der Winter naht!



29. Oktober bis Jahresende 2010

Von unserem vorgesehenen Absprung zu den Bahamas, der für Januar 2011 südlich von Miami geplant ist, sind wir jetzt noch gut 2 Monate und etwa 1200 Seemeilen entfernt.
Wir ahnen noch nicht, dass unser für warme Regionen ausgerüstetes Schiff und wir mit ihm unsere kältesten Wochen zu bestehen haben. Doch in Deutschland beeindruckt das niemanden, denn dort nimmt das Schneechaos seit November rekordverdächtige Dimensionen an ...
Nun der Reihe nach:
Auf bekannten Pfaden treten wir auf dem Intracoastal Waterway den Weg in den Süden an. Eigentlich wollten wir größere Strecken "draußen" auf dem Atlantik zurücklegen, aber eisige Winde und nächtliche Temperaturen in Gefrierpunktnähe halten uns davon ab. Also freuen wir uns auf bekannte Orte und Ankerplätze, die wir sowieso gerne noch mal besuchen wollten, und nutzen den Vorteil schon zu wissen, was uns erwartet.

Salomon Island (31.10.) Maryland
Unser schönes Plätzchen links hinten in der Bucht ist noch frei. Am Abend muss Franks Monster-Petroleum-Lampe für Wärme sorgen. Da wir keine Dusche im Boot haben, müssen wir wohl oder übel ab und zu ins Wasser - schon mal was von Eisbaden gehört? Früh sind 7 Grad in der Kabine. Das wichtigste beim Kaffeekochen ist die dabei entstehende Wärme - außen und innen.

Hampten (5.11. bis 7.11.) Virginia
Nach mehreren Tagen - siehe oben - gönnen wir uns den Aufenthalt in der Marina "Hampten Public Docks" (2Tage bezahlen, 3 Tage bleiben). Wir genießen vor allem die heiße Dusche ! Fahrräder gibt's gratis und so radeln wir durch den Ort, füllen unsere Vorräte auf, waschen ein paar Kessel Buntes. Heidi stöbert im "Dollar Tree" (Billigmarkt, wo alles 1 Dollar kostet), da findet man immer was...

Elisabeth City (9.11.) North Carolina
Tagsüber ist meist schönes Wetter, und so genießen wir noch einmal die Fahrt durch den Dismal Swamp Kanal, die uns schon im Mai so begeistert hatte. Jetzt erleben wir die absolute Abgeschiedenheit mit einer herbstlichen Komponente. Am Steg vom Visitor Center können wir über Nacht anlegen, am nächsten Mittag erreichen wir dann das besucherfreundliche Städtchen Elisabeth City, wo es wieder einen Begrüßungsdrink und eine rote Rose gibt.

Morehead City (13.11.)
Die nächsten 140 Meilen jagen wir teilweise mit Segelunterstützung und getragen von der Strömung durch die Lande: früh nach Sonnenaufgang starten wir und fahren dann solange es geht, um schnellstens in wärmere Gefilde zu kommen. An Ankerplätzen wie South Lake, Alligator River Bridge und Zedar Creek legen wir nur über Nacht einen kurzen Stopp ein - unser Ziel ist als nächstes dieMarina Portside in Morehead City, wo wir wieder freundlich empfangen werden. Waschmaschine, Trockner und Internet werden gerne genutzt sowie die Duschen ...(siehe auch 21.5.10).

Wilmington (15.-22.11.2010)
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Dorothea und Richard (TO-Stützpunkt Wilmington), deren freundliche Unterstützung in allen Belangen uns noch vom Mai in guter Erinnerung ist. So ist es auch diesmal: Dorothea holt uns ab zum Bummel im Einkaufscenter (Beute ist ein neues Teleobjektiv), transportiert unsere Einkäufe zum Boot, lässt ihre Waschmaschine und den Trockner für uns rotieren; sie bewirten uns in ihrem gemütlichen Haus ... Wir verschicken die Nikolauspäckchen für die Enkelkinder und bestellen über Internet ein neues Großsegel in Honkong, das nach Fort Lauderdale geliefert werden soll. Diesmal bleibt sogar noch Zeit, um durch die sehr interessante Altstadt zu streifen. Heidi sammelt am Strand die einzigartigen Muschelstücke, aus denen die dekorativen "Blümchen" gestaltet werden, die sich so wunderbar als kleines Mitbringsel bewährt haben; 3x Spaß ist garantiert: beim Sammeln, beim Herstellen und beim Verschenken.

Auf unserem Weg nach Süden machen wir noch mal Halt in solchen hübschen Städtchen wie Barefoot Landing, Georgetown und Beaufort im Bundesstaat South Carolina. Der Herbst neigt sich seinem Ende zu und es wird langsam empfindlich kalt. Also beeilen wir uns, in wärmere Gefilde zu kommen. So sind wir leider auch an Charleston nur im wahrsten Sinne des Wortes "vorbeigeschrammt". Plötzlich war die Hölle los: Sturm, Regen, Gegenstrom, hackige Wellen aus allen Richtungen - die Elemente hatten sich gegen uns verschworen. Und zu allem Unglück haben wir auch noch unser Dingi hinterher geschleppt, was wir sonst nie tun. So kamen wir streckenweise kaum noch vorwärts und waren froh, am nächstgelegenen halbwegs ruhigen Platz vor Anker gehen zu können.
Starke Strömungen und heftige Winde können einen schnell zum Spielball werden lassen. So rammte uns ein anderer Segler, der beim Ablegen vom Steg in der Marina die Gewalt über sein Boot verloren hatte. Dabei ging ein angeschweißter Relingstutzen zu Bruch.

Auf den Wasserwegen Georgias wird es dann immer flacher und kälter.

Hope Island (30.11.10)
Heute ist nicht unser Tag! Früh im Morgengrauen und bei eisiger Kälte machen wir uns auf den Weg. Unsere Initiative wird aber gleich nach einer Meile an der nächsten Brücke gestoppt, denn die öffnet nur jede Stunde - das hätten wir wissen müssen, also kreiseln wir eine gute halbe Stunde auf einem Fleck.
Richtig spannend wir es dann auf dem breiten Fluss vor der Einfahrt zum Hell Gate (Höllentor), denn obwohl wir laut Karte ausreichend Tiefe haben müssten, sitzen wir plötzlich auf! Heidi fliegt durch die Kabine, Klaus versteht die Welt nicht mehr. Einer unserer Kiele hat sich offensichtlich in einer wandernden Sandbank festgefressen. Vorwärts, rückwärts, seitwärts Vollgas - nichts geht mehr. Der zweite Kiel wird durch die Wellen regelmäßig hart auf Grund geschlagen, das Rigg wackelt jedes Mal bedenklich, das Ruder setzt auf ... es ist eine richtig schlimme Situation, Horror-Visionen inclusive. Dazu heult natürlich der Wind, und es dauert noch Stunden, bis mit der steigenden Flut wieder mehr Wasser kommt. Also rufen wir über Funk die Coast Guard und bitten um Hilfe von TOW US (Abschlepp-Dienst, bei denen wir eine Versicherung abgeschlossen haben). Nach 2 Stunden kommt dann auch ein Boot, aber bis dahin haben wir uns schon selbst befreien können. Huch, das war eines unserer schwärzesten Erlebnisse auf dem Wasser.
Die Besatzung vom amerikanischen Motorboot "Seamantha" fragt über Funk, ob wir Hilfe brauchen, aber zum Glück sind wir schon raus aus dem "Schlammassel".
Im Queen Bess Creek finden wir ein ruhiges Ankerplätzchen - wir sind geschafft und müssen die Aufregung erst mal verdauen.

Weiter geht es tagelang im Eiltempo nach diesem Muster: bei Sonnenaufgang und Hundekälte aufstehen - Klaus wird vermummt wie ein Polarforscher - 6.30 Uhr Anker auf - Frühstück unterwegs - Warten auf Sonne, die auch meistens kommt und die Fahrt etwas erträglicher macht - am frühen Nachmittag am Ankerplatz die letzten Sonnenstrahlen genießen - gegen 17.00 wir es schon wieder kalt und dunkel.

Jeckyle Island (3.-4.12. 2010)
Da genießen wir die Annehmlichkeiten einer Marina ganz besonders, wenn das auch nicht ganz billig ist. Diesmal gibt es sogar ein Auto für 1 Stunde, Fahrräder, Waschmaschine und Trockner zur gefälligen Benutzung, was wir ausgiebig tun. Wir radeln durch die schöne herbstliche Natur, vorbei an den Millionärsvillen aus der Gründerzeit. Internet steht auch zur Verfügung - es ist der pure Luxus - so ändern sich die Prioritäten.
Am folgenden Tag werden wir gleich übermütig und fahren auf einer Alternativroute weiter, die durch besonders flache Streckenabschnitte führt und nur bei Hochwasser befahren werden kann. Der Erfolg - wir blieben im Schlick stecken und mußten 2 Stunden auf steigendes Wasser warten!

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© Klaus Lange