auf den Kapverden vom 25.12.08 - 07.01.09

 

 

Die Kapverden gehören zu Westafrika. Die Bevölkerung ist dunkelhäutig aber nicht ausgesprochen afrikanisch. Der Jahrhunderte währende europäische Einfluss hat auch in der Vermischung der Rassen seine Spuren hinterlassen. Bevor die Kapverden 1975 selbständig wurden, gehörten sie lange Zeit zu Portugal. Entsprechend ist die Hauptsprache auch noch immer Portugiesisch.

Porto de Palmeira ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte für Segler auf dem Weg nach Südafrika, Südamerika und die Karibik. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass mit uns noch ca. 35 weitere Yachten aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern in der Bucht vor Anker lagen. Es waren aber auch einige dabei, die wieder zurück nach Europa wollten.

Das Einklarieren verlief problemlos. Landeswährung kann man entweder aus einem Automaten ziehen oder besser an der Kasse des Supermarktes (!) eintauschen.
Das wirkliche Leben des Dorfes spielt sich an der kleinen Hafenmole ab, wo der Fang der Fischer anlandet und zum Verkauf ausgebreitet wird.
Die große Bucht von Porto de Palmeira bietet zwar unter den vorherrschenden Windbedingungen recht guten Schutz, bei starkem Schwell aus westlichen Richtungen kann es allerdings recht ungemütlich werden, besonders für die Yachten, die dicht vor dem Strand ankern. Wenn dann die langen Wellen von bis zu 2m Höhe in die Bucht laufen, zieht sich das Wasser am Strand wie bei einem Tsunami weit zurück. Das war auch der Grund, dass wir bereits am 27.12. Sal verlassen haben, um nach Sao Nicolau weiter zu segeln.


Vor uns lagen 90 Meilen. Nachdem Heidi noch das Abendessen vorbereitet hatte, gingen wir um 18.00 Uhr Anker auf.
Der Wind stand günstig und wir machten unter Fock und Großsegel gute Fahrt. Plötzlich „Fisch-Alarm“!! An unserer Angel hing ein stattlicher Tunfisch, ein ca. 3 kg schwerer Bonito – „Zusatzverpflegung“ für die nächsten 3 Tage - in unterschiedlichsten Zubereitungsarten.

Am nächsten Tag gegen 15.00 Uhr erreichten wir unseren Ankerplatz vor dem Ort Tarrafal. Wir fanden dort ruhiges Wasser vor einer felsigen Küste und einem dahinter liegenden Bergmassiv, das bis auf 1300m ansteigt. Der Ankerplatz ist ernorm Fallwind-gefährdet, aber wir blieben zum Glück davon verschont.
Unser erster Ausflug an Land war gleich ein Erlebnis. Als wir das Beiboot am Hafenkai festmachten, stürmten ein paar Kinder auf uns zu, die auf unser Schlauchboot aufpassen und uns herumführen wollten. Nachdem wir die „Aufgaben“ verteilt und die Bezahlung geklärt hatten, machten wir unsere Besorgungen. Außerdem wollten wir mit dem Trans-Ocean-Stützpunktleiter „Henny“ Kontakt aufnehmen. Da es mit dem Telefon nicht klappte und wir auch keine Adresse hatten, fragten wir und durch und waren ganz erstaunt, dass fast jeder in Tarrafal „Henny“ kannte. Man führte uns bis zu einem Haus über der Küste, und da trafen wir Henny, einen Holländer Schweizer Herkunft, in seinem früheren Leben Koch, der seit Urzeiten auf Sao Nicolau zu leben scheint. Er kennt jeden und alles, kümmert sich um alles und ist enorm hilfsbereit. Bei Kaffe und einem Glas Wein wurde das nächste Programm besprochen und nebenbei unsere Wäsche gewaschen.
Als wir zu unserem Beiboot zurück kamen, hatte sich die ruhige Hafenmole in einen geschäftigen Fischmarkt verwandelt. Sardinen, Makrelen und andere kleinere Fische gingen stückweise oder als Pakete an den Käufer, große Brocken wie Tunfische, Barrakudas und ähnliche wurden gleich an Ort zerlegt und die Abfälle ins Wasser geworfen. In dieser Brühe schwamm übersät von Fischresten unser Schlauchboot! Igitt!! Nachdem wir ein paar Fotos geschossen hatten,  machten wir uns schnell aus dem Staub.

 

 

   

Sao Nicolau ist eine sehr interessante und landschaftlich abwechslungsreiche Insel. Davon konnten wir uns bei einer Fahrt zur Hauptstadt im Hochland mit dem Linienbus und bei einem Ausflug zur nördlichen Steilküste überzeugen.

Inzwischen neigte sich das Jahr dem Ende entgegen und Silvester wollten wir eigentlich nicht allein verbringen. Wir wussten, dass mehrere  unserer Bekannten bereits in Mindelo auf der Insel Sao Vicente lagen und hofften, einige davon in der Marina anzutreffen.

Als wir uns am 31.12. früh um 04.00 Uhr aus der Koje quälten, war es bewölkt und recht windig. Wir ahnten, dass es recht ruppig werden kann, wenn wir den Schutz der Insel verlassen und so war es dann auch. Heftige Wellen warfen uns hin und her, dazu kam eine gewaltige Strömung zwischen den Inseln. Die 48 Meilen bis Mindelo wurden eine echte Herausforderung. Als wir die „rettende“ Bucht schon dicht vor uns hatten, legte uns eine Sturmbö flach und Heidis neu erstandenes Handtuch ging über Bord.
In der Marina fanden wir einige bekannte Segelyachten, viele waren zwischenzeitlich verlassen. Die Crews waren entweder auf den Inseln unterwegs oder zu Besuch in der Heimat. Aber am Nachbarsteg lag die "LIV" mit Christel und Wolfgang und gemeinsam verbrachten wir den Jahreswechsel, der um 0.00 Uhr mit einem gigantischen Feuerwerk (das uns bei der offensichtlichen Armut des Landes zu denken gab) eingeleitet wurde.

Zu einem Höhepunkt unseres Kapverden-Aufenthalts wurde eine 2-tägige Wandertour auf der Insel Sao Antao. Wir hatten das Programm telefonisch bei André (einem auf Sao Antao lebenden Franzosen) vorgebucht. Die von ihm geführten Trackingtouren durch enge Schluchten, vorbei an klaren Wasserfällen, durch Zuckerrohrplantagen und abgelegene Ortschaften, über Bergrücken mit blühenden Wiesen und märchenhaften Ausblicken waren ein echtes Erlebnis.



Zurück in Mindelo ging es nun an die letzten Vorbereitungen für die Atlantik-Passage. Inzwischen waren auch die Besatzungen der „Vanille“ und „Ziganka“ eingetroffen.

Leider spielte das Wetter nicht mit, dauernde Sturmböen drückten mächtig auf die Stimmung aller Segler. So blieb aber auch noch genügend Zeit, um uns mit unseren Freunden zu treffen und die verschiedenen Routen in die Karibik zu erörtern.

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© Klaus Lange