira ist eine herrliche Insel und lädt geradewegs zum Erkunden und Wandern ein, auch wenn das Wetter zur Zeit recht unbeständig und regnerisch ist. Aber das kann uns die Laune nicht verderben!
So wie wir haben die meisten einen etwas längeren Aufenthalt auf Madeira eingeplant. Uns trieb es natürlich in die Natur und bei ausgedehnten Wanderungen wurde endlich auch mal wieder der Kreislauf in Schwung gebracht. Eine sehr schöne Levada-Wanderung machten wir zusammen mit Nadine und Tom und anschließend ließen wir uns leckere "Espetadas" (traditionelle einheimische Fleischspieße) und ein Glas "Puncha" munden.

Der Wetterbericht sagt für die nächsten 5 Tage nördliche Winde Stärke 3-4 voraus. Das wäre für unser nächstes Ziel Kanarische Inseln gerade ideal und wir bereiten deshalb unsere Abreise für übermorgen vor. Die hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten kommen uns dafür sehr entgegen. Dann muss noch Diesel und Wasser gebunkert werden und auch große Wäsche ist mal wieder fällig.

 

 

3. Madeira - Kanarische Inseln (423 sm)

 

07.10.08

Heute Nachmittag haben wir unseren Anker in der Bucht vor der Playa Francesa von Graciosa fallen lassen. Die Tage davor waren wieder recht erlebnisreich. Wir hatten Madeira am 02.09. bei recht regnerischem Wetter verlassen. Unterwegs wechselten sich regelmäßig Regen, heftige Böen und Flaute ab. Das Meer war ziemlich unruhig. In den Böen machten wir trotz 2fach gerefftem Großsegel noch über 5 kn Fahrt.
Am 03.09 erreichten wir am späten Nachmittag die Insel Selvagem Grande und gingen in der einzigen (einigermaßen geschützten Bucht) vor Anker (die Ilhas Selvagens sind Naturschutzreservat und Ankern und Betreten erfordert eine schriftliche Genehmigung, die wir uns auf Madeira besorgt hatten).

Diese ruppige Fahrt über 165 sm war aber auch an der Technik unseres Bootes nicht ganz spurlos vorüber gegangen.  
Auszug aus der "Krankenliste":
Aufhängung Autopilot gerissen, Druckschlauch Petroleumherd undicht, Steuerung der Ankerwinsch ausgefallen.
Das meiste ließ sich zum Glück mit eigenen Mitteln beheben bzw. behob sich nach ein paar Wochen von selbst (Ankerwinsch). Den Druckschlauch mussten wir uns aus Deutschland liefern lassen (wochenlang kein frisches selbstgebackenes Brot!!!).

Am nächsten Morgen setzten wir mit dem Schlauchboot zur Insel über und meldeten uns ordnungsgemäß beim Parkranger an. Es war ein freundlicher Empfang und für den Nachmittag lud er uns zu einer Führung über die Insel ein. Dabei zeigte er uns u.a. die Brutplätze der Albatrosse sowie einige, nur auf den Selvagens lebende Tiere. Die völlig unberührte Natur war ein beeindruckendes Erlebnis für uns.

Als wir 2 Tage später unseren Anker lichten wollten, gab es erst einmal Probleme. Auf dem felsigen Grund hatte sich die Ankerkette in 12m Tiefe um mehrere Felsbrocken gewickelt und konnte nur nach einem ausgiebigen Tauchgang freigelegt werden.
Die 136 sm nach Graciosa mussten wir leider größtenteils unter Maschine zurücklegen, zuerst hatten wir Flaute und die letzten 50 sm blies uns der Wind aus O-NO entgegen.

 

19.10.08

Inzwischen haben wir uns auf den Kanaren schon ganz gut eingelebt. Wegen Schlechtwetter hatten wir uns länger als vorgesehen auf Graciosa aufgehalten, aber es waren trotzdem schöne Tage. Zuerst einmal trafen wir Nadine und Tom von der SY Vanille wieder, die uns dann auch in den Hafen von Graciosa lockten. Dort entdeckten wir plötzlich ein Boot mit dem Namen "Delirium", das hatten wir doch vor 4 Jahren auf Sardinien kennen gelernt!! Tatsächlich - als wir am Steg festmachten, standen dort bereits Veronika und Jean Paul. Nach den vielen Jahren wurde es eine freudige Begrüßung und zu sechst verbrachten wir einige schöne Tage.
Nachdem sich der Wind etwas gemäßigt hatte, sind wir am 13.10. weiter nach Rubicon an der Südspitze von Lanzarote.
4 Tage genossen wir diese sehr schöne Marina und mit dem Mietwagen erkundeten wir das Insel-Innere. Der Südwesten hat uns besonders beeindruckt.
Dann ging es weiter nach Fuerteventura. Eine Nacht verbrachten wir in einer schönen Bucht vor der Insel Lobos, dann segelten wir die Ostküste südwärts  nach Gran Tarajal. Die Marina ist inzwischen mit 2 neuen Schwimmstegen ausgebaut worden. Ankern im Hafen ist dadurch zwar nicht mehr möglich, aber das Liegen (mit Strom und Wasser) ist äußerst preiswert ( wenn der Hafenmeister nicht kommt, ist es kostenlos).
Der Ort selbst hat uns auch sehr gut gefallen - ruhig und gemütlich mit guten Einkaufsmöglichkeiten.

 

31.10.08

Am 20.10. haben wir gegen Mittag Gran Tarajal, und damit Fuerteventura, verlassen. Unser Ziel war die Südküste von Gran Canaria. Die ersten 6 Stunden hatten wir mit ständig wechselnden Winden zu kämpfen, An der Südspitze von Fuerte fauchte es mit bis zu 35 kn. Auf dem offenen Meer wurde es dann aber beständiger und mit gerefften Segeln und achterlichem Wind und Welle hatten wir eine sehr schöne Nacht-Passage. Die letzten 10 sm mußten wir dann noch die "Bremse anziehen", um nicht schon vor Sonnenaufgang anzukommen. Kurz nach 08.00 Uhr ließen wir den Anker über herrlichem Sandgrund in der Bucht vor der Marina Pasito Blanco fallen.
2 Tage später machten wir das Boot in der Marina Mogan fest, wo wir und tags darauf mit unseren Freunden Bettina und Günter aus Deutschland trafen und eine schöne Woche miteinander verbrachten. Gemeinsam erkundeten wir mit dem Mietwagen das atemberaubende Insel-Innere und hatten auch sonst viele schöne Stunden.

Eine Woche später bekamen wir erneut Besuch: unsere Enkeltochter Frieda ist mit ihren anderen Großeltern aus Deutschland angereist.  Sie brachten für uns auch ein paar dringend benötigte Ersatzteile mit ( z.B. einen neuen Anlasser). Mit dem Mietwagen holten wir sie vom Flughafen Las Palmas ab und verlebten ein paar sehr schöne Tage auf Gran Canaria. Bei einem Ausflug mit unseren Boot zu einer nahe gelegenen Bucht (Playa de Veneguera) erholten wir uns am Strand und badeten im herrlich klaren und warmen Wasser.

Baumpracht auf Gran Canaria

"SOLEIL III"

 

09.12.2008

Weihnachten ist gar nicht mehr so weit und noch immer sind wir auf den Kanaren!  Eigentlich wollten wir schon vor den Kapverdischen Inseln liegen, aber es kam nun mal wieder anders.
Zunächst hatten wir ein paar sehr schöne Tage auf Teneriffa. In der Marina San Miguel fanden wir einen ruhigen Platz am Schwimmsteg und mit dem Mietwagen machten wir ein paar interessante Ausflüge in das Insel-Innere. Der Teide-Nationalpark durfte dabei natürlich nicht fehlen.
In San Miguel trafen wir auch Volker mit seiner "Ziganka III". Wir waren uns bereits einmal in Porto Santo begegnet und unsere Reiseplanung lässt weitere Begegnungen erwarten.

Aber auch mit den traurigen "Besonderheiten" dieser so nahe am Afrikanischen Kontinent liegenden Insel mussten wir Bekanntschaft machen. Schon bei der Ansteuerung von Teneriffa, kurz nach Sonnenaufgang, hatte ein kleines, mit vielen schwarzen Gestalten beladenes Holzboot unseren Kurs gekreuzt. Einige Tage später wurde ein ähnliches Boot mit mehr als 30 afrikanischen Flüchtlingen in den Hafen von San Miguel geschleppt.

Nach einer knappen Woche zog es uns weiter nach La Gomera. Die Überfahrt war zwar mit 28 sm nicht sehr weit, aber die unberechenbare Strömung und der Wind, der immer mehr zunahm je näher wir der Küste kamen, machte die Fahrt doch recht anstrengend. Die letzten Meilen hatten wir es mit 30 kn achterlichem Wind  bei 3 kn Gegenströmung zu tun, so dass wir froh waren, am späten Nachmittag in der Marina von San Sebastian einen ruhigen Liegeplatz zu bekommen.
Als wir das Boot am Steg festmachten, tauchte plötzlich  Werner auf, ein alter Bekannter aus unserer Heimatstadt Jena und der eigentliche "Schudige" dafür, dass wir uns vor nunmehr 9 Jahren eine REINKE zugelegt hatten. Er ist jetzt, nach einigen Atlantik-Überquerungen, auf La Gomera sesshaft geworden, macht sich hier im Hafen als Bootsbauer auf jede erdenkliche Art und Weise nützlich und konnte uns auch bei einigen  unserer Problemchen helfen.

San Sebastian und die gesamte Insel La Gomera haben uns ausgesprochen gut gefallen. Es ist vielleicht sogar die schönste Insel, die wir bisher mit unserem Boot besucht haben. Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass wir von hier nicht loskamen. Die Landschaft ist einfach traumhaft und sollte möglichst zu Fuß erkundet werden.

Allerdings gab es auch noch einen anderen Grund für unseren "verlängerten Aufenthalt": am letzten Tag vor unserem Aufbruch zu den Kapverden stellten wir fest, dass unsere Batterien "im Sterben liegen". Nach ein paar Tagen Bedenkzeit bissen wir in den sauren Apfel und bestellten neue Batterien - auf La Gomera eine kostspielige Angelegenheit. Die notwendige Wartezeit nutzten wir, um uns und das Boot auf die nächsten, langen Schläge vorzubereiten (Lebensmittel aller Art und Trinkwasser bunkern, Segel optimieren, Windgenerator überholen, Unterwasserschiff säubern, Zinkanoden wechseln...).

 

4. La Gomera – Kapverdische Inseln  (760 sm)

 

25.12.2008

Mit den neuen Batterien hat es dann doch nicht so geklappt, wie vorgesehen. Von den 3 gelieferten passten nur 2 zusammen. Die Dritte war ein völlig anderer Typ, was nun – noch mal 2 Wochen warten? Wir entschieden uns „zähneknirschend“, auf 100 Ah zu verzichten und bauten nur 2 Batterien ein.

Eigentlich wollten wir (mit mehreren anderen Booten) nun lossegeln, aber ständig zogen Schlechtwetterfronten über uns hinweg. Jeden Tag wurden neue Starttermine „festgelegt“.
Der 14.12. war nun unser nächster „fester“ Termin - Wasser aufgefüllt, frisches Brot gebacken… Aber in der Nacht davor Sturmböen ohne Ende, am Tag Dauerregen!
Aber am Mittwoch, 17.12. ging es nun endgültig los! Vor uns lagen 760 sm bis zu den Kapverdischen Inseln nach Sal.

Die ersten Tage verliefen, wie meistens, nicht so prickelnd. Alte Welle von den durchgezogenen Schlechtwetterfronten und wechselnde Winde mit zum Teil heftigen Böen setzten uns heftig zu. Aber als uns am 3. Tag eine leckere Kartoffelsuppe mit einem Bier mundete, war wieder alles im Lot.

Wir hatten uns auf einen 6-Stunden-Wachrhythmus festgelegt und sind damit ganz gut klar gekommen. So blieb für jeden genügend Zeit zum Schlafen (zumindest theoretisch). Heimtückischer Weise zwangen uns wechselnde Winde besonders nachts immer wieder zu Segelmanövern, und das ging natürlich nicht allein.
Die Nächte waren so stockfinster, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Von 18.30 Uhr bis früh 07.30 Uhr war es dunkel. Die anrollenden Wellen waren nur akustisch wahrzunehmen. Nach einiger Zeit konnten wir am anrollenden Geräusch schon abschätzen, ob uns eventuell eine „Dusche“ bevorsteht,  oder das Boot nur durchgerüttelt wird. Trotzdem hatten diese finsteren Nächte auch ihre interessanten Seiten. Manchmal trieb das Boot  durch ein Meer von leuchtendem Plankton – faszinierend -  und der Sternenhimmel war (in den wenigen wolkenlosen Stunden) traumhaft.
Aber auch eine unangenehme meteorologische Besonderheit dieser Gegend blieb uns nicht erspart – der Harmattan - ein kräftiger Ostwind, der große Mengen Wüstenstaub aus der Sahara über das Meer mitführt. Der Himmel wird gelb und das Boot braun! Überall setzt sich der Dreck fest, besonders an den Seilen, Wanten, Segeln und dem Mast.
Die ersten 5 Tage bescherte uns der Wind Etmale (zurückgelegte Strecken in 24 Stunden 12.00 – 12.00 Uhr) um die 100 sm.  Es sah also nicht danach aus, dass wir Sal noch vor Weihnachten erreichen könnten. Aber Weihnachten, zumindest Heilig Abend auf dem Meer, ist auch mal ein Erlebnis.

24. Dezember:
15.00 Uhr war „Bescherung“, die den Umständen entsprechend dürftig ausfiel. Aus unseren Stauräumen wurden ein Stollen und Dominosteine  hervor gezaubert, eine Kerze wurde kippsicher in einem Glas verstaut und mit einem Tannenzapfen (an Stelle eines Weihnachtsbaumes) war das Fest "perfekt". Man kann eben nicht alles haben.Heilig Abend

Seit unserer Abfahrt von La Gomera hatten wir regelmäßig Funkkontakt mit Christoph von Intermar, der uns mit der neuesten Wetterinformationen versorgte. Auch die Standorte anderer Segler und deren Erlebnisse und eventuell Sorgen bekamen wir darüber mit. So erfuhren wir, dass die „Ziganka“  bei der Anfahrt auf die Kapverden-Insel Sao Vicente ein dickes Tau in die Schiffsschraube bekommen hat und in den Hafen von Mindelo geschleppt werden musste. Vielleicht treffen wir sie dort wieder?

Inzwischen hatten wir uns der Insel Sal bis auf wenige Seemeilen genähert. Um nicht schon in der Nacht  dem unbekannten Gewässer mit Strömungen und Riffen zu nahe zu kommen, mussten wir etwas „bremsen“. Wir refften die Segel und ließen die Maschine mitlaufen.
Als am 25.12. die Sonne aufging, lag die erste Kapverden-Insel dicht vor uns und um 11.30 Uhr ließen wir den Anker in der Bucht von Porto de Palmeira an der NW-Küste von Sal fallen. Acht „arbeits“- und erlebnisreiche Tage auf dem Ozean lagen hinter uns. Auch wenn uns das Wetter nicht gerade verwöhnt hatte, gab es für uns doch keine Probleme. Die nächsten Aufgaben können kommen!!!



5. Kapverdische Inseln  25.12.2008 – 07.01.2009

 

Die Kapverden gehören zu Westafrika. Die Bevölkerung ist dunkelhäutig aber nicht ausgesprochen afrikanisch. Der Jahrhunderte währende europäische Einfluss hat auch in der Vermischung der Rassen seine Spuren hinterlassen. Bevor die Kapverden 1975 selbständig wurden, gehörten sie lange Zeit zu Portugal. Entsprechend ist die Hauptsprache auch noch immer Portugiesisch.

Porto de Palmeira ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte für Segler auf dem Weg nach Südafrika, Südamerika und die Karibik. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass mit uns noch ca. 35 weitere Yachten aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern in der Bucht vor Anker lagen. Es waren aber auch einige dabei, die wieder zurück nach Europa wollten.

Das Einklarieren verlief problemlos. Landeswährung kann man entweder aus einem Automaten ziehen oder besser an der Kasse des Supermarktes (!) eintauschen.
Das wirkliche Leben des Dorfes spielt sich an der kleinen Hafenmole ab, wo der Fang der Fischer anlandet und zum Verkauf ausgebreitet wird.
Die große Bucht von Porto de Palmeira bietet zwar unter den vorherrschenden Windbedingungen recht guten Schutz, bei starkem Schwell aus westlichen Richtungen kann es allerdings recht ungemütlich werden, besonders für die Yachten, die dicht vor dem Strand ankern. Wenn dann die langen Wellen von bis zu 2m Höhe in die Bucht laufen, zieht sich das Wasser am Strand wie bei einem Tsunami weit zurück. Das war auch der Grund, dass wir bereits am 27.12. Sal verlassen haben, um nach Sao Nicolau weiter zu segeln.Ankerplatz im Schwell

Vor uns lagen 90 Meilen. Nachdem Heidi noch das Abendessen vorbereitet hatte, gingen wir um 18.00 Uhr Anker auf.
Der Wind stand günstig und wir machten unter Fock und Großsegel gute Fahrt. Plötzlich „Fisch-Alarm“!! An unserer Angel hing ein stattlicher Tunfisch, ein ca. 3 kg schwerer Bonito – „Zusatzverpflegung“ für die nächsten 3 Tage - in unterschiedlichsten Zubereitungsarten.

Am nächsten Tag gegen 15.00 Uhr erreichten wir unseren Ankerplatz vor dem Ort Tarrafal. Wir fanden dort ruhiges Wasser vor einer felsigen Küste und einem dahinter liegenden Bergmassiv, das bis auf 1300m ansteigt. Der Ankerplatz ist ernorm Fallwind-gefährdet, aber wir blieben zum Glück davon verschont.
Unser erster Ausflug an Land war gleich ein Erlebnis. Als wir das Beiboot am Hafenkai festmachten, stürmten ein paar Kinder auf uns zu, die auf unser Schlauchboot aufpassen und uns herumführen wollten. Nachdem wir die „Aufgaben“ verteilt und die Bezahlung geklärt hatten, machten wir unsere Besorgungen. Außerdem wollten wir mit dem Trans-Ocean-Stützpunktleiter „Henny“ Kontakt aufnehmen. Da es mit dem Telefon nicht klappte und wir auch keine Adresse hatten, fragten wir und durch und waren ganz erstaunt, dass fast jeder in Tarrafal „Henny“ kannte. Man führte uns bis zu einem Haus über der Küste, und da trafen wir Henny, einen Holländer Schweizer Herkunft, in seinem früheren Leben Koch, der seit Urzeiten auf Sao Nicolau zu leben scheint. Er kennt jeden und alles, kümmert sich um alles und ist enorm hilfsbereit. Bei Kaffe und einem Glas Wein wurde das nächste Programm besprochen und nebenbei unsere Wäsche gewaschen.
Als wir zu unserem Beiboot zurück kamen, hatte sich die ruhige Hafenmole in einen geschäftigen Fischmarkt verwandelt. Sardinen, Makrelen und andere kleinere Fische gingen stückweise oder als Pakete an den Käufer, große Brocken wie Tunfische, Barrakudas und ähnliche wurden gleich an Ort zerlegt und die Abfälle ins Wasser geworfen. In dieser Brühe schwamm übersät von Fischresten unser Schlauchboot! Igitt!! Nachdem wir ein paar Fotos geschossen hatten,  machten wir uns schnell aus dem Staub.

Tunfische schlachten heftige Brandung

Sao Nicolau ist eine sehr interessante und landschaftlich abwechslungsreiche Insel. Davon konnten wir uns bei einer Fahrt zur Hauptstadt im Hochland mit dem Linienbus und bei einem Ausflug zur nördlichen Steilküste überzeugen.

Inzwischen neigte sich das Jahr dem Ende entgegen und Silvester wollten wir eigentlich nicht allein verbringen. Wir wussten, dass mehrere  unserer Bekannten bereits in Mindelo auf der Insel Sao Vicente lagen und hofften, einige davon in der Marina anzutreffen.

Als wir uns am 31.12. früh um 04.00 Uhr aus der Koje quälten, war es bewölkt und recht windig. Wir ahnten, dass es recht ruppig werden kann, wenn wir den Schutz der Insel verlassen und so war es dann auch. Heftige Wellen warfen uns hin und her, dazu kam eine gewaltige Strömung zwischen den Inseln. Die 48 Meilen bis Mindelo wurden eine echte Herausforderung. Als wir die „rettende“ Bucht schon dicht vor uns hatten, legte uns eine Sturmbö flach und Heidis neu erstandenes Handtuch ging über Bord.
In der Marina fanden wir einige bekannte Segelyachten, viele waren zwischenzeitlich verlassen. Die Crews waren entweder auf den Inseln unterwegs oder zu Besuch in der Heimat. Aber am Nachbarsteg lag die "LIV" mit Christel und Wolfgang und gemeinsam verbrachten wir den Jahreswechsel, der um 0.00 Uhr mit einem gigantischen Feuerwerk (das uns bei der offensichtlichen Armut des Landes zu denken gab) eingeleitet wurde.

Zu einem Höhepunkt unseres Kapverden-Aufenthalts wurde eine 2-tägige Wandertour auf der Insel Sao Antao. Wir hatten das Programm telefonisch bei André (einem auf Sao Antao lebenden Franzosen) vorgebucht. Die von ihm geführten Trackingtouren durch enge Schluchten, vorbei an klaren Wasserfällen, durch Zuckerrohrplantagen und abgelegene Ortschaften, über Bergrücken mit blühenden Wiesen und märchenhaften Ausblicken waren ein echtes Erlebnis.traumhaftes Santo Antao

Zurück in Mindelo ging es nun an die letzten Vorbereitungen für die Atlantik-Passage. Inzwischen waren auch die Besatzungen der „Vanille“ und „Ziganka“ eingetroffen.

Leider spielte das Wetter nicht mit, dauernde Sturmböen drückten mächtig auf die Stimmung aller Segler. So blieb aber auch noch genügend Zeit, um uns mit unseren Freunden zu treffen und die verschiedenen Routen in die Karibik zu erörtern.

 

6. Kapverden – Tobago / Karibik  08.01. – 28.01.2009    (2160 sm)

 

Mit der "LIV" hatten wir verabredet, gemeinsam die Route in die Karibik mit Ziel Tobago in Angriff zu nehmen.
Nachdem der Wind etwas nachzulassen schien und wir die letzten wichtigen Sachen wie Wasser, Diesel, Obst und Gemüse gebunkert hatten, haben unsere beiden Yachten  am 08.01.2009, 11.30 Uhr, begleitet von einem Hup- und Pfeifkonzert, den Hafen von Mindelo verlassen.

 
1.Tag auf See  (09.01.)


Anfangs hatten wir im Kanal zwischen den Inseln die erwartete hackige Welle mit Schaumkämmen und viel Wind. Die erhoffte Beruhigung stellte sich leider nicht ein, sondern wir mussten auch auf dem offenen Ozean mit heftiger Dünung kämpfen. Hinzu kam jetzt eine grässliche Kreuzsee, Ausläufer mehrerer Sturmtiefs im Nordatlantik. Der Appetit ließ an den ersten 2 Tagen auch noch zu wünschen übrig - das kennen wir ja schon.  Na ja. Eigentlich konnte es nur besser werden!


4. Tag auf See (12.01.)


Etmal: 132sm / Log: 378 sm

Leider haben sich die Wetterbedingungen bisher nicht gebessert. Von der "lang gezogenen Dünung mit leichtem achterlichen Wind, auf der man dahin gleitet wie auf Schienen", so die Beschreibung der "Barfußroute" war leider nichts zu spüren. Statt dessen fliegen wir durch das Schiff und holen uns jede Menge blaue Flecke.

Gestern hat sich Heidi eine tiefe Platzwunde über dem Auge zugezogen, als sie von einer Kreuzsee gegen die Kabinenwand katapultiert worden ist. Hätte eigentlich genäht werden müssen! Windstärke 7

Klaus muss ständig in das Ruder eingreifen, da Autopilot und auch Windsteueranlage oft überfordert sind, wenn uns Wellen und Böen mal wieder aus dem Kurs geworfen haben. Mehrere große Brecher krachten über das Schiff.

Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt und das Essen schmeckt auch. Kochen und einigermaßen zivilisiertes Essen erfordert allerdings akrobatische Fähigkeiten.


5. Tag auf See  (13.01.)


Etmal: 106 sm / Log: 484 sm


Wir hatten eine unruhige Nacht. Wetterbericht: keine Änderung!
Heidi ist wütend, erst recht, als ihr eine Tasse mit 3 Eiern im Waschbecken umkippt und die Eier im Abfluss verschwinden.
Vormittags endlose Segelmanöver. Bei diesen Kreuzseen werden die Segel und die Spibäume extrem belastet – von uns beiden ganz zu schweigen!
Von Intermar hören wir, dass auf den Kanaren der kälteste Winter seit 35 Jahren herrscht und im Nordatlantik ein Sturmtief das andere ablöst.
Aber dieser Tag hält noch andere Höhepunkte für uns bereit: als das Boot durch eine Kreuzsee wieder einmal aus dem Ruder läuft, bricht das Schothorn der Fock und gleichzeitig „verabschiedet“ sich der Teleskop-Spibaum. Wir haben zwar noch einen 2. Spibaum, aber bei dem Wetter traue ich mich nicht, ihn anzuschlagen.
Am Nachmittag geht uns ein herrlicher Barrakuda an die Angel..



7. Tag auf See  (15.01.)


Etmal 103 sm / Log: 686 sm

Klaus kommt die ganze Nacht nicht zur Ruhe. Ohne Ausbaumer ist keine ruhige Fahrt möglich. Chaotisch wechselnde Winde. In der Nacht reißt ein Block am Steuerseil des Windpiloten – Reparatur im Dunkeln!
Der Wind weht mit 25-30 kn,  in den Böen 35-40 kn. Die See geht hoch und die Kreuzseen türmen sich auf 6-8 m. Es sieht manchmal schon recht gespenstisch aus.
10.00 Uhr Funkrunde mit Intermar: das Wetter bessert sich die nächsten Tage nicht, sondern es wird eher  noch schlechter.
Nach dem Frühstück Fock wieder ausgebaumt – jetzt können wir endlich wieder Kurs anlegen und wir ziehen mit 5-6 kn durch die wilde See. Die meterhohen Wellen brechen sich mit blauem Wasser und weißer Gischt nahe am Schiff – sieht schön aus, aber wir haben mehre Einsteiger im Cockpit und zwei schaffen es bis in die Kabine – Bodenluken voll Wasser – alles ausräumen!!
Besondere „Erlebnisse“ sind die Toilettengänge und das tägliche Duschen im Cockpit.


12. Tag auf See (19.01.)

Etmal: 103 sm / Log: 1.229 sm

Bergfest - aber richtige Freude kommt nicht auf. Eine aufregende Nacht liegt hinter uns: gegen Mitternacht kracht der große Spibaum mitsamt dem Schlitten und dem Mastbeschlag auf das Kabinenfenster – mit Ausbaumen ist nun Schluss. Gegen 05.00 früh jagt ein Squall mit 35-40 kn über uns hinweg. Klaus stürzt in´s Cockpit,  um die Fock zu retten und wirft die Maschine an. Bei diesem Chaos rauscht die Fockschot aus und wird von der Schraube erfasst!!! Schlagartig steht die Maschine! Wir könnten nur noch die Schot kappen, ziehen uns erschöpft in die Kabine zurück und lassen das Schiff treiben.
Erstaunlicherweise konnten wir sogar ein paar Stunden schlafen. Aber es musste ja weitergehen, also fertig machen zum nächsten Segelmanöver!


16. Tag auf See ( 23.01.)

Etmal: 100 sm / Log: 1.653 sm

Nachdem wir für den Spibaum am Mast (mit Seilen und einem Handtuch als Polsterung) eine provisorisseltene Sonnenstundenche Befestigung angebracht haben, können wir die Fock wieder ausbaumen, aber wie lange wird das halten?
Heute hatten wir erstmals ein paar Minuten Sonnenschein und der Wind hat auch etwas nachgelassen. Sollte das der Durchbruch sein?


17. Tag auf See (24.01.)


Etmal: 89 sm / Log: 1.742

Jetzt schimpfen wir über zu wenig Wind! Aber als sich am Nachmittag auch die See etwas beruhigte, war endlich die Gelegenheit da, um die Motorwelle von der Fockschot zu befreien. Mit Taucherbrille und Schnorchel ging Klaus in´s Wasser und nach 15 Min. war die Welle wieder frei. Uns fiel ein Stein vom Herzen, denn bei dem Gedanken, unter Segel in den (unbekannten) Hafen von Scarborough auf Tobago einlaufen zu müssen, fühlten wir uns recht unwohl, auch wenn uns die "LIV" bereits über Funk ihre Hilfe angeboten hatte.


18. Tag auf See  (25.01.)

Etmal: 93 sm / Log: 1.835 sm

Seit 2 Tagen haben wir endlich freundlicheres Wetter und auch gleich 30°C!!

Und so sieht unser Tagesablauf aus:

Nachdem ich Nachtwache hatte kommt Klaus 8.00 aus den Federn, um sich in die tägliche Funkrunde mit „Intermar“ einzuklinken (beginnt 10.00 Uhr UTC und kann im Internet unter www.intermar-ev.de mitgehört werden).
Dieser direkte Kontakt, wo wir Wetterinfos für exakt unsere Position erhalten und auch Probleme besprechen können, ist sehr hilfreich und fast familiär. Man käme sich sonst wohl doch ziemlich verlassen vor.

Früh und abends haben wir über Funk auch noch Kontakt zu anderen Booten auf der Strecke, so z.B. mit der SY "LIV", die uns voraus Richtung Tobago segelt. Nach einem kräftigen Frühstück gibt es einiges zu tun wie: Logbuch schreiben, kochen, Brot backen, angeln und g.g.f. Fische ausnehmen (was jedes Mal eine gründliche Cockpitreinigung nach sich zieht). Wir hatten bis jetzt einen Barrakuda, eine schöne Goldmakrele und einen ca. 3 kg Tunfisch (Bonito) an der Angel – eine willkommene Ergänzung zu den ansonsten gut sortierten Vorräten. Abends essen wir meistens warm.

Nach der wochenlangen Fahrt bei stürmischem Wetter, wobei das Material extremen Belastungen ausgesetzt war, sind auch einige Reparaturen und Erneuerungen erforderlich.

Zur Zeit haben wir Schwachwind mit stündlichen Regenschauern und dümpeln so vor uns hin. Noch liegen 300 sm vor uns und eine voraussichtliche Ankunftszeit lässt sich so schwer abschätzen.


29. 01. 2009  

Wir haben es geschafft!!!

Nach  2.160 sm und 20 Tagen
Fahrt über den Atlantik haben wir gestern, am 28.1. um 11.30 Uhr Ortszeit  unseren Anker im Hafen von Scarborough auf der Karibik-Insel Tobago fallen lassen. Die Segelyacht „LIV“ mit Christel und Wolfgang, mit denen wir gemeinsam von den Kapverden gestartet sind und mit denen wir unterwegs regelmäßig im Funkkontakt standen, haben uns schon erwartet.
Wir sind glücklich und auch ein bisschen stolz darauf, diese Herausforderung bewältigt zu haben. Die Wetterbedingungen waren während der gesamten 3 Wochen alles andere als optimal. Kaum ein Boot, das zur gleichen Zeit auf dieser Route unterwegs war, ist ungeschoren davon gekommen. Neben uns liegt ein Segler aus Frankreich, der hat seinen Mast eingebüßt, einem anderen hat eine Welle das Kabinenfenster zerschmettert, ein Einhandsegler gilt noch als vermisst. So gesehen sind unsere „Verluste“ ( zerbrochener Spinnackerbaum, abgerissener Spinnaker-Mastbeschlag und
eingerissenes Vorsegel) sowie zahlreiche blaue Flecke noch Lappalien.
Unsere "Soleil" hat uns sicher in die Karibik gebracht und sich nun, genau wie wir, ruhigere Zeiten und "Erholung" verdient. endlich Karibik-Feeling

Jetzt müssen wir uns erstmal wieder an das „Landleben“ gewöhnen, wenn wir auf festem Boden laufen oder sitzen, fühlen wir uns noch wie auf einem schwankenden Boot.

Unsere ersten paar Stunden an Land haben uns gleich gut gefallen. Die karibische Mentalität ist schon ganz angenehm – viel Musik und alles nicht so ernst. Das hat sogar auf die "Offiziellen" (Zoll und Immigration) abgefärbt – alle sind freundlich und locker drauf. Wenn in den nächsten Tagen endlich einmal der heftige Tropenregen aufhören würde, wären wir rundum glücklich.

Wir möchten uns bei allen, die uns unterwegs die Daumen gedrückt haben ganz herzlich bedanken, auch für die lieben Emails, die wir erst jetzt in einem Internetcafe lesen und deshalb nicht eher beantworten konnten.