Inseln der Kleinen Antillen
Inseln der Kleinen Antillen

 

 

 

Dominica  

 

Dominica gehört wie auch St Lucia, St. Vincent und Grenada zu den „Inseln über dem Wind“. Die so bezeichneten Inseln bewirken durch ihre Größe und die Höhe der Berge, dass  über ihnen die Atlantikwinde  Regenwolken zusammenballen, die für üppige Fruchtbarkeit und dampfenden Regenwald sorgen. Exotische Früchte, Gemüse und Gewürze gedeihen im Überfluss und sind geschmacklich unübertroffen .

Die grüne Insel hat eine Ausdehnung von 47 x 26 km; eine Bergkette zieht sich von Süden nach Norden, wo  die höchste Erhebung mit  1447 m, der Morne Diablotin alles überragt. Die ganze Insel ist ein Naturparadies: in unberührten Regenwäldern aber auch am Straßenrand gedeihen farbenprächtige Gewächse aller Art, mehr als 300 Flüsse und ebenso viele Wasserfälle stürzen von den steilen Berghängen herab, Kraterlandschaften mit zischenden und brodelnden heißen Quellen versprühen ihr eigenes Flair. Und dann die phantastische Unterwasserwelt  …
Wir haben freundliche und sympathische Menschen kennen gelernt, die dem Besucher stolz ihr umfangreiches Wissen über ihre schöne Insel, deren Pflanzenwelt und Naturschönheiten näher bringen wollen – nicht ohne am Wegesrand gepflückte Pampelmusen, Zitronen, Bananen und Gewürze zum Kosten anzubieten.

Dominica ist eine der schönsten aber leider auch eine der ärmsten Inseln in der Karibik. Das Land mit den ca. 75000 Bewohnern hat sich 1978 für die Unabhängigkeit entschieden und muss nun ohne europäische Unterstützung aber auch ohne ausländische Einflussnahme seine Geschicke meistern. Einfache Verhältnisse und sanfter Tourismus ohne Riesenhotels oder andere die Natur zerstörende Anlagen sind vorherrschend. Nur wenn die Kreuzfahrt-Schiffe Tausende Leute auskippen, geht ein irres Gewusel los, aber die bringen eben das dringend benötigte Geld.

Einer unserer ersten Ausflüge auf der Insel war eine geführte Wanderung neben oder besser in einem Flussbett zu einem versteckten  Wasserfall, wobei wir es sehr geschätzt haben, dass wir mit einem kundigen einheimischen Führer unterwegs waren, denn wir hätten alleine weder den Weg gefunden noch die Zimt- , Kakao- und Mandelbäume, Passionsfrüchte, Zitronengras, Heilkräuter …  Zur Erfrischung gab es unterwegs  mit der Machete  aufgeschlagene Kokosnüsse und ein kühles Bad unterm Wasserfall.

 

Hauptstadt Roseau

Bei einem Bummel durch die quirlige Stadt sollte man neben den Auslagen der Händler auch einen Blick auf die bunten, teilweise windschiefen  mehr oder weniger frisch gestrichenen Häuser und das ausgelassene Treiben der fast ausschließlich schwarzen Bewohner werfen; etwas abseits in der zweiten Reihe findet sich eher das wirkliche Leben in Klang und Farbe. 
Aus dünnen Binsen geflochtene Korbwaren sind inseltypisch und ein hübsches Andenken.
Der sehr schön angelegte Botanische Garten ist zu Fuß zu erreichen.
Wenn der kleine Hunger kommt, können wir generell empfehlen, dorthin zu gehen, wo die einfachen Leute essen, da ist es gut preiswert und reichlich.
Von Roseau aus fahren überall hin Linienbusse, mit denen man beinahe jeden Ort der Insel erreichen kann (täglich außer sonntags). Eine Busfahrt ist für wenig Geld immer ein Erlebnis.
Auf der Küstenstraße Richtung Süden gelangt man nach wenigen Kilometern zur


Champagne Beach

Holzstege führen am Strand entlang; auf dem Hang linkerseits tummeln sich  erdbraune und giftgrüne Leguane von klitzeklein bis so 50 cm Größe. Die Hauptattraktion wartet aber unter Wasser! Mit Taucherbrille, Schnorchel und Kamera ausgerüstet geht es für längere Zeit ins Wasser, denn wir können  uns einfach nicht losreißen von dem Schauspiel: es sprudelt und perlt aus Ritzen des Meeresbodens tatsächlich wie in einem Champagnerglas … dazwischen die bunten Fische, Felsbrocken und Grasteppiche – es ist zu schön, sowas haben wir noch nicht gesehen.
Weiter geht es mit dem Bus bis

 

Scotts Head Village

einem ganz urigen Fischerdorf.  Von da aus führt ein Weg zum Aussichtspunkt auf der Halbinsel. Nach einem Bilderbuch-Rundblick von oben auf die Korallen im Wasser, die geschwungene Bucht mit gebirgigem Hinterland und die Weiten des Atlantiks geht es an den Strand zum Schnorchelausflug  –  übers  Flachwasser mit schönen Korallenstöcken kommt man bis an einen Abhang, wo man 10-15 m in die Tiefe sehen kann.
Langsam hungrig holen wir uns danach im Dorf das typische karibische Essen – Reis mit braunen Bohnen, gebratene Hühnerteile und Gemüse – aus der Küche, wo für alle Dorfleute gekocht wird, suchen uns am Strand zwischen malerischen Fischerbooten ein Plätzchen und genießen das einfache aber leckere Mahl, dazu natürlich ein kühles Kubulai-Bier aus der Flasche (leider nur 0,275 l und teuer, aber eine einheimische Marke).
 

Soufriere

Bei einem früheren Aufenthalt haben wir von hier aus  eine Wanderung zu  den Sulfur Springs gemacht, allerdings muss man vorher ein Ticket kaufen, das zum Betreten der Nationalparks berechtigt (kostet 12 ,- US-Dollar/p.P. für 2 Wochen, sollte man gleich am Anfang besorgen, wenn man vorhat, die Insel zu erkunden). Man kann herumwandern, zu den Schwefelquellen gehen und auch in verschiedenen Becken baden. Auf dem Rückweg haben wir inmitten eines schön angelegten Gartens ein Restaurant gefunden, wo wir uns in sehr gediegener Atmosphäre verwöhnen lassen haben – ist auch mal nötig.

 

Inselrundfahrt

Von Roseau aus haben wir mit Sylvia und Thomas von der „Thosyma“ im Januar 2012 eine Inseltour mit dem Taxi gemacht (150 US-Dollar, bei 6-8 Leuten wird es natürlich günstiger). Wir sind durch Regenwälder quer über die Insel zur anderen Seite bis zum Carib Territory gefahren, bei  vielen Stopps hat uns Heyden, unser pfiffiger Fahrer,  auf unterhaltsame Art  jede Menge Wissenswertes und Interessantes erzählt und gezeigt, natürlich auch solche Highlights wie die Trafalgar Falls (einer heiß, einer kalt) und Emerald Pool (einschließlich Bad unterm Wasserfall – wir 4 ganz allein!). Wir haben viel erfahren über das Leben auf der Insel und die vielfältigen Probleme. 

Es war ein wunderschöner Tag; Sylvia und Thomas haben am nächsten Tag noch mit Heyden die Tour zum Boiling Lake gemacht und waren ganz begeistert.

Vor Roseau gibt es wegen des steinigen und steil abfallenden Ufers keine Ankerplätze, die Segler werden von  Boots-Boys an eine Boje gelotst (kostet 10 US oder 25 EC-Dollar). Wer nach Unternehmungen an Land oder dem Ein- bzw. Ausklarieren nichts weiter vor hat, macht sich also schnell wieder davon … in Richtung Martinique oder nach Norden.
Wir schippern 20 sm nordwärts zum weitläufigen Ankerplatz vor

 

Portsmouth
Dieses Örtchen hat es uns besonders angetan. Die freundlichen Boots-Boys in ihren bunten hübsch bemalten und mit sinnigen Namen bedachten Kähnen = Wasser-Taxis  sind immer hilfsbereit und nicht aufdringlich. Jeden  Sonntagabend organisieren sie am Strand ein Barbeque, wo man sich nach reichlichem karibischen Essen und Rum-Punsch zur Disco  im Sand trifft. Es ist ein kleines gesellschaftliches Ereignis, wo sich Segler und Einheimische näher kommen und die Boots-Boys sind sehr stolz darauf, dass in „ihrer“ Bucht Ordnung herrscht, denn sie fühlen sich auch für Sicherheit verantwortlich. Dafür geben wir gerne die 50 EC p.P. aus (zumal mit den Unmengen an Essen das halbe Dorf mit versorgt wird).
Für Liebhaber der langen Nächte beginnt in „Big Papa`s Bar“ mittwochs zu später Stunde die Reggy Night – da sind solche wie wir (Hautfarbe und Alter betreffend) aber eher Zaungäste; bei durchdringender Musik, schummriger Beleuchtung, mehr oder weniger angeregt entfaltet sich karibisches Temperament …
Temperamentvoll geht es aber auch samstags auf dem Obst- und Gemüsemarkt zu: rund um den Ortskern wird auf Mauern,  Autos oder Karren,  auf Tischen und am Boden alles angeboten, was irgendwo wächst – und das ist an Vielfalt, Frische, Farben und Gerüchen nicht zu überbieten – also nicht verpassen! Die Händler machen gerne ihre Späßchen, erst feilschen sie voll Wonne, dann schenken sie dir irgendeine Wurzel, Knolle oder Frucht zum Ausprobieren.

 

Eine Fahrt auf dem

Indian River
ist nur mit dem Wasser-Taxi möglich, das dann auf dem Fluss vom Tour-Guide  gerudert wird, denn in diesem Gebiet ist absolute  Ruhe zu halten. Durch die Stille und die langsame Fortbewegung auf dem Wasser entsteht eine märchenhafte Stimmung: riesige imposante Baumwurzeln (Blutholzbäume) säumen das Ufer,  weit ausladende Palmen und andere Bäume bilden ein grünes Dach und neigen sich bis ins Wasser,  Leguane, Riesenkrabben, Reiher und andere Vögel sind zu beobachten … es ist ein Erlebnis! Mitten im Dschungel gibt es dann eine Bar, die allerdings mit „märchenhaften“  Preisen aufwartet. Von da aus kann man zu Fuß weiter flussaufwärts  auf Fotopirsch gehen.
Bis zu dieser Bar kann man auch auf einem Schleichweg zu Fuß gelangen, dann spart man die Kosten für die Bootsfahrt, verpasst aber das oben beschriebene Naturerlebnis, denn der weitere Weg ist zwar auch interessant, aber bei Weitem nicht so spektakulär wie der breitere Unterlauf des Indian River ; und der Tour-Guide zeigt einem Tiere und Pflanzen, die unser ungeübtes Auge nicht findet.
Hier die Beschreibung für alle, die wie wir als Ergänzung zur Rivertour auf Wanderschaft gehen wollen:  biege von der Hauptstraße Richtung Roseau 100m hinter der Tankstelle links ab, die nächste links abgehende Straße führt zu einem Schrottplatz, dort beginnt der romantische Waldweg an der Bar vorbei in den Dschungel, bis man auf eine kleine Fahrstraße kommt. Dort haben wir einen Farmer mit Karre und Hund getroffen, den wir  ca. 1 Meile bergauf bis zu seinen Feldern begleitet haben. Mit 18 frisch gepflückten Pampelmusen, Guaven und kühlem Quellwasser im Gepäck  ging es zurück.
In wenigen Minuten gelangt man vom Ankerplatz aus zum

 

Fort Shirley
Die alte englische Festung ist sehr gut restauriert und man hat von da oben einen herrlichen Blick über die ca. 4 km lange Prince Rupert Bay und das bergige Festland. Richtig spannend wir es aber erst, wenn man das Hinterland durchstreift, wo auf Schritt und Tritt überwucherte Zeugen aus längst vergangenen Zeiten zu entdecken sind: verwunschene Ruinen der früheren Quartiere und Lagerhäuser,  Scherben von Kochgeschirr, 200 Jahre alte äußerlich unversehrte Kanonen und sogar ein Lager von Kugeln für kleinere Schießeisen … große blaurote Lankrabben und flinke Echsen beäugen die zweibeinigen Besucher.
Zurück auf Meeresspiegelhöhe, wandern wir ein Stück auf dem Waitukubuli National Trail durch sumpfiges Gelände zur Douglas Bay, überall huschen große  weiße Krabben davon und verschwinden in Riesenlöchern. Bei einem früheren Ausflug konnten wir von einem kleinen Sandstrand aus baden und schnorcheln – ein Sturm hat wohl inzwischen das Gelände verwüstet, denn es gibt keinen Strand mehr . Das Segment 14 des Trails kann man vergessen, denn  der weitere Weg führt nur über Straßen.  Empfehlen können wir aber eine Wanderung auf dem

 

Segment 13 des Waitukubuli Natinal Trails
Mit dem Bus fahren wir von Portsmouth nach Penville (oberhalb des Ortes am Einstieg in den Trail gibt eine große Tafel  Hinweise). Zuerst geht es durch Plantagen, dann durch wechselnde Landschaften mit immer neuen Ausblicken, über Pässe und Täler, durch den Regenwald .  Wir haben uns  5 Stunden Zeit gelassen, um die vielfältige wunderschöne Natur zu genießen, einschließlich Picknick im Regen auf einem Sattel zwischen zwei Tälern.
Etwa 15.30 fährt ein Bus von Capuchin nach Portsmouth.


Red Rocks
Im Norden der Ostküste brandet der Atlantik gegen von Wind, Sonne und Salzwasser geformte rote Felsen. Dieses Naturwunder ist bei Calibishi  zu bestaunen. Das schöne Farbenspiel  zwischen schäumendem Meer, weißen Wolken am  Himmel und den vielen Rottönen des Gesteins ist eine Augenweide.

Kleine Strandlokale laden dazu ein, im Schatten bei einem kühlen Getränk die vielen Eindrücke nochmal Revue passieren zu lassen, vor dem Aufbruch zu neuen Ufern …

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© Klaus Lange