2007 Rücktour von der Türkei nach Sardinien

  

1. Etappe : Türkei (Marmaris) - Kreta  

         24.05. - 30.06.2007  (524 sm)

 

 

Nachdem unsere SOLEIL den kalten und staubigen Winter auf dem Trocken-Stellplatz der YAT-Marina in Marmaris verbracht hat, ging es Anfang Mai endlich wieder in das nasse Element zurück. Leider verzögerte sich die Anreise von Heidi um fast 2 Wochen. Aber am 23. Mai konnten wir endlich die Leinen loswerfen.

Die Freude über unsere wieder gewonnene Freiheit wurde allerdings schon nach wenigen Meilen etwas getrübt. Im Herbst hatte ich in der Marina einer (deutschen) Service-Firma den Auftrag gegeben, die Kraftstoffpumpe zu tauschen, da sie ständig feucht war. Man sagte mir zu, die aus Deutschland mitzubringen und zu wechseln. Trotz Zusage musste ich nach meiner Anreise nun feststellen, dass die Arbeit nicht erledigt war. Angeblich war keine Pumpe zu bekommen. (bei einer telef. Nachfrage meinerseits in Deutschland bestätigten 2 Händler, welche auf Lager zu haben!)

Ich baute also die Pumpe aus und ließ sie von der Service-Firma überprüfen – Aussage: „die Pumpe ist in Ordnung und dicht“.

Aber nun war sie schon wieder nass!!!

 

Als wir nach drei Tagen den Hafen von Bozborun (der uns übrigens sehr gut gefallen hat ) erreichten, war unsere Geduld mit der verdammten Pumpe zu Ende. Ich klemmte mir das Ding unter den Arm und zusammen mit 2 Holländern, die ein ähnliches Problem hatten, fuhren wir mit dem Bus nach Marmaris zurück.

Dort baute mir ein türkischer Mechaniker aus 2 verschiedenen Pumpen eine passende zusammen (die alte war tatsächlich kaputt - die Membran  total löchrig).

Endlich konnten wir beruhigt weiterfahren.

 

Bis Ende Mai trieben wir uns noch an der türkischen Küste herum. Sehr schöne Ankerplätze fanden wir in den Buchten Kuruca Bükü und in der Echobucht auf der Halbinsel Datca. Auch die historisch und landschaftlich interessante Bucht von Knidoshaben wir uns nicht entgehen lassen.

Dagegen ist der  Hafen von Datca  nicht unbedingt zu empfehlen. Die Charterboote liegen dicht an dicht an der Mole und bei aufkommendem Schwell wird es tüchtig ruppig und nicht ungefährlich. Neben uns krachten 2 (Charter)-Yachten mehrmals mit den Masten und Salingen bedrohlich zusammen.

 

Unsere letzten 2 Türkeitage verbrachten wir in der schönen  und sehr gepflegten Marina von Turgutreis. Hier klarierten wir auch aus, was superschnell und unbürokratisch vonstatten ging. Am 3. Juni segelten wir weiter zur griechischen Insel Leros, wo wir in der großen  Bucht von Xerokambo und am folgenden Tag in der Bucht Archangelos sichere Ankerplätze fanden. Endlich konnten wir auch mal wieder am Strand ein kleines Lagerfeuer errichten und ein schönes Steak grillen.

Weiter ging es nach Lipso. Bei 3-4 bft. Halbwind wurde es eine richtig gemütliche Segeltour. Nur schade, dass die Strecke so kurz war. Im dem kleinen Hafen von Lipso fanden wir an der Mole noch einen Platz und am Abend ließen wir es uns in einer Taverne gut gehen.

Die nächsten Stationen unserer Reise waren Patmos und die kleine Insel Arkisowie    die windgeschützte und sichere Ankerbucht von Levita. Hier hatten wir im vergangenen Jahr schon einmal Station gemacht und  am Abend gab es in der     einzigen Taverne der Insel gegrilltes Zicklein. Lecker!!! Von Levita aus wollten wir eigentlich über Amorgos zur berühmten Vulkaninsel Santorin (Thira), aber Wind aus West zwang uns, die Route zu ändern. Stattdessen gingen wir auf Südkurs nach Astipalaia. Mit Fock und Großsegel kamen wir zügig voran und warfen am Nachmittag unseren Anker in der rundum geschützten Bucht von Vathy.

Da sich der Wind in den nächsten Tagen nicht wesentlich änderte, hatten wir Zeit, die schönen Buchten und Strände von Astapalaia kennen zu lernen. Die Insel liegt etwas am Rande der üblichen Segelroute, verdient es aber, dass man ihr mal einen Besuch abstattet.

Aber irgendwann wollten wir ja doch weiter und so setzten wir am 16.Juni früh 06.00 Uhr die Segel Richtung Anaphi. Diese Insel sollte uns als Zwischenstation nach Santorin dienen. Die ersten rund 20 Meilen kamen wir bei schwachem Wind aus NW  (teilweise mit Maschinenunterstützung) gut vorwärts, aber je näher wir unserem Ziel kamen, desto mehr frischte es auf und die letzten 6 Meilen hatten wir mit wechselnden Winden um 5-7 Windstärken zu tun. Vor dem einzigen Ort der Insel an der Südküste fanden wir einen einigermaßen geschützten Ankerplatz auf gut haltendem Sandgrund. Den Abend verbrachten wir gemütlich und bei einem guten Essen in der kleinen Taverne am Hafen.

In der Nacht wurden wir von heftigem Schwell tüchtig durchgeschüttelt. Um einem aufkommenden „Schleudertrauma“ zu entgehen traten wir, leicht genervt und verschlafen, früh um 5.30 Uhr die Flucht an. Nach anfänglich leichtem Segelwind aus NW drehte er später leider auf West. Nach 4 Stunden Fahrt machten wir unser Boot im inneren Hafen von Vlychada an der Südküste von Santorin fest.

Gleich neben dem Hafen beginnt ein traumhaft schöner Strand mit bizarren Tuffstein-Felsformationen. Bimssteine, die woanders in Souvenirläden verkauft werden, liegen hier zuhauf herum und warten nur darauf, eingesammelt zu werden.

Am Nachmittag entschieden wir uns noch für eine Fahrt mit dem Linienbus in die Chora, den Hauptort der Insel auf den gewaltigen Klippen über der Bucht, dem einstigen Kratersee. Der Ort und die spektakuläre Aussicht sind überaus beeindruckend, auch wenn uns der Massentourismus doch etwas auf die Nerven gegangen ist. Mehrere hundert Meter unterhalb des Ortes lagen verschiedene Kreuzfahrtschiffe an den riesigen Bojen. Zum Ankern besteht dort keine Möglichkeit, nur vor der kleinen Insel Palaia Kameni findet man mit etwas Glück einen Tagesankerplatz.

Auf das Erlebnis, mit der eigenen Yacht in die Bucht von Santorin einzulaufen, wollten wir natürlich nicht verzichten, und so brachen wir am folgenden Tag zu einer „Kraterrundfahrt“ auf. Die Landschaft ist einfach grandios. Schon vor der Einfahrt passierten wir gewaltige Felsformationen mit unterschiedlichen Farbnuancen. Als sich die große Bucht vor uns öffnete, blies uns ein kräftiger Wind entgegen und wir brauchten die Maschine. Zuerst passierten wir die kleine Insel Palaia Kameni, die erst vor wenigen Jahrzehnten aus dem Meer emporgewachsen ist. Die vulkanische Oberfläche der Insel ist noch völlig unbewachsen. Die größere Nachbarinsel Nea Kameni ist  schon etwas älter. Hier findet man (wenn man Glück hat) eine freie Festmacher-Boje. Wir hatten kein Glück und setzten unsere Fahrt in Richtung des „Hafens“ unterhalb der Chora fort. Die Kreuzfahrtschiffe vom Vorabend waren inzwischen verschwunden, aber „Nachschub“ war schon im „Anmarsch“. Die „Club Med II“ hatte bereits festgemacht.

 

 

Wir ließen uns jetzt vom Wind die Felswand entlang zurück zum südlichen Ausgang der Bucht treiben. Da wir keinen Platz für unsere SOLEIL finden konnten, wollten wir uns außerhalb einen geeigneten Ankerplatz suchen. Wenige Meilen östlich des Kap Agrotiri fanden wir eine romantische Bucht mit herrlicher Kulisse und gutem Sandgrund mit großen Steinen. Etwas Schwell lief in die Bucht hinein. Wir hatten uns aber schon entschieden, die nächsten 65 Meilen nach Heraklion / Kreta als Nachtfahrt zu gestalten und so störte uns das leichte Schaukeln nicht sonderlich.

Nach dem Abendessen holten wir um 19.45 Uhr den Anker auf. Anfangs hatten wir wenig Wind, aber nachdem wir den Schutz der Insel verlassen hatten, fing es doch kräftiger an zu blasen. Mit gerefftem Großsegel und verkleinerter Fock machten wir bei achterlichem Wind gute Fahrt. Als „Sahnehäubchen“ wurden wir noch mit einem herrlichen Sonnenuntergang belohnt (Heidi wollte die Kamera gar nicht mehr aus der Hand legen). Der Wind aus NW mit bis zu 6 bft. hielt bis spät in die Nacht an. Die inzwischen deutlich angewachsene See schob uns aber sanft Richtung Kreta. Der Großschiffsverkehr war nicht übermäßig stark. Gegen Morgen kamen wir einem Tanker etwas näher, aber bevor wir den Kurs ändern konnten, hatte er bereits ein Ausweichmanöver eingeleitet  (haben uns über Funk dafür bedankt und auch freundlich Antwort erhalten).

Als der neue Tag dämmerte, lag die Küste von Kreta nur noch wenige Meilen vor uns. Inzwischen hatte auch der Wind deutlich nachgelassen. Gegen 09.00 Uhr liefen wir in die Marina von Heraklionein, aber wo sollten wir unser Boot festmachen? Nach ein paar vergeblichen „Ehrenrunden“ mussten wir einsehen, dass hier nichts zu machen ist. Uns blieb nur ein „lausiger“ Liegeplatz „römisch/katholisch“ an der riesigen Südmole des Industriehafens.

Diese Mole trennt die Marina vom Industriehafen, ist aber so hoch, dass wir ohne fremde Hilfe unsere Festmacher nicht anbringen konnten. Nachdem das Boot endlich fest vertäut war, stellten wir fest, dass wir es gar nicht verlassen können – die Mole war zu hoch. Erst nachdem wir unsere „grauen Zellen“ in Schwung gebracht hatten, fiel uns unser Schlauchboot 

als rettende Lösung ein, mit dem wir (etwas umständlich) über den Umweg zur Marina festen Boden betreten konnten.

Der Liegeplatz an der hohen Mauer erwies sich in der Folgezeit nicht nur als ungemütlich, sondern auch als recht gefährlich. Der Schwell, der von den ein- und auslaufenden Großschiffen und besonders den Fähren erzeugt wurde, führte immer wieder zu einem wilden Tanz:  Mauer hoch – Mauer runter. Die Festmacher wurden extrem belastet. Als wir entdeckten, dass die Festmacherleine eines neben uns liegenden Seglers immer dünner wurde, versuchten wir, das Tau unter Zug zu „flicken“ (schließlich auch in unserem eigenen Interesse). Der Eigner brachte uns später als „Dankeschön“ eine große Flasche selbst gebrannten Uzo.

 

Da wir Heraklion nicht sofort wieder verlassen wollten, brachten wir noch zusätzliche Festmacher-Leinen und Ketten an. Der Anker hatte sich inzwischen eingegraben an 60m Ankerkette fühlten wir uns einigermaßen sicher.

Für die nächsten 3 Tage besorgten wir uns einen Mietwagen (mit Klimaanlage!!!). Bei  bis zu 40° C Außentemperatur (über der Insel und Südgriechenland lastete eine extreme Hitzewelle) fühlten wir uns im Auto wohler als auf dem Boot.

Unser erster Tagesausflug führte uns auf die Lassithi Hochebene – die „Gemüse- und Kornkammer“ Kretas. Typische Wahrzeichen sind die vielen Windräder, mit deren Hilfe das Wasser aus der Tiefe geholt wird. Nachdem wir das Tal einmal umrundet hatten, machten wir noch einen interessanten Abstecher in die umliegenden Berge. Danach wollten wir zur berühmten „Dikti-Höhle“, aber als wir am Parkplatz ankamen, wurde dieses Ausflugsziel einstimmig wegen Bus- und Touristeninvasion abgewählt. Stattdessen entschieden wir uns, einen Abstecher nach „Kafi“ zu machen, laut Reiseführer ein historisches Highlight. Auf dem Weg dorthin wurde es endlich einsam, so einsam, dass nicht einmal mehr Hinweisschilder zu entdecken waren. Auf gut Glück suchten wir uns steil bergauf einen Weg. Jetzt spürten wir auch wieder die Hitze. Nach gut 1 Stunde Gekraxel standen wir endlich auf dem Gipfel des Berges und fanden auch ein paar Steine, die ihre Form offensichtlich nicht der Natur verdankten. Das war also die prähistorische Siedlung von Kafi!!!. Na ja, aber die Aussicht war herrlich und für die Gesundheit hatten wir auch etwas getan.

Für den folgenden Tag hatten wir uns wieder für „Kultur und Geschichte“ entschieden. Der erste Abstecher führte uns zu den gut erhaltenen Ruinen von  Thilissos und anschließend, durch wieder herrliche Berglandschaft, zur Ida-Höhle, der Geburtsstätte von Zeus. Die Rückfahrt unterbrachen wir am Nachmittag noch an der großen, früher einmal bewohnten Melidoni-Tropfsteinhöhle.

Bevor wir uns wieder auf unser aufgeheiztes Schiff wagten, gönnten wir uns am Strand von Beli eine Abkühlung.

Den nächsten Tag wollten wir noch einmal nutzen, um in den hohen Bergen der Hitze zu entfliehen. Dazu machten wir uns Richtung Knossos auf den Weg. Unterwegs mussten wir allerdings mit „Erschrecken“ feststellen, dass auf dieser Route die Berge kaum eine Höhe von 800m überschreiten – von Abkühlung also keine Spur. Kurz entschlossen fuhren wir weiter zur Südküste und dort auf einer abenteuerlichen Schotterpiste über 19 Spitzkehren von 1400m Höhe bis zum kleinen Hafenort Triss Eklisies die Steilküste abwärts. Mittags gab es in der kleinen Taverne des Ortes köstliche „von Oma zubereitete“ griechische Speisen. Später fanden wir an dem angrenzenden einsamen Kiesstrand noch einen schattigen Platz und ließen es uns gut gehen.

Aber 3 Tage in einem Hafen waren für uns eine recht lange Zeit und so setzten wir unser Boot Richtung Rethymnon in Bewegung, kamen aber erst einmal nicht sehr weit! Der Anker hatte sich ca. 40m vor der Mole verfangen.  Wir waren davon überzeugt, dass eines unserer  Nachbarboote seine Kette darüber geworfen hatte. Winkend und rufend machten wir uns bei dem „schuldigen“ holländischen Skipper bemerkbar, der offensichtlich von schlechtem Gewissen getrieben, die Festmacher los warf und seinen Anker einholte. Als er seinen Anker oben hatte und uns umkreiste, mussten wir betroffen feststellen, dass wir noch immer fest hingen. Der Ärmste war also unschuldig! Er nahm es zum Glück gelassen und nach mehreren Manövern gelang es uns endlich, den Anker unter einer parallel zum Kai verlegten Kette hervorzuziehen. 

Bei absoluter Flaute und drückender Hitze wurde es eine „Dampferfahrt“. Selbst eine Badeeinlage an einem mitgeschleppten Tau brachte keine Abkühlung. Wir hatten das Gefühl, über einer Thermalquelle zu treiben.

Am späten Nachmittag erreichten wir Rethymnon und liefen zuerst den alten Venezianischen Hafen an, aber hier war für uns kein Platz. Das Hafengelände war ringsum von Kneipen, Bars und Diskotheken eingekreist. Die Stühle und Tische nahmen die restlichen paar Meter bis zur Kaimauer ein „Tourismus Hoch 3!!!“.

Die im Nachbarbecken liegende Marina war dafür fast leer. Wir entschieden uns für einen Liegeplatz an einem Schwimmsteg. Hier war sogar Strom und Wasser vorhanden und niemand wollte etwas kassieren.

Tags darauf fuhren wir weiter nach Chania, wieder bei absoluter Flaute. Es war gespenstisch dunstig und die Meeresoberfläche war wie flüssiges Blei. So etwa stelle ich mir die Rossbreiten im Pazifik vor.

Als wir nach 8 Stunden Fahrt endlich Chania erreichten, benötigten wir noch gut eine Stunde, um in dem überfüllten Hafenbecken einen Platz zu finden. Letztendlich banden wir unser Boot neben kleinen Fischerkähnen und Schlauchbooten an einen Steg fest. Der nur 1m-geringe Tiefgang unserer SOLEIL hatte uns wieder einmal gute Dienste geleistet.

 

Chania ist ein geschäftiger und interessanter kleiner Ort. Beeindruckend sind die alten, noch aus der Zeit der Antike stammenden Schiffs- und Lagerhallen am Rande des Hafens. Aber getrübt wurden all diese schönen Eindrücke von der unglaublichen Hitze! Gleich am nächsten Tag wollten wir wieder in die Berge flüchten und hatten uns dafür eine Wanderung durch die berühmte und wildromantische Samaria-Schlucht ausgesucht. Mit gepacktem Rucksack standen wir also tags darauf vor einem jungen Mädchen in einer Reiseagentur und wollten uns erkundigen, wie wir am besten zu dieser besagten Schlucht gelangen können. Hier mussten wir uns nun belehren lassen, dass man zu dieser Wanderung früh um 6.00 Uhr aufbricht und nicht erst kurz vor dem Mittagessen und dass außerdem die Schlucht wegen der übergroßen Hitze sowieso gesperrt sei (wahrscheinlich um zu verhindern, dass solche Verrückte wie wir losrennen und unterwegs schlapp machen!!!). Unsere Nachfragen nach anderen Ausflugszielen in den Bergen stießen bei dieser Dame nur auf Unverständnis. Sie versuchte uns klar zu machen, dass bei diesem Wetter jeder einigermaßen vernünftige Mensch nach einer geeigneten Badestelle Ausschau halten würde, anstatt sich bei brütender Hitze durch das Gelände zu quälen. Als wir das begriffen hatten, schauten wir uns an und mussten laut lachen. Nur 50m von hier entfernt lag unser Boot. Was hielt uns eigentlich davon ab, die Leinen los zu werfen und eine ruhige Badebucht zu suchen?

 

Eine Stunde später hatten wir Chania hinter uns gelassen und motorten Richtung NW-Ecke von Kreta. Südlich der kleinen Insel Gramvousa fanden wir eine traumhaft schöne Ankerbucht, in die wir uns so sehr verliebten, dass sie uns 4 Tage „festhielt“.

Vor der Insel, unterhalb einer gewaltigen Festungsanlage, hatten wir zuerst an einer freien Boje festgemacht und uns dann später einen Platz an einem kurzen Betonsteg     gesucht. Wenn gegen Mittag die regelmäßig erscheinenden 2 Ausflugskähne  verschwanden, trat erholsame Ruhe ein. Wir waren das einzige Freizeitboot. 1-2    Fischerboote verbrachte die Stunden vor ihren Einsätzen in unserer Nähe und neben  der kleinen Kirche schien jemand zu wohnen.  In der 3. Nacht wurde Heidi von einem Schuss geweckt, schlief aber danach bald wieder ein. 
Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück saßen, sahen wir vor dem Bauernhaus neben der Kirche etwas am Baum hängen. Mit dem Fernglas identifizierten wir das „etwas“ als eine abgehäutete Ziege. Jetzt erinnerte sich Heidi wieder an den Schuss. In Gedanken hatten wir schon den Geschmack von frisch gebratenem Zicklein im Mund. Das wollten wir uns erst einmal aus der Nähe ansehen.

Als wir ankamen, war man gerade mit dem Ausnehmen des Tieres fertig. Am Baum lehnte noch die Flinte. Wir wurden freundlich begrüßt und erst einmal mit etwas Brot und Wein bewirtet. Ja, die Ziege war in der Nacht von einem Jäger geschossen worden und solle heute, zu Ehren des heiligen Petrus, zerlegt und zubereitet werden.

Eigentlich hätten wir jetzt hellhörig werden müssen, aber wir dachten uns nichts weiter dabei. Wie an den Tagen zuvor kamen die Ausflugskähne früh mit einigen Touristen, machten an den Bojen fest und verschwanden wieder gegen Mittag. Um den Trubel aus dem Weg zu gehen, verzogen wir uns in eine „private“ Badebucht etwas abseits. Außerdem sammelten wir schon mal etwas Holz für ein gemütliches Lagerfeuer.

Heute allerdings tauchten die Schiffe am Abend plötzlich wieder in der Bucht auf und machten beide rückwärts an dem winzigen Steg, an dem wir bereits lagen, fest. Eine unübersehbare Menschenmenge, ausgerüstet mit Zelten, Decken, Kochtöpfen, Tischen, Grills, ja sogar Kühlschränken fiel über die Insel her. Wir konnten gerade noch unsere Schuhe vom Steg retten, sonst wären die unweigerlich im Wasser verschwunden. In kürzester Zeit waren  am Strand mehrere Imbissstände aufgebaut. Als Krönung machte noch ein großes Fischerboot längsseits an uns fest. Wir lagen also mitten im Volksfest. Uns blieb nur eine Möglichkeit – mitmachen. Erst holten wir uns von einem der Ausflugskähne ein paar frisch gebratene Fleischstücke und ein paar Bier, dann stürzten wir uns in die Menge. „Unsere“ Fischer hatten inzwischen auch schon Tische aufgebaut und man lud uns gleich mal zu einem kleinen Umtrunk + Lammbraten ein. Später holten wir uns noch eine Flasche Wein, setzten uns auf einen Felsen neben dem Steg uns sehen uns das bewegte aber friedliche Treiben in aller Ruhe an .

Kurz vor Mitternacht machten die Schiffsbesatzungen ihre Fahrgäste mit Böllerschüssen darauf aufmerksam, dass es bald zurück geht und innerhalb der nächsten halben Stunde trudelte einer nach dem anderen wieder ein. Nur wenige entschieden sich, die Nacht auf der Insel zu bleiben, und plötzlich war der ganze „Spuk“ wieder verschwunden.

 

 

2. Etappe:    Kreta - Korfu

      30.06. - 11.08.2007  (643 sm)

Der Abschied von dieser schönen Bucht ist uns nicht ganz leicht gefallen. Aber da sich statt des befürchteten NW-Windes ein leichter Wind aus NO eingestellt hatte, wollten wir unsere 43 sm - Überfahrt nach Kythira nicht länger hinausschieben. Nach Verlassen der Bucht drehte der Wind leider doch weiter auf NNO, so dass wir unseren Kurs ohne Maschinenunterstützung nicht anlegen konnten. Auf dem offenen Meer hatte sich eine tüchtige Welle aufgebaut.

Plötzlich hörten wir ein dumpfen Schlag am Rumpf und gleichzeitig fiel unsere Geschwindigkeit ab. Mein erster Gedanke war: „schon wieder ein Fischernetz?!“. Sofort kuppelte ich die Maschine aus, um größeren Schaden zu verhindern. Kurz darauf rumpelte es noch ein paar mal am Boot und hinter dem Heck tauchte eine großes schwimmendes Teil, wohl eine Holztür, auf. Ups – das hätte schlimmer ausgehen können.

Inzwischen hatte der Wind auf 5-6 bft zugelegt und in Lee der kleinen Felseninsel Antikythira fielen heftige Fallböen (bis 40 kn) über uns her. Wir mussten schnell die Fock verkleinern.

Am Nachmittag ließ der Wind dann immer mehr nach. Unser Ziel Kythira hatten wir schon dicht vor Augen, als urplötzlich die Maschine aussetzte. Schnell konnte ich herausfinden, dass der Motor keinen Kraftstoff mehr bekam und nach einem Entlüften des Systems sprang die Maschine wieder an. Ein etwas unsicheres Gefühl blieb aber doch zurück – was war die eigentliche Ursache und wann passiert es wieder?

Eine Stunde später machten wir vor dem hübschen Ort Kapsali an der Mole fest.
Von den umliegenden Hängen fauchten von Zeit zu Zeit heftige Fallböen über die Bucht, aber bei 75m Ankerkette hatten wir keine Probleme.
Der Ort hatte uns sehr gut gefallen. An der Uferpromenade befinden sich mehrere gemütliche Restaurants und Kaffees. Hier gönnten wir uns auch mal wieder den „Luxus“, uns ein reichhaltiges und schmackhaftes Frühstück servieren und dabei die Seele baumeln zu lassen.
Der Aufstieg zur imposanten Festung verlangt dann wieder einmal etwas sportlichen Einsatz, es sei denn, man findet wie wir, einen freundlichen Autofahrer, der einen mitnimmt.

Nach 2 schönen Tage auf  Kythira setzten wir unsere Tour Richtung Peloponnes fort. Unser nächstes Ziel war die knapp 
40 sm entfernte Bucht von Gerolimin. Der Wind hatte inzwischen, wie erwartet, auf NW gedreht, kam also genau von vorn. Ohne Maschine war da gar nichts zu machen. Bei Annäherung an das Kap Tainaron setzte  zusätzlich noch eine heftige Gegenströmung  mit bis zu 2 kn ein. Nachdem wir dem Einflussbereich des berüchtigten Kaps entronnen waren, beruhigte sich die Strömung und bei leichten Wind aus West konnten wir die restliche Strecke endlich wieder segeln.

In der Bucht vor Gerolimin fanden wir einen recht ordentlichen Ankerplatz, aber heftige Böen ließen uns nicht recht zur Ruhe kommen – nachts war Ankerwache angesagt. So fiel es uns nicht schwer, am nächsten Morgen Abschied zu nehmen und den Anker zu lichten. Eigentlich war die Bucht  Lemini unser Ziel, um dort zu übernachten, aber der Platz war enorm den Winden ausgesetzt und der Ankergrund mehr als unsicher. Wir beschlossen deshalb „einstimmig“, nach Kalamata weiter zu segeln. Dort machten wir am späten Nachmittag unser Boot in der modernen Marina an einem Steg fest.
Nach längerer Zeit konnten wir uns nun wieder einmal mit Strom und Wasser und Kraftstoff eindecken. Besonders genossen wir endlich mal wieder eine warme Süßwasser-Dusche. Auch die anderen Service-Einrichtungen wir Wäscherei, Supermarkt und Internet wurden von uns dankbar angenommen.

Kalamata liegt im Scheitelpunkt des Golfes von Messianikos. Die komfortable Marina befindet sich unmittelbar neben dem großen Hafengelände. Der Ort selbst ist auch eine Reise wert. Eine besondere Attraktion ist das Eisenbahn - Freilichtmuseum.

2 Tage später ging es weiter Richtung SW und nach einer Übernachtung vor Koroni verließen wir am 07. Juli  den Golf von Messianikos.
Je näher wir dem Kap Akritas kamen, um so stärker blies uns der Wind auf die Nase. Ohne Maschine war mal wieder nichts zu machen. Plötzlich setzte die Maschine aus, dicht vor der kniffligen Passage zwischen dem Kap und der Insel Venetiko. Zum Glück war der Wind nicht auflandig, aber das Kreuzen durch die enge Passage unter Segel, genau gegen den Wind, musste ich nach einigen vergeblichen Versuchen aufgeben. Während Heidi das Boot am Wind hielt, versuchte ich, den Motor wieder in Gang zu bringen. Ich konnte feststellen, dass wieder kein Kraftstoff gefördert wurde. Auch das manuelle Betätigen der Pumpe zeigte keine Wirkung. Da wir uns nicht nach Koroni zurücktreiben lassen wollten, wagte ich mich an eine Notreparatur. Als die KS-Pumpe abgebaut und leer gelaufen war, sprach die Handpumpe plötzlich wieder an. Schnell baute ich alles wieder zusammen und nach einer Stunde lief die Maschine wieder.
Ohne weitere Probleme passierten wir das Kap und die nachfolgende Insel  Schiza und liefen danach in die Bucht  Porto Longo auf der SO-Seite der kleinen Insel Sapienza ein.
Die Bucht ist gegen alle Windrichtungen gut geschützt. Zuerst wollten wir hinter einer Fischzuchtanlage Anker werfen, entdeckten dann aber am Ufer einen (wenn auch etwas verwahrlosten) einsamen Bootssteg, an dem wir mit Heck festmachen konnten - so kamen wir bequem an Land, sammelten bei einem Spaziergang fleißig Holz und konnten unsere Steaks am gemütlichen Lagerfeuer genießen.

Die kleine Insel hat einiges zu bieten. Erstaunt waren wir, so viele unterschiedliche Tiere zu sehen. Rehe und Rebhühner kamen bis dicht an das Boot. Auch ein kräftiger Mufflon mit gewaltigem Gehörn ließ sich von unserer Anwesenheit nicht stören und aus nächster Nähe betrachten.
Den folgenden ruhigen Tag nutzten wir zu einem Aufstieg zum Leuchtturm. Auch bei dieser Wanderung begeisterte uns wieder die reichhaltige Tierwelt.

Aber so schön und erholsam unser Aufenthalt auf dieser Insel auch war, der abermalige Ausfall der Maschine ließ mir keine Ruhe. War es „nur“ verschmutzter Kraftstoff oder liegt das Übel woanders?

Unser nächstes Ziel lag nur wenige Meilen entfernt. In der großen Bucht vor der imposanten Festung von Methoni fanden wir zwischen vielen anderen Booten einen guten und sicheren Ankerplatz.
Von hier aus ging es weiter die Westküste nordwärts, aber erst einmal mussten wir uns vor einer herannahenden Sturmfront in der Marina von Pylos, im Golf von Navarino, verkriechen. Die Liegeplätze waren schon fast alle belegt. Das zu erwartende Unwetter hatte sich wohl unter den Seglern herumgesprochen. Nach einigem Suchen fanden wir aber dann doch noch eine freie Mooringleine. Am Nachmittag nahm der Wind schon deutlich an Stärke zu. Einem französischen Einhandsegler ( er war auf dem Weg nach Madagaskar) musste die „vereinte Seglergemeinde“ zu Hilfe eilen, sonst wäre sein Boot beim Anlegen durch den Winddruck ernsthaft beschädigt worden.  

Wir nutzten den unfreiwilligen Aufenthalt, unsere Wasservorräte aufzufüllen (rangeschleppt in Kanistern) und „große Wäsche“ waschen und trocknen zu lassen. Nach 3 Tagen wurde es wieder etwas ruhiger und wir konnten endlich weiterfahren.

Nach einem Tag in Katakolon verließen wir Peloponnes und setzten über nach Zakynthos. Unseren ersten Ankerplatz fanden wir in der Bucht von Keri. Hier trafen wir auch Klaus von der SY „Woodwind“, ehemals Konzertmusiker in Wien und Dresden,  und Walter mit der MS „Dywana“ wieder. Wir hatten beide bereits am Ankerplatz in Methoni kennen gelernt und sind uns in der Folgezeit mehrmals wieder begegnet. In Keri verbrachten wir einen schönen gemeinsamen Abend in der Taverne, nachdem uns die zwei mit dem Schlauchboot zum Landgang abgeholt hatte.

Als wir am nächsten Tag die Westküste von Zakynthos nordwärts segelten, machten wir erstmals „persönliche Bekanntschaft“ mit den verheerenden Waldbränden dieses Sommers. Dicht neben unserem Boot zogen die Löschflugzeuge über das Meer, tankten ihre Löschbehälter voll und Löschhubschrauber füllten ihre riesigen Wassersäcke. Nach einer Runde über dem Brandherd kamen sie wieder zurück. Es ist schwer vorstellbar, dass die großflächigen Feuer damit ernsthaft einzudämmen sind.

Nach einer weiteren Nacht vor Zakynthos setzten wir unseren Weg nach Poros fort, aber nicht, ohne einen Foto-Abstecher zur berühmten „Wrackbucht“ auf Zakynthos zu machen.

Der Hafen Kephalonia auf Poros ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Die Boote liegen eng an eng. Dicht vor den Booten und über deren Ankern machen die großen Fähren fest. Auf der Mole ist Dauerbetrieb angesagt. Dutzende Lastwagen, Busse und PkWs standen praktisch in unserem Cockpit und warteten darauf, auf die Fähren verladen zu werden. Für uns war das nicht gerade die „erste Adresse“, und so machten wir uns gleich am nächsten Tag davon.

Über die ruhige Bucht Petalas am griechischen Festland (kannten wir schon aus dem Vorjahr) und die Insel Atokos segelten wir weiter nach Kastos. Im Hafen von Kastos fanden wir einen ruhigen Platz mit Heck an einer Steinmole. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, was in den nächsten Stunden auf uns zukommen würde.

Im Laufe des Nachmittags kam eine Charteryacht nach der anderen in den kleinen Hafen. Flottillensegeln pur!!! Wir konnten es gar nicht glauben, aber bis zum Abend hatten die Vercharterer  mehr als 50 Segelboote irgendwie im Hafen festgemacht, die Leinen teilweise um Laternenpfähle geschlungen. Unfassbar!! Als wir beim Abendessen in „Chief John’s Teverne“ auch noch miese Qualität zu überhöhten Preisen aufgetischt bekamen, waren wir endgültig bedient.

Dafür entschädigten uns die nächsten Tage vor der Insel Meganision und vor Nydrion / Vlychon. In Nydrion ließen wir unsren Außenborder durchchecken, mit dem wir in letzter Zeit ein paar Probleme hatten.
Unser nächstes Ziel, die Marina von Levkada, ist Stützpunkt mehrerer großer Charterfirmen. Charterwechsel ist in der Regel Samstags und ab Sonntag Nachmittag findet man dann meist wieder einen freien Liegeplatz. Nachdem mir beim letzten Frühstück eine Zahnbrücke im Essen stecken geblieben ist, „sehnte“ ich mich auch innig nach einem Zahnarzt.
Nicht weit von der Marina fanden wir auch eine „Dental Clinic“ und nach kurzem Warten wurde ich in das Behandlungszimmer gebeten. Der Stuhl war noch ganz o.k., aber alles andere sah recht verwahrlost aus. Bei dem bloßen Gedanken, aus dem „verkeimten“ Becher  Wasser in den Mund nehmen zu müssen, schüttelte es mich. Zum Glück gab es keine große Operation, die Brücke wurde einfach wieder eingeklebt und das war’s (Anmerkung: hat aber auch nur 3 Wochen gehalten!!!).
Als wie am nächsten Tag durch den Levkada-Kanal wieder auf die offene See wollten, gab es ein paar Probleme. Die Drehbrücke war defekt. Als „Behelfsbrücke“ hatte man eine Autofähre quer im Kanal vertäut. Nur alle 2 Stunden wurden die Leinen frei geworfen, sodass der Schiffsverkehr passieren konnte.

Nachdem wir im vergangenen Jahr um den Ambrakischen Golf einen Bogen gemacht hatten, wollten wir ihn in diesem Jahr unbedingt erkunden. Der Erlebnisbericht von Klaus und Walter hat uns doch neugierig gemacht und wir hatten ja schließlich genügend Zeit.
Die Ansteuerung des Golfes durch die Meerenge von Preveza ist für Sportboote kein Problem. Neben der für die Großschiffe ausgebaggerten Fahrrinne ist noch genügend Wassertiefe vorhanden, um bei starkem Verkehr gefahrlos ausweichen zu können.
In diesem großen Golf, der einem riesigen Binnensee gleicht, findet man mehre schöne Ankerplätze. Wir  hatten uns eine Bucht bei den Vouvalus Inseln ausgesucht, einer Inselgruppe aus mehreren kleinen und kleinsten Eilanden. Hier ließen wir es uns gut gehen – tagsüber wurde gebadet, geangelt oder nur gefaulenzt und abends gab es am Strand ein zünftiges Lagerfeuer. Regelmäßig bekamen wir „Besuch“ von unserer „Hausschildkröte“ oder von Delfinen und bei einem Tagesausflug in die nordöstlich liegenden Mangrovengebiete bekamen wir Flamingos und Pelikane zu Gesicht. Sonst waren wir fast allein. Ein von einem Fischzüchter geschenkter Fisch landete abends auf dem Grill - lecker!

Fast eine Woche hatten wir uns hier wohl gefühlt. Am 03.08. steuerten wir früh wieder auf das offene Meer hinaus. Die nächsten Ankerplätze in der Bucht Ioannou und vor Parga kannten wir schon aus dem Vorjahr. Während wir in Ioannou wie erhofft „Ruhe und Frieden“ fanden, mussten wir in der Bucht von Parga die Begleiterscheinungen des modernen Tourismus über uns ergehen lassen – Speedboote, Jetski, Wasserski.... dazu Schwell ohne Ende. Auch der Bummel durch den Ort auf der Suche nach einer gemütlichen Taverne wurde beinahe zu einem Fiasko. Also nächsten Morgen schnell weg!

Eine Nacht verbrachten wir noch im Golf von Igouminitsa. Nördlich der Einmündung gibt es auf einem Flachgebiet ausreichende Ankermöglichkeiten.
Bevor wir Korfu, die größte Insel des Ionischen Meeres, anlaufen wollten, hatten wir uns noch eine kleine Bucht dicht unterhalb der albanischen Grenze ausgeguckt. Laut Karte und Küstenhandbuch sollte man im inneren der kleinen Bucht Pagania noch schöne und ruhige Ankerplätze finden. Ein Versuch war es allemal wert. Schon von weitem waren mehrere große Fischzuchtanlagen zu erkennen, die die gesamte Einfahrt zur Bucht zu blockieren schienen, aber im Inneren der Bucht fanden wir zu unserer Überraschung tatsächlich einen sehr ruhigen und wunderbar geschützten Platz. Zwei kapitale Doraden, die wir direkt bei der Fischzucht kauften, bereicherten später unseren Abendessen.

Die Überfahrt nach Korfu wurde wieder einmal zu einer schönen Segeltour. Lediglich auf die vielen Fracht – und Kreuzfahrtschiffe, die sich auf dem Weg in die Adria befanden, mussten wir acht geben.
Wie im Vorjahr steuerten wir die große und moderne Marina von Gouvia an. Und hier starteten wir dann wieder das „volle Programm“: Duschen, Wäsche waschen, Großeinkauf (mit Taxi),Wasser und Diesel bunkern, Emails abholen und versenden... Als wir am Abend alles geschafft hatten, schleppten wir uns mit letzter Kraft in die nächste Taverne und erholten uns bei einem schmackhaften Essen und reichlich Rotwein.

  Langsam wurde es Zeit, von Griechenland Abschied zu nehmen. Die letzte Nacht wollten wir vor der Insel Errikousa verbringen. Allerdings warteten wir schon seit ein paar Tagen auf eine wichtige telefonische Nachricht aus Neuseeland, wo uns unsere Tochter Claudia ein Enkelkind zur Welt bringen wird. Da wir während der 2 Tage dauernden Überfahrt nach Italien keine Telefonverbindung haben würden, hieß es also „ausharren und warten“.
Am 12.August, früh 05.00 Uhr kam der erlösende Anruf: Enkeltochter Ivy ist geboren -  beide wohlauf, Mutter und Vater überglücklich. Uns fiel ein Stein vom Herzen und die Freude war riesengroß.

 

 

3. Etappe:    Korfu-Italien-Sizilien-Sardinien

       12.08. - 24.09.2007  (545 sm)

 

Nachdem wir die freudige Nachricht aus Neuseeland mit einem leckeren Frühstück gebührend gefeiert hatten, wollten wir den Rest des Tages mit unserem Boot zwischen den Inseln „bummeln“. Kurz vor Mittag lichteten wir dafür den Anker. Aber da der Wind günstig aus NW wehte, entschieden wir uns spontan, den Kurs nach Italien abzusetzen.

Leider drehte der Wind nach einigen Stunden auf SW, so dass die Maschine wieder ran musste. Dafür entschädigte uns eine herrliche Nacht mit einem wahren Sternschnuppen-Regen.

Am Nachmittag des folgenden Tages machten wir in der Marina von Crotone fest, einem ziemlich heruntergekommenen, schmutzigen Ort.

Den nächsten Abend wollten wir vor Anker am Capo Rizzuto verbringen. Kurz vor dem Sonnenuntergang wurden wir aber von zunehmendem Wind und Welle aus unserer Idylle vertrieben. Beinahe hätten wir auch noch größere Probleme bekommen, denn der Anker hatte sich unter einem Felsbrocken verklemmt und die Kette ruckte durch den Wellengang gefährlich ein. Nach mehreren Manövern kam der Anker aber wieder frei und eine Stunde später fanden wir einen freien Liegeplatz in der Marina von  
Le Castello.


Bevor wir die Straße von Messina in Angriff nahmen, verbrachten wir noch ein paar Tage in Roccella Jonica und ließen uns wieder die berühmten herrlichen Pizzen im Hafenrestaurant schmecken.

Für die kommenden 70 sm bis Reggio di Calabria in der Straße von Messina wollten wir in der Nacht starten. Gegen 23.00 Uhr verließen wir bei fast Flaute den Hafen, aber schon nach 30 Minuten Fahrt zerrte Wind mit 25 kn aus West an unserer Takelage.

Nach kurzer Überlegung entschieden wir umzukehren, aber je näher wir dem Hafen kamen, um so mehr ließ der Wind wieder nach! Also wieder Wende und Kurs SW!  Nach wenigen Meilen das gleiche Theater – Wind aus West mit 4 – 5 – 6 Windstärken (in Böen 7). Was sollte denn das noch werden? Also doch zurück zum Hafen!? Vor der Hafeneinfahrt wieder Flaute!.

Jetzt reichte es uns aber endgültig. So weit nötig wurde alles verzurrt und ab ging’s zur Straße von Messina. Hart am Wind mit  bis zu 38 kn wurde es eine schnelle aber auch feuchte Fahrt, bis mit dem Sonnenaufgang fast schlagartig wieder Flaute einsetzte. Das war allerdings nur die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm“, denn eingangs der Straße von Messina packten uns wieder 7-8 Windstärken von vorn, und nur dem mitlaufenden Strom hatten wir es zu verdanken, dass wir überhaupt noch vorwärts kamen. Wir waren deshalb heilfroh, am Nachmittag an der Kaimauer im Industriehafen von Reggio noch einen Platz gefunden zu haben.

 

Am nächsten Tag verließen wir wieder die berüchtigte Meerenge zwischen Italien und Sizilien. Nach einem Zwischenstopp im großen Containerhafen von Gioia Tauro nahmen wir endgültig vom italienischen Festland Abschied.

 

Unseren ersten Übernachtungsstopp auf Sizilien hatten wir in Milazzo, wo man uns tüchtig zur Kasse bat. Von dort hatten wir uns als nächstes Ziel die Lagune von Tindari ausgeguckt, wo wir im Jahr davor so schöne Tage verbracht hatten.

Die folgenden 15 sm sollten uns allerdings mehr zu schaffen machen, als wir geahnt hatten.

Bis zum Kabo de Milazzo hatten wir es mit 10...12 kn  Wind aus Nord zu tun und hofften, nach dem Kap mit diesem Wind bis in die Bucht segeln zu können. Aber wieder einmal kam es ganz anders.

Nach Passieren des Kaps drehte der Wind auf W-SW und frischte in kürzester Zeit auf 6-7 bft. auf. Die restlichen 8 sm nur mit Segel dagegen ankreuzen? Dazu hatten wir keine Lust - also sollte uns der „Jockel“ etwas Unterstützung bringen. Die Maschine sprang auch sofort an....und ging genauso schnell wieder aus. Nichts konnte sie zur Arbeit bewegen. Während Heidi das Boot am Wind hielt, versuchte ich im Maschinenraum, dem Diesel wieder etwas Leben einzuhauchen, musste bei der ruppigen See dann aber doch das Handtuch werfen.

Inzwischen hatte der Wind Sturmstärke erreicht. Nur mit verkleinerter Fock war kein Vorrankommen, aber beim Versuch, das Großsegel zu setzen, verfing sich das Großfall in Höhe der Saling und ließ sich nicht mehr lösen. Notdürftig bändigten wir das wild um sich schlagende Großsegel mit mehreren Bändseln.

Inzwischen hatten wir Windstärke 8 „und noch 7 Meilen bis Buffalo“. Ich  rollte die Fock so weit aus, wie ich dem Rigg gerade noch zumuten konnte. Unendlich langsam kamen wir der rettenden Bucht näher. Nach fast 5 Stunden wildem Gekreuze waren wir dicht unter Land, aber jetzt fegten  Böen mit bis zu 45 kn über uns hinweg und legten uns  fast flach. Doch irgendwie mussten wir einen Ankerplatz erreichen (die anderen Segler, die bereits in der Bucht lagen, müssen uns für verrückt gehalten haben). Ein letzter Schlag brachte uns in flacheres Wasser und wir ließen den Anker fallen. Ein paar Minuten mussten wir noch bangen, ob er gleich fasst, einen 2. Versuch hätten wir nicht gehabt, denn 100 m hinter uns lagen die Sandbänke. Nun, es ging gut und wir konnten endlich aufatmen – leider nur kurzfristig, denn erst jetzt registrierten wir, dass ringsum die Hänge in Flammen standen. Der Rauch wurde durch den Wind direkt in die Bucht gedrückt. Ein Entkommen gab es (bei der Windrichtung und ohne Motor ) für uns nicht.

 

Zwei Nächte und einen Tag verbrachten wir in diesem „Räucherofen“, ehe ich die Maschine so weit reparieren konnte, dass wir den nächsten Hafen anfahren konnten.

Von der (sau-teueren aber interessanten) Marina von Portorosa aus konnten wir telefonisch die notwendigen Ersatzteile bestellen und einen Tag später setzten wir zu den Liparischen Inseln über – unser erstes Ziel Vulcano.

 

Die Liparischen Inseln waren auch in diesem Jahr wieder ein Höhepunkt unserer Reise, auch wenn uns Wind und Wetter nicht immer wohl gesonnen waren. So musste wir leider wegen aufkommendem Starkwind unseren Ankerplatz vor der Insel Filicudi fluchtartig verlassen.

 

Sturm war es auch, der uns anschließend  4 Tage in St. Agata d. Militello am Steg von Kiriacoulis-Yachting festhielt. Dafür hatten wir dort wenigstens Zeit, einige der Schäden zu beseitigen (Segel flicken, neues Ladegerät).

 

Nachdem sich das Wetter wieder etwas beruhigt hatte, ging es über Cefalu (war wieder genau so schön wie im Vorjahr!) St. Nicola d. Arena und Baia d. Carini zur NW-Spitze von Sizilien, nach San Vito da Capo. Palermo hatten wir diesmal auf dem Weg ausgelassen.

Wieder einmal hielt uns Starkwind 2 Tage fest, aber wir hatten gegenüber der Marina einen sicheren Ankerplatz gefunden.

 

Trapani, unser nächstes Ziel, hatte uns im letzten Jahr nicht viel Freude gebracht. Der Liegeplatz in der Marina war zwar o.k, aber der Ort war langweilig und hatte nichts geboten.

Diesmal machten wir unser Boot vor der Marina an einer Boje fest. Mit dem Tender setzten wir zum Stadtkai über und sparten uns damit den sonst langen Fußweg.

Und der Ort war diesmal wie verwandelt! Das Leben pulsierte! Wir fanden nette Restaurants und Cafes - und nette Menschen. Am folgenden Tag fuhren wir mit der Seilbahn nach Erice (ein „Muss“ für jeden Besucher von Trapani) und verbrachten dort unvergessliche Stunden.

 

Nach 2 schönen Tagen in Trapani lockten uns die Egadischen Inseln. Zuerst steuerten wir unsere Lieblingsinsel  Favignana an und warfen im Hafen Anker.  Hier konnten wir uns wieder einmal so richtig erholen. Mit dem Leih-Fahrrad erkundeten wir die Insel und kletterten zur Festung hinauf. Abends genossen wir die lauen Stunden bei einem schönen Wein oder einem Glas Bier und leckeren Kleinigkeiten in einem der Bistros.

Zwischendurch verbrachten wir 2 romantische Nächte in einer einsamen Bucht an der Westküste von Levanzo, nur das flackernde Lagerfeuer erhellte die Felswände hinter uns.

 

Es konnte uns auch nicht die Stimmung verderben, dass uns aufkommender Starkwind aus Nord wieder einmal zwang, den Ankerplatz aufzugeben und in die überfüllte Marina von Favignana zu flüchten.

 

Langsam neigte sich nun für uns leider die Saison dem Ende entgegen. Jetzt warteten wir noch auf  ein günstiges Wetterfenster für unsere Überfahrt nach Sardinien. Am 22.September war es dann soweit. Den Tag über blieben wir noch in einer Bucht vor Levanzo vor Anker liegen, bevor wir am Abend den Anker lichteten und auf  Kurs Nordwest nach Santa Maria Navarrese/Sardinien gingen.

 

Zum Abschluss unseres Törns wollte sich  Poseidon wohl etwas gut mit uns stellen, denn er bescherte uns einen gemütlichen Segelwind aus NO. Erst in der zweiten Nacht schien er es sich doch anders zu überlegen. Gegen Mitternacht schlief der Wind fast völlig ein und  Wetterleuchten kündigte nahendes Gewitter an. Nun musste die Maschine wieder ran.

 

Als wir am nächsten Morgen gegen 09.00 Uhr in die Marina einliefen, und uns Pietro  mit dem Schlauchboot entgegenkam, fühlten wir uns gleich zu Hause. Wir hatten kaum festgemacht, brach das Gewitter über uns herein.

 

Unser Törn war damit beendet. Nach 1996 sm sind wir wieder in unserem „alten“ Heimathafen gelandet.

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© Klaus Lange