von Gibraltar nach Madeira ( 931 sm)

 

 

21.08.08

Die Überfahrt nach Ceuta verlief ohne Probleme. Wegen der starken Strömung mussten wir allerdings bis zu 30° vorhalten. Auf dieser Passage  wurden wir von vielen Delfinen begleitet. In der Marina von Ceuta haben wir einen guten Liegeplatz bekommen (15,60 €). 
Neben uns lag Herbert Stuemer mit seiner "Northern Magic". Der Kanadier Herbert  (geboren in Berlin) hatte in den  90ger Jahren mit Frau und 3 Kindern eine abenteuerliche Weltumsegelung geschafft. Das darüber entstandene Buch  ist in Deutschland bei Delius Klasing  unter dem Titel "Das Glück war jeden Tag an Bord" erschienen. Wir verbrachten 2 nette Abende mit  Herbert und konnten dabei so manchen guten Tipp mitnehmen.

Von Ceuta aus wollten wir dann durch die Strasse von Gibraltar westwärts, aber Wind und Strömung machten uns einen Strich durch die Rechnung. Nach 3 Stunden Kampf ohne echten "Raumgewinn" mussten wir unser Vorhaben für diesen Tag aufgeben und drehten wieder nach Gibraltar ab. Den Ankerplatz kannten wir ja nun schon und am Nachmittag hingen wir am Haken.
2 weitere Tage mussten wir noch warten, ehe uns der einsetzende Ostwind endlich die Passage ermöglichte. Allerdings wurde es dann noch ziemlich heftig. Hatten wir anfangs noch schönen achterlichen Wind mit 4-5 bft., nahm er kontinuierlich zu, je näher wir dem westlichen Ausgang kamen. Vor Tarifa pfiffen uns schon 8 Windstärken um die Ohren, und eine chaotische Welle warf uns hin und her. Aber kaum hatten wir die Meerenge nach Norden verlassen, beruhigte sich wenigstens die See und bei 5-6 Windstärken jagten wir die letzten 15 Meilen nach Barbate.

   

07.09.08

In Barbate haben wir sicher gelegen, aber der Ort lud nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Er machte einen recht heruntergekommenen  und schmutzigen Eindruck. Wesentlich besser gefiel uns unser nächster Anlaufpunkt Cadiz. Diese Stadt ist voller Leben und wir fanden es herrlich, uns in das Gewimmel zu stürzen oder abends in rappelvollen Bodegas den Wein zu genießen.
Der Abschied von Cadiz ist uns schon etwas schwer gefallen, aber wir wollten natürlich weiter.

Ein interessantes Hobby wurde das Erkunden von Flussmündungen zwischenAyamonte und Faro (Algarve). Dazu bedarf es umfangreicher Studien der Gezeitentabellen (ca. 3m Unterschied des Wasserstandes bei Ebbe und Flut), der Strömungsverhältnisse und der Seekarten, damit wir über die Flachstellen und Sandbänke kommen. Große Gebiete der sehr flach auslaufenden Atlantikküste fallen bei Ebbe trocken, man muss die teilweise betonnten Fahrrinnen finden ... interessant und manchnal auch aufregend. Die Einfahrt in den Nationalpark Ria Formosa (bei Faro) gestaltete sich so: Als wir ankommen, treffen die langgezogenen Wellen des Atlantik genau in der Durchfahrt (ca 80 m breit, zu beiden Seiten Felsen) auf das ablaufende Wasser, was eine tosende Brandung mit steilen schäumenden Wellen und Strudeln erzeugt. Klaus steuert beherzt darauf zu, klemmt sich ans Ruder und hofft, dass unser Motor gegen die Wasserwüste ankommt. Ich schaue mit Entsetzen auf diesen Hexenkessel... An Zuschauern mangelt es uns nicht, Angler und Spaziergänger beobachten von der Mole, wie sich das auf den Wellen tanzende Schiff durchkämpft. Wir scheinen auf der Stelle zu stehen, haben bestimmt 4 Knoten Gegenströmung. Dann sind wir endlich durch, das Getöse liegt hinter uns, ruhiges Wasser und Sandbänke, die mit fortschreitender Ebbe zu Inseln werden, vor uns. Wir finden einen schönen Ankerplatz und freuen uns, dass wir um eine Erfahrung reicher sind. Gefährlich wäre es nicht geworden, aber peinlich, wenn wir hätten umkehren müssen ...
Abends gabs frisches Brot aus dem Backofen ...

Als letzten Hafen auf dem europ. Festland hatten wir uns Lagos ausgesucht. Hier wollten wir uns noch einmal mit dem Nötigsten  versorgen und dann nach Madeira starten. Heute ist der 06.09. und wir liegen seit 4 Tagen in dieser Supermarina (Swimmingpool, Miele-Waschmaschinen, toller Supermarkt, hotspot für WLAN....) und machen schon lange Gesichter. Das Wetter macht uns gegenwärtig einen Strich durch unsere Rechnung. Statt des erwarteten Nordwindes bläst es seit 4 Tagen konstant aus Südwest, also genau aus unserer Fahrtrichtung. 

Letzte Nacht hat es dazu noch geregnet. Vielleicht wagen wir uns morgen raus – aber eine konstante Wetterlage haben wir dann noch immer nicht.

 

 

 

19.09.08

Bevor wir endlich Richtung Madeira starten konnten, mussten wir noch eine Schlechtwetterfront in Porto Baleeira (bei Sagras) vor Anker abwettern. Dann gab es aber kein Halten mehr.

Am 17.09. gegen Mitternacht haben wir die Insel Porto Santo erreicht. Die 440 sm Überfahrt von Portugal hatten es aber in sich! Alles, was man sich für eine mehrtägige Segeltour nicht wünscht, ist nacheinander eingetreten. 
Als wir am Sonntag früh gestartet sind, stand noch eine 3-4m Dünung von den Stürmen der Vortage und 25 kn Wind aus NW waren auch nicht ganz ohne. Bei diesem Geschaukel hielt sich der Appetit (gelinde gesagt) in Grenzen. Dafür rauschten wir mit 6-7 kn über das Meer. In der 2. Nacht sind wir dann in eine Kaltfront geraten, mit heftigen Böen und Gewitter. Später kam Flaute und der Motor mußte ran. 4 sm vor dem Hafen von Porto Santo (kurz nach Sonnenuntergang und dicht vor der felsigen Küste) fiel plötzlich die Maschine aus!!! Wind zum Segeln hatten wir nicht. 
Als es uns nicht gelungen war, die Maschine wieder zu beleben, blieb nur ein Ruf über Funk. Der wurde zum Glück von einem anderen Segler im Hafen gehört und der hat dann organisiert, dass wir abgeschleppt werden konnten. Nach 2 Stunden Rumdümpeln kam erst ein Schlauchboot der Marina und später ein kräftigeres privates Boot von Hochseeanglern, und gegen Mitternacht lagen wir endlich am Steg.

Gestern habe ich mir die Maschine vorgenommen und wieder in Gang gesetzt. Kleine Ursache (Luft im System), große Wirkung! Wenn wir mehr Zeit und  größere Entfernung von der Küste gehabt hätten, wäre die ganze "Bergungsaktion" nicht nötig gewesen. Dafür ist unser Bekanntheitsgrad rapide angestiegen. Sogar ein Reporter der lokalen Presse war da.

Inzwischen geht es uns wieder sehr gut, Stimmung ist bestens! Wir haben hier schon viele Segler verschiedenster Nationen mit gleichem Reiseziel getroffen. Eine 5-stündige Wanderung zum Gipfel der Insel hat unsere unteren Extremitäten heute wieder in Wallung gebracht. Die nächsten Tage werden wir hier auf Porto Santo noch verweilen müssen, da das Wetter - wie es sich auf unserer Tour gehört - ungewöhnlich stürmisch aus der falschen Richtung (Südwest) ist. Bei nächster Gelegenheit dampfen wir und mindestens noch 15 weitere Boote gen Madeira ab.
Vorher werden wir uns aber noch  (der Tradition gehorchend) 
mit einem "Kunstwerk" an der Mole der Marina verewigen.

 

30.09.08

Seit dem 23.09. sind wir auf Madeira und haben unser Boot in der Marina Quinta do Lorde auf der Halbinsel Sao Lorenco festgemacht. Die französische SY "Vanille" mit Nadine und Tom, die wir schon in Porto Baleeira in Portugal kennen gelernt hatten, war kurz vor uns eingelaufen. 
Die Marina ist sehr gut ausgestattet. Die Sanitäranlagen sind Topp. Etwas nachteilig ist der weite Weg bis zum nächsten Ort, aber die meisten Segler nehmen sich sowieso für einige Tage einen Mietwagen, der mit 23,-...30,- € pro Tag auch bezahlbar ist.

Madeira ist eine herrliche Insel und lädt geradewegs zum Erkunden und Wandern ein, auch wenn das Wetter zur Zeit recht unbeständig und regnerisch ist. Aber das kann uns die Laune nicht verderben!
So wie wir haben die meisten einen etwas längeren Aufenthalt auf Madeira eingeplant. Uns trieb es natürlich in die Natur und bei ausgedehnten Wanderungen wurde endlich auch mal wieder der Kreislauf in Schwung gebracht. Eine sehr schöne Levada-Wanderung machten wir zusammen mit Nadine und Tom und anschließend ließen wir uns leckere "Espetadas" (traditionelle einheimische Fleischspieße) und ein Glas "Puncha" munden.

Der Wetterbericht sagt für die nächsten 5 Tage nördliche Winde Stärke 3-4 voraus. Das wäre für unser nächstes Ziel Kanarische Inseln gerade ideal und wir bereiten deshalb unsere Abreise für übermorgen vor. Die hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten kommen uns dafür sehr entgegen. Dann muss noch Diesel und Wasser gebunkert werden und auch große Wäsche ist mal wieder fällig.

 

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© Klaus Lange