23.06 – 13.07.2001
Crew: Heidi und Klaus
Nach einem Jahr Spanien wollten wir unsere Reise Richtung östliches Mittelmeer fortsetzen. Auf der Bootsmesse in Dortmund hatte ich Kontakt mit einer Marina auf Sardinien aufgenommen, die auch günstige Bedingungen für eine Überwinterung anboten, und so war das Ziel für diesen Sommer festgelegt.
Die
erste Strecke bis nach Mallorca segelten unsere Freunde Maja und Frank. Wir
übernahmen unser Boot am 23. Juni
auf Mallorca in der Marina Cala d’Or.
Noch am gleichen Nachmittag verließen wir die Marina und suchten uns eine ruhige Ankerbucht. Wir entschieden uns auf der Fahrt nach NO für die Cala Magraner, die sehr schön gelegen und völlig unbebaut ist. Mit uns teilte sich nur noch eine zweite Segelyacht die Bucht.
Am Abend richteten wir uns einen kleinen Grillplatz am Strand ein und begannen, uns langsam auf den Urlaub einzustimmen.
Die Nacht wurde leider recht unruhig. Eine in die Bucht laufende leichte Dünung warf uns doch tüchtig hin und her, so dass wir das folgende Frühstück lieber wieder am Strand einnahmen.
Da es am Boot aber noch einige Arbeiten zu verrichten gab (die Motorbefestigungen hatten sich z.B. gelockert) entschieden wir uns, trotz Schaukelns, noch einen Tag zu bleiben.
Am folgenden Tag setzten wir unsere Tour an der Südostküste Richtung Cala Rajada fort.
Ein schwacher Wind aus NO ließ uns nur selten mal unter Segel fahren. Wir waren deshalb auch froh, den Anker in einer Bucht vor der Hafeneinfahrt on Cala Rajada fallen lassen zu können. Die Bucht machte einen recht netten Eindruck, war aber nach SO weit offen und der Schwell wurde in der Nacht fast unerträglich. Erst als ich zur Dämpfung der Bewegungen die Fock gesetzt hatte, trat etwas Ruhe ein.
Am nächsten Morgen machten wir uns schnell aus dem Staub Richtung Menorca. Der leichte Wind aus SO, der uns vorher die Nachtruhe geraubt hatte, verschaffte uns nun ein angenehmes und geruhsames Segeln mit durchschnittlich 5 kn. Nach 7 Stunden hatten wir Menorca erreicht und liefen zuerst in die Cala Porte ein. Aber hier würden wir wohl nie zur Ruhe kommen. Der gesamte Strand und die Hänge sind mit Bungalows vollgebaut, Motorboote und Jetski jagen hin und her. Außerdem lief vom offenen Meer eine grobe Welle in die Bucht – also nichts wie weg hier!!
Nur etwa 1 sm weiter südlich fanden wir in der Cala Covas einen traumhaften Ankerplatz. Die schmale Einfahrt zwischen den Felsen ist nur schwer zu finden. Ich musste mich dabei auf mein GPS verlassen. Die Bucht ist nicht sehr groß. Sie bietet etwa 4 Booten Platz zum Ankern, gesichert mit Heckleine zum felsigen Ufer. Die Atmosphäre in dieser Bucht ist phantastisch und wird nachts durch die Ruhe und die hohen Felsen noch verstärkt.
In den Felsen befinden sich viele kleine Höhlen, die früher einmal bewohnt und jetzt zum Teil noch von Fischern als Lagerräume genutzt werden.
Der Ort Mahon hat uns nicht viel gegeben. Wir nutzten aber den Aufenthalt, um unsere Lebensmittel – und Wasservorräte aufzubessern.
Nach Durchzug des erwarteten Tiefs mit heftigem Regen und Gewitter konnten wir am 29.06. unsere Reise fortsetzen. Vor der längeren Passage nach Sardinien wollten wir es uns noch einmal in einer Ankerbucht gut gehen lassen, und wir entschieden uns für die Bucht El Grao. Sie erschien uns auch als idealer Startplatz für den anstehenden Schlag von fast 200 sm.
Die Bucht El Grao ist sehr weitläufig und bietet vielen Booten einen guten Ankerplatz. Durch umliegende Hotels und Bungalows ist zwar ein reger Boots- und Badebetrieb zu verzeichnen, aber wir empfanden das nicht sonderlich störend. Außerdem hatten wir noch einiges zu tun. Wie immer fallen kleinere Reparaturen an und vor den bevorstehenden 2 Nachtfahrten wollte ich die Sicherheitsausrüstung noch einmal genau in Augenschein nehmen. Dabei stellte ich fest, dass die Leuchtboje am Rettungskragen ihr Leben irreparabel ausgehaucht hatte.
Nachdem wir mit allen Arbeiten fertig waren, wurde noch einmal ausgiebig gebadet und gefaulenzt.
Am frühen Morgen holten wir den "Haken“ hoch und setzten unseren Kurs direkt nach Alghero/Sardinien ab. Ein leichter Wind aus nördlichen Richtungen ließ uns mit voller Besegelung gut voran kommen. Gegen Mittag sichteten wir die ersten Delfine, und plötzlich befanden wir uns in einer riesigen Delfinschule. Einige der Tiere tummelten sich in unserer Bugwelle, während rings um uns überall Bewegung im Wasser war. Nach einer halben Stunde war leider alles wieder vorbei.
Während des ganzen Tages sichteten wir nicht ein Schiff. Der Sonnenuntergang wurde mit einem zünftigen „Sundowner“ begangen. Die Nacht verlief sehr ruhig. Der nachlassende Wind zwang uns allerdings, die Maschine mitlaufen zu lassen.
Gegen Morgen legte der Wind wieder etwas zu und drehte auf West. Wir konnten den Jockel wieder zur Ruhe bringen und volle Besegelung setzen. Leider hielt das nicht sehr lange an. Der Wind wurde schwächer, aber die Welle ruppiger. Wahrscheinlich gerieten wir jetzt in die „Nachwehen“ des abgezogenen Mistrals. Das fürchterliche „Gegeige“ wurde immer unangenehmer. Wir konnten uns kaum noch im Schiff bewegen, ohne irgendwo gegen geworfen zu werden. Um diese strapaziöse Situation abzukürzen, entschieden wir uns, mit Maschine und Segel-Unterstützung mit maximal möglicher Geschwindigkeit unser Ziel anzusteuern. Eigentlich wollten wir erst am kommenden Vormittag in Alghero einlaufen, aber das dauerte uns unter diesen widrigen Umständen zu lang.
Ein herrlicher, immer stärker werdender Duft nach frischen Kräutern der Maccia signalisierte uns bereits, dass wir der Küste näher kamen.
Gegen Mitternacht sichteten wir das Leuchtfeuer vom Cabo Caccia und um 03.00 lag das Kap querab. Mond und Sterne waren hinter einer Wolkenschicht verschwunden.
Mit Hilfe unseres GPS tasteten wir uns vorsichtig in die Bucht Porto Conte hinein. Eine viertel Stunde später fielen erst der Anker und dann wir in das Wasser. Kurz darauf sanken wir erschöpft aber zufrieden in die Kojen.
Nach einem ausgiebigen Schlaf krochen wir erst am späten Morgen wieder in’s Freie. Wie wir nun feststellen konnten, ankerten wir mitten in der riesigen Bucht. Ein Geschwader von kleinen Segelbooten, offensichtlich von einer Segelschule, hat uns freundlicherweise als Wendeboje festgelegt, und so war für Abwechslung beim Frühstück gesorgt.
Am Nachmittag verholten wir unser Boot nach Alghero und machten in der Stadt an der Mole fest.
Für den Abend hatten wir uns vorgenommen, erstklassig Essen zu gehen. In einem Reiseführer hatten wir das Lokal Al Tuguri, das angeblich die beste Küche Sardiniens führen soll, als eine besondere Empfehlung gefunden. Und es wurde tatsächlich ein Erlebnis für uns. Selten hatten wir zuvor so köstlich gespeist. Angesichts des hervorragenden Essens und des Ambiente dieses Lokals hielten wir die 50,- DM pro Person durchaus für gerechtfertigt.
Nachdem wir noch am Abend die Stadt erkundet hatten, sollte es am nächsten Tag in die weitere Umgebung gehen. Dazu besorgten wir uns einen Mietwagen, mit dem wir die kurvenreiche Küstenstraße zunächst nach Bosa und von dort über Cuglieri durch das Hinterland zurück nach Alghero fuhren. Bosa ist eine kleine Küstenstadt. Neben dem Fischfang war früher die Färberei ein bedeutender Erwerbsfaktor. Die ehemaligen Werkstätten der Färber stehen heute noch als Ruinen zur Besichtigung.
Wenn man von Alhero aus nach Süden segelt, ist Bosa der nächstgelegene Schutzhafen. Eine Marina soll in den nächsten Jahren gebaut werden.
Nach diesem Land-Ausflugstag ging unsere Reise zu Wasser weiter. Früh warfen wir die Festmacher los und fuhren zunächst unter Maschine Richtung Cabo Caccia und dann unter Segel nach Norden. Der Wetterbericht hatte für diesen Tag Leichtwind aus O-SO angekündigt, für den Folgetag aber Starkwind bis 7bft. Wir entschieden deshalb, noch am gleichen Tag die Westküste zu verlassen und an der Nordküste einen Hafen oder eine Marina zu suchen.
Die etwas knifflige Passage zwischen der Isola Asinara und der Isola Piana gingen wir vorsichtig und unter Maschine an. Mit Hilfe der im Handbuch angegebenen Landmarken und Peilungen kamen wir aber gut durch. Plötzlich erfasste eine Bö die Seekarte, die wir auch für die folgenden Tage noch dringend brauchen würden. Vor unseren entsetzten Augen klatschte die ins Wasser. Kurz entschlossen sprang Heidi hinterher und rettete das wertvolle Stück. Wenige Minuten später konnte ich glücklich beide wieder an Bord „begrüßen“.
Um 19.00 Uhr machten wir im Yachtclub Ancora am Steg fest.
Die Einfahrt zu diesem kleinen aber sehr gepflegten Hafen ist nicht ganz einfach und für tiefgehende Boote nicht geeignet. Wir waren auch der einzige Segler, der sich hierher gewagt hatte
In der Nacht kam „programmgemäß“ das angekündigte Wetter und brachte uns einen kräftigen Ostwind (Levante), der sich im Laufe des Tages zu einem ausgewachsenen Sturm mauserte und uns 2 Tage festhielt. Die Brandung schoss über die Wellenbrecher, in deren Schutz wir festgemacht hatten. Wir und das Boot wurden dabei völlig eingesalzen.
Am 06. Juli konnten wir endlich auslaufen, bei wenig Wind und noch unruhiger See. Die Fahrt zur Strasse von Bonifacio unterbrachen wir noch einmal für eine Nacht bei der Isola Rossa.
Als wir am folgenden Tag Eingangs der Straße von Bonifacio das Cabo Testa erreichten, wehte noch ein leichter Wind mit 2-3 bft aus West. Bereits 15 Minuten später packten uns schon 6 bft. Mit gerefften Segeln steuerten wir die Bucht Porto Liscia an und warfen etwa 100 m vor dem Strand den Anker. Das Echolot hatte kein Signal gegeben, und als ich schwimmend den Anker überprüfen wollte, reichte mir das Wasser dort bis an die Brust!!
Ganz so flach wollten wir es eigentlich nicht haben, aber wir beließen es dabei. Der noch immer heftige Wind war ablandig und wir fühlten uns recht geschützt.
Porto Liszia ist eine weitläufige Bucht, die besonders vor dem gefürchteten Mistral aus NW-W guten Schutz bietet.
Nachdem der Wind am nächsten Tag etwas nachgelassen hatte, lichteten wir den Anker, um im Hafen von La Maddalena festzumachen. Dort trafen wir Alfred und Inge aus Österreich, die bereits ihre Weltumseglung hinter sich hatten und einen weiteren Landsmann von ihnen, der gerade zu seiner Weltumseglung gestartet war. Mit ein paar gemeinsamen Gläsern „Roten“ wünschten wir uns allzeit Gute Fahrt.
Nach dem Verlassen von La Maddalena legten wir noch einmal eine Ruhepause in einer schönen Ankerbucht auf der Ostseite der Insel Caprera ein, bevor wir am 10. Juli unsere Reise fortsetzten.
Den folgenden Nachmittag und die Nacht ankerten wir vor der winzigen Felseninsel Isola Soffi
in einer kleinen Bucht mit türkisblauem Wasser.
Am nächsten Tag passierten wir den Golf von Olbia mit seinem starken Berufsschiffverkehr. Die dann folgende Passage südlichwestlich der Isola Tavolara erforderte noch einmal unsere Aufmerksamkeit. Sandbänke und felsige Untiefen stellen Gefahrenquellen dar.
Bei bereits kräftigem wechselnden Wind fanden wir am späten Nachmittag in der Bucht Porto Brandinchi einen guten Ankerplatz, der uns in der folgenden Nacht vor heftigen Sturmböen aus Nord Schutz bot.
Bei noch immer kräftigem West wollten wir am nächsten Morgen den Ankerplatz verlassen (die Zeit drängt uns leider!!), aber der Anker hatte sich zwischen Felsen verhakt. Also musste ich erst einmal mit Flossen und Schnorchel abtauchen. Zum Glück lag der Anker nur ca. 4 m tief und ich konnte ihn mit einigen Mühen wieder frei bekommen.
Mit Halbwind ( 5-6 bft.) aus West und zweifach gerefftem Groß jagten wir Richtung Süden. Plötzliche Böen mit bis zu 40 kn machten das Boot zeitweise kaum noch steuerbar. Erst nachdem ich die Fock etwas weiter ausgerefft hatte, ließ die hohe Luvgierigkeit nach. Mit bis zu 7 kn bei nur geringer Welle wurde das Segeln zum Vergnügen.
Als am Nachmittag der Wind nachließ und auf NO drehte, sahen wir uns nach einem Hafen oder einer Marina um. Die Angaben im Hafenführer waren recht konfus, von den darin angegebenen 3 Marinas existierte nicht eine. Sie waren im Anfangsstadium des Baus steckengeblieben und wurden nun teilweise zur Fischzucht genutzt.
Schließlich haben wir im Hafen von Gonone einen Platz gefunden. Laut Hafenhandbuch solle man dort mit Buganker und Heck zum Steg anlegen. Quatsch!!! Zwischen 2 ausgelegte Grundleinen muss man so hineinrangieren, dass man sie sowohl am Heck als auch an Bug belegen kann. Die 2-3 m an Land kommt man nur mit dem Tender. Man kann sich auch, gegen Gebühr, übersetzen lassen.
Heute ist der 13. Juli 2001 – der letzte Tag unseres Törns nach Sardinien.
Am Morgen nach dem Frühstück verlassen wir Gonone und nehmen Kurs auf Santa Maria Navarrese. Unser Kurs führt uns durch den Golf von Orosei mit seinen herrlichen kleinen Badebuchten, Grotten und bis über 800 m ansteigenden Felswänden. Leider macht uns der Wind einen Strich durch die Rechnung. Die letzten 20 sm unseres Törns müssen wir gegen Wind mit 3-4 bft. aus SO unter Maschine zurücklegen.
Um 15.00 Uhr erreichten wir unseren Zielhafen. Die Marina, die wir bisher nur aus dem Internet und durch Telefonate kannten, macht auf uns sofort einen netten Eindruck. Es sind genügend Liegeplätze vorhanden. Wir sind bereits angemeldet und wir werden von Sandra freundlich empfangen.
Nicht nur die Marina, auch der kleine Ort Santa Maria Navarrese gefällt uns sehr gut und das Umfeld macht einen wildromantischen Eindruck. In uns kommt schon der Gedanke auf, unsere weitere Tour in des östliche Mittelmeer hier für ein paar Jahre zu unterbrechen.