2011 - auf zu neuen Ufern



Letzte Vorbereitungen vor dem Start zu den Bahamas:


Loundry (alles ganz easy -  große Waschmaschinen und Trockner verwandeln die Wäscheberge in 2 Stunden in saubere Stapel); inzwischen radle ich mit dem Klappfahrrad zu "Publix", um letzte Einkäufe zu erledigen; Wasser kriegen wir von Richard und wir füllen alle Tanks und Gefäße.
Abschieds-Grillen bei "Belena" - danke, dass wir von euren Erfahrungen vor Ort und der Möglichkeit, Richards Steg, Auto und Internet mit zu benutzen, profitieren konnten.

Am 9.1. vormittags nehmen wir den Anker auf. Abends ankern wir vor der Sky-line Miamis, finden freies Internet, plaudern über Skype mit Claudia in Neuseeland, schicken Geburtstagsgrüße an unseren 13-jährigen Enkel Fritz (zum Telefonieren ist es in Deutschland zu spät).
Morgen geht es weiter zum Ausgangspunkt für die Passage über die Florida Street, zum

Angelfish-Creek (10.1.)

Von hier aus wollen wir uns nachts quer über den Golfstrom zu den nördlichen Bimini Islands treiben lassen, die man wegen der Riffe und Flachgebiete ringsum unbedingt im Hellen anfahren muss. 
Wir tasten uns schon mal vor Einbruch der Dunkelheit durch die äußerst flache Ausfahrt - eine Zitterpartie bis zur letzten Boje - und ankern draußen auf dem Meer, bis es Zeit ist, auf die 62 Meilen lange Tour zu gehen. Nach einem Bad im Meer und gemütlichem Abendessen lichten wir 20.00 Uhr im Stockdunkeln den Anker.  Good bye, Amerika

Bis wir den Golfstrom erreichen, müssen wir ca. 8 Meilen gegen den Wind keulen, es wird immer mühsamer, wir kommen kaum noch vorwärts ... 2 Knoten Fahrt ! - ist irgendwas los, haben wir was mit der Schraube eingefangen? Aber als wir dann den Kurs nach Bimini einschlagen können, spüren wir deutlich den Golfstrom. Plötzlich geht es flott weiter  mit Fockunterstützung über 6 kn, da kämen wir ja im Dunkeln an! Aber es kann ja noch sooooo viel passieren... tut´s auch: irgendwas ist faul, es kommt kein Strom über die Maschine auf die Batterien - na toll ! Wackelkontakt, Lichtmaschine, Regler, sonst was ? Im Dunkeln und bei dem Geschaukel im Moment nicht aufzuklären. Klaus versucht sein Bestes, was dazu führt, dass ohne Erklärung dann doch wieder Strom geliefert wird. Es beruhigt sich alles wieder, 3.00 früh übernimmt Heidi die Wache. Das Radar zeigt andere Schiffe, durch die stärkste Strömung des Golfs sind wir durch. Die Abdrift ist unheimlich stark, dadurch dauert die Fahrt auch länger: wir werden fast quer stehend zu den Bahamas getragen, und so kommen wir auch pünktlich beim Hellwerden an. Da nach dem kleinen Wetterfenster schon wieder eine Kaltfront mit Nordwind angekündigt ist, steuern wir weiter nach North Bimini. Vor der Einfahrt nach 

Alice Town /North Bimini (11.1. - 15.1.11)
wird es noch mal spannend, außer 2 Bojen weit draußen gibt es zur Orientierung nur schäumende Klippen linkerhand und Sandbänke rechts ... Papierkarte, Computerkarte, Sichtnavigation mit Auge und Fernglas, Tiefenmesser zeigt nichts mehr an, aber dann sind wir durch !
Da die Ankerplätze bei Nordwind alle nicht geeignet sind, gehen wir in die Marina "Sea Crest" und genießen alle Annehmlichkeiten (z.B. nach vielen Tagen mal wieder eine heiße Dusche). Einklarieren easy: gleich um die Ecke Zoll und Immigration (kostet allerdings 150,- Dollar). Mit 2 Schritten sind wir im Ort, bunte Holzhäuser beiderseits der Straße; auf einer Seite der schmalen Insel Lagune, auf der anderen herrlicher Sandstrand mit Palmen, Klippen und Wrack. Der Ozean schimmert in traumhaften Farben - ein Augenschmaus - wir sind auf den Bahamas angekommen !

Und bleiben länger als geplant, denn der Wind pfeift wie sooft aus der falschen Richtung.
Also dann "carpe diem": Fehlersuche Stromversorgung (Klaus findet ein gebrochenes Kabel), Abflussschlauch Spüle neu verlegt, Strandspaziergänge zur allgemeinen Erbauung (Pediküre inbegriffen), Mails und Fotos an die Lieben zu Hause schicken, kubanischen Rum kaufen (ist hier als einziges billig!), Laundry, Bakery ...
"Senta" mit Annette und Wilfried liegen auch hier. Plauderstunde bei Rotwein, Büchertausch ...
"Barbara" mit 2 Papageien an Bord gesellt sich zu den Wartenden auf Weiterfahr-Wetter.

Am 16. Januar 2011 starten wir zu den Berry Islands.

Da wir die Srecke über die Great Bahama Bank in einem Ritt nicht schaffen werden, ankern wir nach 42 sm "mitten in der Wüste" auf 2-3 m,  umgeben von blauem Wasser bis zum Horizont und verbringen hier die Nacht. Als wir am nächsten Morgen weiterziehen, ist es schon ziemlich wellig. Der immer stärker werdende Wind kommt fast von vorn, also Programmänderung: wir steuern die North-Berrys an. Am Nachmittag türmen sich Wolken am Horizont, aber gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Ankerplatz zwischen 2 kleinen Inseln nördlich von Great Harbour Cay - mit uns kommt auch das Unwetter an. Klaus nimmt schnell noch den unterwegs gefangenen Barracuda aus, dann gehen um uns herum die Blitze und der Regen nieder. Nach dem Essen gibt es noch eine kleine Schrecksekunde, denn durch das Gewitter hat sich die Windrichtung so geändert, dass wir ungeschützt den Brechern vom Meer her ausgeliefert sind, aber das gibt sich dann bald wieder.
Gute Nacht!

Frühstück bei Sonnenschein im Cockpit. Nun können wir wohl endlich die dicken Socken und ähnliche winterliche Utensilien wie Steppdecken oder Pullover wegpacken?
Langsam pegelt sich unser "normales" Seglerleben wieder ein.



- keine verschlammte Ankerkette mehr
- kein ständiges Rudergehen, der Autopilot darf wieder ran
- das nagelneue Großsegel kommt zum Einsatz
- baden im blauen klaren Wasser, nicht nur kurz Abtauchen
- der Duft von frischem Brot zieht öfter durch das Schiff - bei den sommerlichen  Temperaturen   geht der Teig wieder wie er soll
- selbst gefangene Fische bereichern wieder den Speisezettel
- sooft es geht, erkunden wir die fast unberührte Natur
Die nächste Gelegenheit bietet sich dazu 20 Meilen weiter am traumhaften Ankerplatz hinter 

Devil`s Kay (19.1. - 23.1.)
Es ist ein geschütztes Plätzchen, umgeben von mehreren Inseln. Leuchtende Sandstrände locken uns gleich ans Ufer. Klares Wasser in allen Blau- bis Grünschattierungen ringsum ... allerdings darf man nicht zu schreckhaft sein; als Klaus zum Anker schnorchelt, kommt ihm auf dem Rückweg ein etwa 1 m großer Hai entgegen, wackelt mal kurz mit der Flosse und zieht vorbei - huch, da hat jemand doch Respekt!

Am nächsten Tag kommt noch ein Katamaran mit Joice und Bruce nebst Freund aus Michigan. Gemeinsam suchen und finden wir das in Büchern beschriebene Blue Hole, das irgendwo auf der Nachbarinsel sein soll. Ein kleiner Pfad führt durchs Gestrüpp und da liegt es: fast kreisrund, ca. 100 m im Durchmesser, Felsen und Sträucher spiegeln sich im brackigen dunklen Wasser, es soll 200m tief sein und Verbindung zum Meer haben. Wir klettern runter zum Ufer und finden eine Höhle. Alle freuen sich, ein so unberührtes Naturwunder entdeckt zu haben.
Ja, Wunder gibt es immer wieder ... Als wir erzählen, dass wir nun schon fast 3 Jahre mit dem Boot unterwegs sind, sagt Joice: "Oh, nearly 3 years ! ...
And still together !!!" Dabei hatten wir doch gerade unseren 38. Hochzeitstag. 
Beim Strandspaziergang sammeln wir dann noch große Schnecken, die bei Ebbe an den Felsen kleben. Kochen, putzen, in Butter mit Kräutern braten, als Mittags-Snack essen -lecker, bei französischen Freunden hatten wir das schon mal gekostet.

Von Kaltfronten umzingelt hängen wir hier schon wieder fest und können unsere Tour über Nassau zu den Exumas nicht wie geplant fortsetzen. Heftige Sturmböen wirbeln uns herum, der Katamaran muss in der Nacht 4 x neu ankern, kommt am Morgen wieder ins Surfen; dabei rammt er uns um Haaresbreite und reißt  unseren Anker raus ... nun auch bei uns hektische Ankermanöver, nachts heult der Wind und die Strömung zerrt an uns herum, so dass Ankerwache angesagt ist. Dann beruhigt sich alles, wir bleiben noch einen Tag, den wir am Strand bei Feuerchen und Grillen verbringen, aber morgen soll es weitergehen.

Allerdings kommen wir nur wenige Meilen weg, denn die See ist ruppig, der Wind dreht immer mehr auf Gegenrichtung, so schaffen wir die 40 sm bis Nassau nicht vor dem Dunkelwerden. Also Plan B: wir drehen ab nach

Little Harbour (24.1. - 28.1.)
Zum Glück haben wir gerade noch Flut, denn bei Ebbe und östlichem Wind kann man da nicht rein.
Dann, o Schreck, wo soll man denn hier ankern? Viel zu wenig Platz, sprudelnde Strömung, überall Felsen ringsum ... also tasten wir uns weiter durch flachstes Wasser bis zum Darville Dock; bange Minuten, bis wir endlich ohne aufzusitzen an Flo´s Conch Bar ankommen. 
Wir suchen uns ein "dunkles" Fleckchen, d.h. etwas tieferes Wasser, was hier aber nicht mehr als 1,5 - 1,7m bedeutet. Um das Herumtreiben zu unterbinden, legen wir 3 Anker ringsum. Bei Ebbe bleibt es aber nicht aus, dass wir im weichen Sand einsinken, da sind unsere 2 Kiele doch mal zu was nütze. Ringsum ist ein tolles Schauspiel zu beobachten: um uns herum entsteht immer mehr "Land" - kleine Inseln, Grasflecken, Sandbänke. Nur zum Ufer hin fließt noch etwas Wasser, ein Rochen schwebt vorbei, wir springen verzückt mit Fotoapparat und Kamera herum. 
Wir erkunden die Insel, bestellen Essen für morgen bei Chester, der Koch, Wirt und fast einziger Anwohner hier ist neben einer Hühnerschar mit vielen schönen Hähnen. Natürlich gibt es Conch, das Fleisch einer riesigen im Wasser lebenden Schnecke, diesmal wie Schnitzel gebraten. "Oma und Opa" (von uns so getauft) sind mit von der Partie  - zwei sehr nette, aber wirklich alte Leutchen aus Virginia, die in diesem Jahr ihre "Segel-Karriere" beenden wollen. 
Wir liegen hier sehr sicher und ruhig, streifen durch dichte Vegetation zur Seeseite der Insel, erfreuen uns an dem Schauspiel der Brecher, die an die felsige Küste knallen ...
Da wir hier nur bei Hochwasser wieder raus kommen, verlegen wir uns einen Tag vor der Weiterreise gegen Mittag auf einen Ankerplatz vor dem Flachgebiet, von dem aus wir direkt nach Nassau starten können.

Nassau (28.1. - 30.1.11)
Bei der Anfahrt auf Nassau beschleicht uns dann doch ein erhebendes Gefühl, waren wir doch vor fast 20 Jahren schon einmal für 10 Tage als Urlauber im Club Med auf Paradies Island. Wenn uns damals jemand gesagt hätte, dass wir noch einmal mit eigenem Segelboot wiederkommen würden, hätten wir uns köstlich amüsiert über diese ausgefallene Idee. Das ist einer der Momente, wo uns besonders bewusst wird, was wir eigentlich in den letzten Jahren vollbracht haben.
Leider hat sich das damals noch beschauliche Städtchen mit dem ganz besonderen Flair aus einer Mischung von Historie, Alltag und Besuchermagnet in ein eher seelenloses  riesiges Shopping-Center verwandelt, wo die haushohen Kreuzfahrtschiffe täglich Tausende zahlungskräftige Touris ausschütten. Hochkarätige Juwelen, Schweizer Uhren und anderen Kram brauchen wir nicht, aber den zollfreien Rum aus Kuba und Jamaica nehmen wir gerne mit (31,- Dollar für 2 Liter) und ein Gang durch den Strohmarkt ist ein Muss.

Sehenswert ist die Public Library (öffentliche Bibliothek), ein achteckiges Gebäude, das 1797 als Gefängnis errichtet wurde. Knapp 100 Jahre später hat man die Gefangenen durch Bücher ausgetauscht, die heute neben alten Karten, Drucken und Portraits  noch zu bestaunen sind, schöne Atmosphäre mit Gruseleffekt ... So einen alten Druck hätten wir uns als Andenken gerne mitgenommen.
In einem Lädchen auf der Bay Street fragen wir danach; erst geht gar nichts,  aber dann kramen sie in den hintersten Ecken und finden tatsächlich  einen "Cottontree" (Baumwollbaum) von Irving, genau der hatte uns im Museum schon gefallen. Wir sind begeistert und kriegen ihn für 30,- Dollar, weil wir so ein "nice couple" sind.
Die Harbour Club Marina ist zu empfehlen: gleich gegenüber sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, Internet bei Starbucks, Bus für 1,25 $/Person nach Down Town (Stadtrundfahrt inbegriffen). Loundry, Duschen ...

Exumas wir kommen !

Nach einem Zwischenstopp vor Rose Island werfen wir am 31.1.2011 den Anker vor dem Sandstrand von Allens Kay. "Belena" ist schon da, Benno bringt uns Aluminium-Lötstäbe und die Garantieanmeldung für die Ankerwinsch rüber, die uns bisher noch nicht viel Freude gemacht hat, da bei Anker ab fast immer die Sicherung rausfliegt. Also lassen wir den Anker per Hand mit Kurbel runter.
Am Strand sehen wir schon die Iguanas herumlaufen, diese urtümlich aussehenden Echsen sind bis zu 1 m lang, sehr zutraulich und neugierig. Unter Wasser finden wir beim Schnorcheln einen kleinen Korallengarten mit bunten Fischen ...
Die Inselkette der Exumas - es sollen 365 Inseln sein - wird von Wasser umspült, das besonders bei Sonnenschein in allen Grün- und Blauschattierungen leuchtet, man kann sich nicht satt sehen!

Weiter geht es mit Zwischenstopps auf einsamen Inseln, wo wir bei ausgedehnten Wanderungen das Inselinnere erkunden. Kleine Steinpyramiden zeigen den Weg durch das trockengefallene Hinterland. Man sollte also noch bei Ebbe zurück sein. Wir klettern auf den höchsten Punkt (16 m) der Insel, damit wir die ganze Pracht von oben sehen können.

Die nächste "Station" ist Sampson Kay (5.2.)
Wir ankern vor der Marina und fahren abends zum Anleger rüber, wo es in einer Bar kühles Bier und was zu knabbern gibt. Gestaunt haben wir über eine Meute großer Ammenhaie, die dort im flachen Wasser herumschwimmen. Also bei der Rückfahrt nicht ins Wasser fallen!

Ein paar Meilen weiter liegt Staniel Kay mit der Thunderball-Grotte - bekannt dadurch, dass hier Teile des gleichnamigen James-Bond-Films mit Sean Connery gedreht wurden. Daran erinnern noch Fotos in der Strandbar. Damals bei unserem Bahama-Urlaub waren wir mit einem Kleinflugzeug hierher geflogen. Der Flug über die Inseln war ein Erlebnis, aber schnorcheln in der Grotte konnten wir nicht wegen zu viel Wind und Wellen ... Das holen wir jetzt nach, bei Ebbe wird der Eingang frei und wir können die herrlichen Korallen und Fische sowie das Gewölbe der Höhle bewundern.
Die Hauptattraktion sind dann allerdings die schwimmenden Schweine in der Nachbarbucht. Marlene und Benno holen uns ab zu einem Ausflug mit Fütterung und Fototermin. Es hat schon was Witziges ...

Big Farmers Kay erreichen wir am 8. Febr. 2011. 
Kaum sind wir da, flattert schon eine Einladung zum Sundowner vom Nachbarboot herüber. Am Nachmittag unternehmen wir eine Schnorchel-Safari und finden uns dann 17.00 Uhr auf dem Katamaran "Simplicity" ein, wo auch noch 2 Leute von einem anderen Boot ankommen. Gemeinsam verbringen wir einen netten Abend, ein sogenanntes Get Togeteher - unter den amerikanischen Besatzungen so üblich. Das funktioniert so: einer lädt ein, aber alle bringen Essen und sogar Getränke mit. Jeder hat so seine Spezialität für diese Gelegenheit, heute sind es u.a. kleine Pizza-Röllchen. Eigentlich eine gute Sache: so nach etwa 2 Stunden sind die Teller leer und die Party ist zu Ende (wüste Gelage haben wir in unserer gesamten USA-Zeit nicht erlebt). Überrascht waren wir nur am Anfang, als die von uns zum Kaffee eingeladenen Leute ihre gefüllten Trinkbecher und eine Platte Käsehäppchen hervorzauberten ...

Am nächsten Tag haben wir 20 Meilen bis Rat Kay vor uns, schauen aber mit gemischten Gefühlen auf das tosende Meer; der Wind hat zugelegt. Aber wir müssen heute weiter, sonst hängen wir vielleicht tagelang hier fest. Also begeben wir uns auf eine holprige = schaukelige Tour und sind froh, nach etwa 5 Stunden wieder in ruhigere Gewässer zu kommen. Baden, Brote backen und essen ... wenn man weiß, dass ein geschützter Ankerplatz in Aussicht steht, kann man schon mal was aushalten.

Morgen läuft unser Visum für die Bahamas ab - 30 Tage sind rum - mit dem Boot schaffen wir es nicht bis Georgetown, also beschließen wir, nach Barraterre rüberzufahren und über Land in die Stadt zu kommen. Gesagt - getan, dazu müssen wir aber über sehr flaches Wasser (lt. Karte teilweise nur 1,20 m !) fahren. So eine "Shallow Route" ist immer aufregend, denn angegebene Sandbänke verlagern sich gerne mal ... wir sind gut durchgeschlittert, müssen dann im Ort aber feststellen, dass wir nur mit Taxi (eine Fahrt 60$) oder per Anhalter von hier wegkommen. Die Entscheidung ist einfach, und das Sprichwort "Wer wagt, gewinnt" trifft zu.
Gleich am Ortsausgang nimmt uns ein junger Mann mit, der uns auch gleich auf "seine" Marina aufmerksam macht, die auf halber Strecke nach Georgetown liegt und von ihm in den höchsten Tönen gepriesen wird. Zwei weitere freundliche Leute bringen uns in Windeseile ans Ziel- immerhin sind es 38 km. Dagegen dauert der Akt der Visa-Verlängerung eine Ewigkeit ... aber dafür kriegen wir diesmal 60 Tage Zeit, das dürfte reichen.
Georgetown ist ein quirliger Ort, liegen doch gegenüber an der vorgelagerten Insel Stocking Islandso um die 300 Schiffe aller Arten!
Auf dem Rückweg zum Boot haben wir wieder Glück: noch im Ort gabelt uns eine "Rallyfahrerin" auf, die ihre Kinder aus der Schule abholen will; zweimal umsteigen - der dritte Fahrer bringt uns direkt bis zum Anleger. Preis für die flotte Beförderung war, 6 mal die Geschichte unseres Seglerlebens zu erzählen ...

Marina "Emerald at Bay" (11.2. -16.2.)
Aus praktischen Gründen entschließen wir uns, in die empfohlene Marina zu fahren, denn es kündigt sich schon mal wieder Starkwind an. Per Funk checken wir die Bedingungen ab, und es stimmt wirklich alles:
- Liegeplatz pro Tag 40,-$ ist nicht zu viel für ringsum Nobel-Ambiente:
- gediegen eingerichtete gemütliche Aufenthaltsräume mit gratis Internet, Kaffee frisch gebrüht
- Waschmaschine und Trockner ohne Gebühr (entsprechend groß ist der Ansturm)
- komplettes "Badezimmer" mit Duschgel, Shampoo, Lotion und Sonnencreme
- Fahrt zum Supermarkt und Abholung mit Golfcart auf Bestellung inclusive
- abends sitzen wir auf richtigen Sesseln oder spielen Billard

Kaum zu glauben, und wir genießen es gründlich - das alles ist wesentlich einfacher als vor Georgetown vom Ankerplatz aus. Deshalb sind wir auch nicht so traurig, dass wir aus dieser Mausefalle nicht so schnell wieder raus kommen. Wind so um die 25 kn und Welle liegen auf der schmalen durch den Fels geschnittenen Einfahrt. Nach getaner Arbeit (z.B. Klopumpe wechseln, Wasser tanken, Diesel besorgen, Waschen, Einkaufen usw.) unternehmen wir lange Strandspaziergänge und schauen auf das schäumende Meer. Eine weitere Fahrt nach Georgetown klappt wieder gut per Anhalter. Unser Computer wird für 3 Stunden zur Reparatur abgegeben, inzwischen fahren wir mit dem Wasser-Taxi rüber zur Insel, vor der wir dann morgen ankern wollen.

Stocking Island (16. - 22. 2.)
Heute fahren wir raus aus der Marina, komme was da wolle! Nach 3 Stunden Rumpelfahrt fällt der Anker im blauen Wasser vor der Insel gegenüber Georgetown - auch mal wieder schön. Auch hier müssen wir länger bleiben als geplant. Jeden Tag fahren wir rüber zum Strand, wandern auf Dschungelpfaden zur Seeseite, wo es einsame Buchten und immer neue Ausblicke zu bewundern gibt. Zwischendurch sind so lästige Reparaturen wie die undichte Pumpe vom Petroleumtank oder der abgerissene Tankverschluss vom Außenborder zu erledigen ... irgendwas ist immer!
Per Äther finden wir "Barbara", Barbara und Ken kommen mit ihrem Power-Beiboot angerauscht und spielen gleich ihre Lieblingsrolle als helfende Engel: Heidi fährt mit zum Einkaufen, aber sonntags ist alles zu, auf dem Rückweg ziehen wir noch vier Junge Amerikaner, die bei Wind und Welle mit Paddeln unterwegs sind, zu ihrem Boot - wir waren uns seit Fort Lauderdale immer mal wieder begegnet.
Abends treffen wir sie und andere mehr oder weniger bekannte Leute an der Strandbar.
Am nächsten Tag verlegen wir uns an die Sand Dollar Beach neben "Barbara", gleich geht´s mit Speed zum Einkaufen: Obst, Gemüse, Hühnerkeulen ... Bei Karin und Dieter legen wir noch eine Tüte Bücher ab. Am Nachmittag führt uns ein ausgedehnter Spaziergang bis um das südöstliche Inselende, in der Lagune streunt ein etwa 1 m langer Hai herum, Rücken- und Schwanzflosse sind zu sehen. Bei Sonnenuntergang sind wir ziemlich sandmüde wieder zu Hause.

7.30 starten wir mit "Barbara", die auch noch zwei große Papageien an Bord haben, in Richtung

Long Island (23.-28.2.11)
Über Funk-Mail erfahren wir von der Besatzung der "Akka", die ihr Schiff in Auckland liegen haben und jetzt mit Auto im Land unterwegs sind, dass es in Neuseeland ein starkes Erdbeben gegeben hat mit Epizentrum in Littleton/Christchurch. genau da wohnen unsere Tochter Claudia und Enkeltochter Ivy!  In der Tompson Bay finden wir an Land in der Gaststätte "Long Island Brezze" im Internet eine kurze Mail von Claudia, dass niemand aus ihrem Umfeld zu Schaden gekommen ist. Uns fällt ein Stein vom Herzen!

Long Island ist eine der schönsten Inseln der Bahamas. Wir bestellen uns für übermorgen ein Mietauto, "Barbara" schließt sich uns an, und wir erkunden unter Barbaras generalstabsmäßiger Führung die interessantesten Plätze: alte Salzfelder, abgelegene mit Strandgut übersäte Buchten, Fischerdörfer mit Kirchlein... Schnorcheln im Blue Hole, das direkt am Strand liegt und 202 m tief ist.
Es ist gerade eine passende Zeit, um in Neuseeland anzurufen (18 Std. Zeitverschiebung) und dank Barbaras Handy können wir endlich mit Claudia sprechen und Einzelheiten erfahren.

Am 27.2.2011 landen wir nach schöner Segeltour vor dem kleinen Örtchen Simms und fahren gleich noch am späten Nachmittag rüber zum Government Basin, einem Dingi-Anleger der besonderen Art: es ist ein hohes  gemauertes Becken, wo man sich an Stricken über abgebrochene Mauerbrocken an Land hieven kann ... 
Wir finden eine eingefallene Holzkirche, ein rosa angestrichenes Gefängnis (wo angeblich selten jemand einsitzt), freundliche Leute und ein einfachstes Gasthaus, wo uns der Wirt/Koch Riesenportionen Fisch und Hühnchen frisch zubereitet in einer offenen Küche. Wir müssen das Essen leider einpacken lassen, denn inzwischen geht gerade die Sonne unter und die Klettertour zum Schlauchboot sowie die Fahrt zur "Soleil" können wir nicht im Dunkeln antreten. Das Essen schmeckt auch an Bord bei Petroleumlampe und reicht sogar noch für morgen.
Am folgenden Tag geht es weiter Richtung Norden zur Calabash Bay; seit einiger Zeit sind alle Ankerplätze sehr offen zum Meer und somit recht schaukelig, so auch der nächste vor

Rum Kay (1.3.11)
Man dümpelt im Schwell zwischen Ufer und vorgelagerten weitläufigen Riffen, die bei Ebbe schäumend überspült werden, das nennt sich dann laut Karte Surge und kann auf die Dauer recht ungemütlich sein! 
Heute gibt es zum Abendessen reichlich Fisch, denn unterwegs gingen uns im Minutentakt zwei nicht zu große Tuna´s an die Angel.
Plan für morgen und die kommende Nacht: 130 Seemeilen nach

Mayaguana (2.3. - 7.3.11)
5.00 Wecken und Frühstück, 6.00 bei Sonnenaufgang Start.
Ja ja, die Wetterberichte ... die Meteorolügen haben mal wieder ihren Ruf verteidigt!  Eigentlich sollte wenig Wind sein, aber gegen Abend und vor allem in der Nacht jagen wir mit 2mal gerefftem Großsegel und fast eingerollter Fock streckenweise mit über 7 kn dahin, normalerweise sind so 5 kn eine gute Reisegeschwindigkeit für uns. So kommen wir am nächsten Morgen nach etwas über 24 Stunden am Ankerplatz an, wo wir völlig ungeschützt in den nächsten Tagen wahre Schaukelorgien über uns ergehen lassen müssen ...Eigentlich wollten wir die übriggebliebene Flasche Sekt von Silvester endlich mal trinken, bevor sie in der Bodenluke explodiert; im Kühlschrank liegt sie schon, aber wir trauen uns nicht sie zu öffnen, da sie ständig geschüttelt wird. Wenn dann der Sekt in einer Fontäne rausschießt, statt unsere Kehlen zu erfrischen, wäre das ja echt Alkoholmissbrauch.
Nach 4 Tagen auf der Buckelpiste lässt der Wind endlich nach, allerdings ist auch das starke Seil der Ankerkralle durchgescheuert vom ständigen Eintauchen in die Wellen. Aber unser Anker hat mal wieder gut gehalten. Klaus wechselt noch den Regler der Lichtmaschine und verkabelt alles neu. 
Über Funk-Mail erfahren wir. dass wir im Abstand von etwa 100 sm an Gundula und Thoralf Redlich (Segler aus Jena/Tautenburg), die mit ihrer "Wigwam" auf Gegenkurs in die USA unterwegs sind, vorbeischrammen - schade, eigentlich wollten wir uns hier irgendwo treffen, aber die Winde spielen nicht mit.
Mit Spannung studieren wir die verschiedenen Wetterinformationen; am verlässlichsten ist derWetter-Guru Chris Parker, der jeden Morgen 6.30 Uhr über Funk das Wetter zu ausgesuchten Gebieten im Großraum Florida-Bahamas-Dominikanische Republik durchgibt. Wenn der allgemeine Teil vorbei ist, kann man Fragen zu speziellen Vorhaben stellen und bekommt auch Prognosen für die folgenden Tage über Wind, Welle, Schwell, Regen/Gewitter und auch Empfehlungen.
Nachdem wir am Southeast-Point von Mayaguana unseren Startplatz eingenommen haben, verlassen wir die Bahamas und nehmen 23.00 Uhr Kurs zum nächsten Inselstaat, den Turks & Caicos.

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© Klaus Lange