Kuba

 

 

Kuba – ein Extrakapitel in der heutigen Welt

Nachdem wir uns fast 2 Monate in kubanischen Gewässern getummelt haben, wo es höchst selten Internet-Verbindung gab, haben wir folgende Mail an unsere Familie und Freunde zu Hause geschickt:

 

Rückblick auf Kuba

Wir sind nach 54 Tagen und rund 900 Seemeilen von Santiago de Cuba aus entlang der Südküste am 11. Februar 2010 in der Marina „Hemingway" nahe Havanna angekommen. Hier ein paar der vielfältigsten Erlebnisse von unterwegs in Stichworten:

- im Inselarchipel „Gärten der Königin" haben wir wochenlang keine Menschenseele getroffen. Unser gut sortierter Proviant wurde durch selbst gefangene Fische ergänzt, frisches Obst und Gemüse waren leider bald alle, auch der Rotwein

- zwischen den Inseln und zum Erreichen geschützter Ankerplätze hatten wir oft abenteuerliche Manöver zu fahren, um uns manchmal nur mit Stöcken markierte Fahrrinnen durch Flachgebiete zu fitzen, hat aber Spaß gemacht

- leider waren die Mangroven-Inseln nur selten zu betreten, da ein Anlanden mit dem Dingi wegen hoher Brandung nicht möglich war, oder Mücken und Stechfliegen ausschwärmten

- die See war während der ganzen Tour so aufgewühlt, dass wir von der herrlich beschriebenen Unterwasserwelt leider nichts sehen konnten

- die Fischer haben uns an abgelegenen Ankerplätzen reichlich mit Lobstern versorgt im Tausch gegen Rum

- auf den Inseln Juventud und Cayo Largo, ab und zu unterwegs und natürlich in Havanna
haben wir dann auch Land und Leute kennen gelernt und einiges dazu erfahren, wie die Dinge so laufen im täglichen Leben

- auf den letzten 150 sm nach Umrunden des Cabo San Antonio entlang der Nordküste haben wir von der Insel Cayo Levisa aus mit dem Auto einen Landausflug ins Valle de Vinales unternommen: rote Erde, grün bewachsene Felsbuckel, Ochsengespanne .. eine Welt wie im Märchen, wenn da nicht der tägliche Kampf der Leute um jede Kleinigkeit wäre, der noch verschärft wird durch die Jagd nach konvertierbarer Währung (CUC), für kubanische Peso gibt es nur Grundnahrungsmittel auf Zuteilung

- unsere Mitbringsel wie Seife, Deo usw. sowie alles, was wir an Bord entbehren konnten, haben wir gern verschenkt

- Havanna ist eine sehens- und erlebenswerte Stadt mit einmaligem Flair; sowohl die restaurierten Viertel und erst recht der weit größere Teil der gnadenlos verfallenden, bis in den letzten Winkel bewohnten früheren Prunkbauten - es ist unbeschreiblich!
Überall quirliges Leben und dazwischen Oldtimer von kaum noch fahrtüchtig bis super gepflegt.

 

KUBA WAR EIN GANZ BESONDERES ERLEBNIS !!!


Nun aber der Reihe nach:

Santiago de Cuba (19.- 24.12.2009)
Von Jamaika kommend, erreichen wir nach 23 Stunden Fahrt am Vormittag des 19.12.2009 die kleine Marina in Santiago de Cuba.
Die Einklarierungsprozedur ist schon mal ein Erlebnis: 10 Beamte der unterschiedlichsten Behörden und ein Hund schnüffeln auf unserem Schiff herum! Nach dem Hafenkapitän, Zoll und Immigration kommen noch: Gesundheitsamt, Landwirtschaftsministerium, Transport, Ernährung (1 Käfer aus der Mehltüte wird mitgenommen), Rauschgift (Tabak wird aus Klaus´ Pfeife gekratzt) ... Papier ohne Ende mit x Durchschlägen wird ausgefüllt, dabei erfahren wir, was wir alles nicht dürfen !!! Aber alle sind sehr freundlich, es gibt viel zu lachen und nach ca. 2 Stunden ist alles erledigt. Ein wolkenbruchartiger Regenguss kühlt uns ab.

Jeder, der hier ankommt, wird irgendwie zu Pedro gelotst, bei dem man (schwarz) US-Dollar oder Euro in CUC tauschen, in privater Atmosphäre essen kann, Wäsche waschen lässt, Zigarren oder andere Lebensmittel bestellen kann- alles mehr oder weniger illegal, aber so ist das Leben hier generell organisiert: wer irgendwie über Ausländer in Gestalt von Touristen oder eben Seglern zu harter Währung CUC kommen kann, zieht alle Register. 1 CUC entspricht etwa 1 Euro oder 20 Peso, aber mit denen können wir quasi nichts kaufen, vielleicht Obst auf der Strasse ... Ein Monatslohn auch für hochqualifizierte Berufe soll so bei 400 Peso aufwärts liegen. Auf dem Schwarzmarkt kann man US-Dollar tauschen, ansonsten bekommt man auf der Bank über Kreditkarte CUC, allerdings gegen 11 % Gebühr.
Zweimal waren wir in Santiago, Busse fahren selten oder gar nicht, also mit dem „Taxi" (der nächste Privatmann verdient sich mit seinem Klapperkasten gleich mal 5 CUC). Die Stadt ist einzigartig. Viel verfallene Bausubstanz, aber auch viel Historie; sehenswert ist das Museum im ehemaligen Wohnhaus des 1. Gouverneurs Velazques, wo jede Menge kostbare Möbel und alte Originale der Einrichtung zu bestaunen sind. Auf den Straßen bewegen sich eine Unmenge Gefährte aus uralten Zeiten: Lastwagen wie aus dem Museum, offene Transporter zur Personenbeförderung, mit denen nur Einheimische fahren dürfen, dazwischen alte amerikanische Autos ...Unsere Lungen sehen erst mal „schwarz", überall dicke Wolken Abgase mit dem entsprechenden Getöse ... Wir sind fasziniert von den vielen Eindrücken und schießen eine Unmenge von Fotos.

Im Marina-Shop kaufen wir reichlich Rum „Cubai" ein für 2,20 CUC die Flasche, alles andere an Lebensmitteln wird über Pedro bestellt sowie 2 Kisten Zigarren „Monte Christo" und „Romeo y Julieta" (letztere zum absoluten Schmuggelpreis).

Dann wollen wir langsam weg, nicht zuletzt deshalb, weil nach einer Winddrehung das nahe Chemiewerk Dreck und Gestank über uns regnen lässt und das Wasser voller Unrat ist.

 

Weihnachten 2009

Als Weihnachtsgeschenk erhalten wir am 24. Dezember unser Cruising-Permit, dann checken wir aus (abgekürzte Prozedur, aber der Hund schnüffelt diesmal nach blinden Passagieren!).
Nun beginnt unser Kuba-Abenteuer: wir dürfen uns frei bewegen, was das Ankern und Betreten von unbewohnten Inseln betrifft, wenn wir aber an Land gehen wollen, ist das nur dort erlaubt, wo uns eine Station der Küstenwache „betreuen" kann, was uns bald nerven wird, denn das nimmt jedes Mal Stunden in Anspruch.

Wir tuckern die Küste entlang bis Chiverico. Die Ansteuerung ist ziemlich knifflig durch Sandbänke und Riffe, Inseln und Untiefen, aber dann liegen wir wie im Ententeich umgeben von einer herrlichen Kulisse: sattgrüne Hügel, friedliche Atmosphäre ringsum, ein Fischer stapft in weißen Stiefelchen durchs Flachwasser und wirft unermüdlich ein mit Blei beschwertes Netz aus, in dem dann viele kleine Fischlein zappeln ... auf dem Gipfel der Halbinsel erkennen wir eine Hotelanlage. Nun gibt es kein Halten mehr! Obwohl wir eigentlich hier nicht von Bord dürfen, gehen wir am nächsten Tag gegen Mittag an Land, legen das Schlauchboot fest und sammeln erste Eindrücke: die Leute wohnen in Holzbuden hinter Kakteenzäunen, überall rennen Schweine in allen Größen und Farben herum, besonders die Kinder sind freundlich und neugierig. Wir wandern zum Hotel, wo wir in gediegener Atmosphäre ein köstliches Weihnachtsessen genießen: 5-Gänge-Menü mit Wein (9 CUC p.P.). Dann spazieren wir noch im Ort herum, wo am Strand gerade ein Volksfest stattfindet. Weil es hier so schön ist, bleiben wir noch einen Tag; abends gibt es frisches Brot aus dem Bord-Ofen, Cola mit Rum – schließlich sind wir in Kuba – und eine halbe Tafel Schokolade, weil Weihnachten ist.

Am nächsten Tag wollen wir vor der Weiterfahrt noch frisches Obst und Gemüse kaufen und wir haben Glück, es ist Markttag. Wir gehen denen entgegen, die – meistens mit Kohlköpfen unterm Arm – wohl vom Markt kommen. Es gibt ein paar Steinbuden, aber überwiegend wird vom Lastwagen herunter verkauft. Was es gibt und wie viel man bekommt, ist festgelegt: hier gibt es 3 kg Apfelsinen, vom Kohl-Auto werden für jeden 2 mehr oder weniger krause Köpfe heruntergeworfen. Bei Tomaten und Pampelmusen dürfen wir selbst entscheiden, bezahlt wird mit Peso, das ist so wenig, dass wir uns fast schämen. Es ist auch eine der seltenen Gelegenheiten, wo wir überhaupt Peso ausgeben können, aber eigentlich sollen wir hier ja auch gar nicht sein. Dann finden wir noch eine Panaderia (Bäckerei), aber Verkauf ist nur gegen Lebensmittelmarken möglich, die wir natürlich nicht besitzen, also schenkt uns der Bäcker vier große Buchteln, noch warm.
Das bunte Treiben, verschiedenste Pferdekutschen und andere urige Gefährte und Transporter, ist sehenswert – glücklich und bepackt treten wir den Rückweg an. Wir wollen gerade vom Ufer ablegen, da „ereilt" uns im wahrsten Sinne des Wortes noch ein Officer, der uns japsend hinterhergehechelt kam (es hatte sich wohl herumgesprochen, dass 2 Ausländer illegal unterwegs sind). Er schimpft mit uns, weil wir unerlaubt das Schiff verlassen haben, lässt sich aber dann besänftigen, weil wir schuldbewusst die Ahnungslosen spielen. Wir versprechen, am Nachmittag noch weiterzufahren, damit ist er zufrieden.
Gut, dass wir uns die kleine Gesetzesüberschreitung geleistet haben, denn es waren sehr erlebnisreiche Tage direkt unterm Volk.

Etwa 50 sm liegen vor uns – leider wird es eine „Dampfer-Fahrt", denn es weht kein Wind. Am nächsten Morgen fällt der Anker in der Bucht Bahia de Pilon (gleich hinter Portillo). Nach einem kühlen Bade frühstücken wir reichlich.
Eine Fähre bringt Leute (organisierte Touren für Hotelgäste) zur nahen Insel und einen Officer der Küstenwache zu uns (sieh an, man hat uns im Visier!), ausnahmsweise mal einen muffligen Kerl. Alles Mögliche wird erfragt und hingekritzelt, als er unser Cruising-Permitt einkassieren will, streiken wir – mit Erfolg. Nach langem Palaver über Funk wird geklärt: wir müssen es nur abgeben, wenn wir das Land betreten.
Wir verlegen uns rüber zur Insel, wo sich die ausländischen Touris, geschmückt durch ihr Bändchen am Arm, an Getränken aller Art und Unmengen an Essen laben. Wir bekommen eine Dose Sprite aufs Haus, ansonsten müssten wir 25 CuC pro Person bezahlen, das sind ca. 50,- Euro – nein danke!
Da noch immer Flaute ist, bleiben wir noch einen Tag und legen unseren Fahrplan für die „Gärten der Königin" (Jardin de Reina) fest.

 

Cabo Cruz 29.-31. Dez. 2009

Um in die Lagune beim Leuchtturm am Cabo Cruz zu kommen, fahren wir weit außerhalb meilenweit um Riffe und Bojen, bei der Suche nach einem Ankerplatz schrammen wir fast noch über eine Korallenbank ... alles sehr flach und schlecht einzuschätzen, aber sehr schön anzusehen.
Neuer Plan, um schneller voranzukommen: wir wollen morgen direkt ca. 53 sm zur Halbmond-Insel durchfahren, dazu müssen wir nachts aufbrechen. 21.30 Uhr heben wir den Anker bei Vollmond und fast Windstille, kaum sind wir draußen um die Ecke, kriegen wir Gegenwind und Welle gegenan !? Dann zeichnet sich vor uns im Wasser schemenhaft ein dunkles Ungetüm ab. Was ist das? Laut Karte liegt nur ein kleines Hindernis vor uns, aber nicht an dieser Stelle. Stimmen die Karten nicht, spielt die Satelliten-Navigation verrückt ? Wir hüpfen aufgeregt herum, wie soll das weitergehen? Beim Näherkommen erkennen wir endlich: es ist eine riesige unbeleuchtete Fischzuchtanlage mit mehreren Käfigen, die an einem alten Eisenkahn verankert sind – bei schlechterer Sicht wären wir voll draufgebrummt! Uns sitzt der Schreck in den Gliedern, das Boot schlägt mit dem Bug in die immer höher werdenden Wellen, der Wind heult direkt von vorn – wir entscheiden uns zur Umkehr. Die Lust auf Nachtfahrten in diesen unberechenbaren Gewässern ist uns gründlich vergangen. 23.30 Uhr liegen wir wieder am Anker, trinken ein Bier, essen ein Brot und machen die halbe Flasche Weißwein nieder.
Nun müssen wir also doch den großen Bogen entlang der Küste in vielen Etappen fahren.

Nach Keilriemenwechsel am Silvester – Morgen starten wir zum 20 sm entfernten Ankerplatz beim Canal de Bolondros zwischen den Inseln in der jeweiligen Strömung. Ein Sonnenuntergang in Orange wird vom romantischen Mondaufgang abgelöst, dazu gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen und sauren Gurken –schließlich ist Silvester. Bei einem Musik-Mix (Bee Gees, Elvis, Joe Cocker, Tina Turner .... Bob Marley) und einer Flasche Sekt klingt das Jahr 2009 aus!

 

Inselhüpfen in den Gärten der Königin (01.01.2010 – 15.01.2010)

Manzanillo
An einem schönen Neujahrsmorgen segeln wir durch ein riesiges Flachwassergebiet 29 sm zum Ankerplatz vor der Stadt.
Am nächsten Morgen geht's gleich weiter nach

Cayo Rabihorcado
Die ersten 15 sm machen wir schnelle Fahrt, dann kommt plötzlich heftiger Wind aus Nord, so dass wir mit gereffter Fock immer noch 5 kn schnell sind. Schwarze Wolken über uns, ruppige Wellen klatschen an den Rumpf, wir ziehen die Köpfe ein ...Wie wird sich das am Ankerplatz gestalten, der nicht gegen Nordwind geschützt ist. Finden wir die Einfahrt in die Lagune, die lt. Karte mit 1,5 m Wassertiefe angegeben ist und möglichst nach Sicht angefahren werden soll ? Bei 25 kn Wind ist uns das zu gefährlich, also ankern wir davor ohne Windschutz – nicht gerade gemütlich. Wind heult, Windgenerator jault (da freuen sich wenigstens die Batterien) , wir sitzen drin und wärmen uns am Backofen. Die ABBAs trösten uns mit. „Happy New Year".
Am folgenden Tag schleppen wir uns zur

Halbmond-Bucht
wo gegen Abend tatsächlich noch 2 französische Segler aus der Gegenrichtung ankommen.
Was ist aus unserem Kuba-Traum geworden? Eigentlich sollten die Inselchen in den „Gärten der Königin" ein Plätzchen zum länger Bleiben sein: Lagunen erkunden, Strandwanderungen, Baden und Schnorcheln im glasklaren Wasser ... Wir hoffen weiter und nehmen die nächste Etappe zur

Cayo Granada
in Angriff. Dort angekommen sorgen sturmartige Winde und Böen für hohe schäumende Wellen, so dass wir uns bei der Ansteuerung durch das Flachgebiet komplett auf die elektronischen Karten verlassen müssen, die aber zum Glück sehr genau sind. Am Ankerplatz liegen wir dann geschützt. Jetzt haben wir es langsam satt und ändern unser Programm: nach einem weiteren Sturm-Tag verlassen wir das Flachgebiet mit den ewigen Mangroveninseln und segeln zum Außenriff. Unser Ziel ist

Cayo Caguama
Auf dem Weg dorthin wird es im tieferen Wasser gleich interessanter, der Wind ist zwar eisig, schnell holen wir die dicken Jacken raus, aber es lacht sogar mal die Sonne – also eine richtig schöne Segeltour. Ein Fisch beißt an, nachdem ich meine Bestellung aufgegeben hatte, allerdings ist er größer als der gewünschte Portionsfisch.
Aufregend wird dann die Suche nach einem Ankerplatz. Wir fitzen uns durch Untiefen und verdammt flache Stellen (0,90 m unterm Kiel), das Wasser ist so klar, dass man jeden Moment denkt aufzulaufen. In Ufernähe finden wir dann aber Wind- und Wellenschutz. Nun wird erst mal der Fisch ausgenommen. 4 große grätenlose Filets sichern die nächsten Mahlzeiten ab: die erste Portion wird gleich in einer Pfanne in Butter und Knoblauch gebraten, abends gibt's Fisch und Gemüse in Folie im Backofen gedünstet, morgen stehen Fischsuppe und Bratfisch auf dem Speiszettel ...
Leider kommen wir nicht an den schönen Strand, denn heute ist es zu spät und zu windig und morgen wollen wir weiter zum 22 sm entfernten Ankerplatz

Pasa Cachiboca
Hier ist es wildromantisch, wir hangeln uns entlang an vielen Inselchen – aufgefädelt wie eine Perlenkette – vorbei an knorrigen abgestorbenen Mangroven und einem Wrack bis in die hinterste Ecke. Rosa-violettes Abendlicht und absolute Stille umgeben uns, nur das Klappern unserer Löffel und genüssliches Schmatzen beim Essen der köstlichen Fischsuppe sind zu hören – und natürlich ein „Prost" beim Bier ...
Am 8. Tag des neuen Jahres begeben wir uns nach

Estero las Auras
Nach wenigen Minuten im offenen Wasser gibt es schon wieder „Fischalarm". Diesmal ist es ein schöner Baracuda (ca. 60 cm), also gerade die richtige Größe. Er wird gleich unterwegs ausgenommen und portioniert.
Am Nachmittag beginnt die spannende Suche nach einem geeigneten Ankerplatz: wir tasten uns im lt. Karte 2-3 m tiefen Wasser über endlose Korallenriffe, Heidi mit Spezial-Sonnenbrille am Bug, Klaus sagt hinten die Tiefe an. Der Tiefenmesser zeigt 0,5 m unterm Kiel und immer weniger an! Vor dem Sandstrand auf blauem Wasser halten wir an, wir haben hier 1m unter uns. Die 100. Kaltfront mit Nordwind ist angesagt. Klaus schnorchelt zum Anker und legt ihn per Hand in ein Korallenloch, da kein tiefer Sand da ist. Schließlich müssen wir hier 2 Tage lang bis zu 30 kn Wind abwettern. Nachts läuft der Computer mit Ankerwache. Dazu wird es auch noch richtig kalt: runter bis 13 Grad ...
Sobald der Wind nachlässt, wollen wir 2 weitere Etappen am Außenriff lang und dann gleich nach Cayo Largo. Langsam wird es zur Gewissheit, dass wir wegen der ewigen Nordwinde nicht nach Cienfuegos kommen, was wir sehr bedauern. Wenigstens waren wir bei einem früheren Kuba-Urlaub schon mal in der interessanten Stadt Trinidad.
Zum Trost gibt es abends Kartoffelbrei mit Sauerkraut und gebratenen Würstchen. Auf die kubanische Küche müssen wir aus gegebenem Anlass erst noch verzichten und die Nummer vom Pizza-Service hat uns keiner verraten.
Am 4. Tag unseres Zwangs-Aufenthaltes in der Einöde ist endlich freundliches Wetter, da machen wir uns landfein, Dingi runter, Motor flott, ab geht´s. Weitab vom Ufer wird es schon sehr flach, also Paddel raus , staken soweit es geht, zuletzt ziehen wir das Boot an Land. Dabei versinken wir im Korallen-Sand-Brei wie im Mud-Pool fast bis an die Knie. Am Ufer finden wir eine interessante Landschaft und viele kleine Vierbeiner, die aussehen wie Nutrias. Später erfahren wir, dass es Baumratten sind und wir sehen sie auch herumklettern.
Am kommenden Morgen tasten wir uns auf der bei der Einfahrt geschriebenen Spur per Computer über das Riff ins tiefe Wasser und nehmen die letzten 32 sm am Außenriff ins Visier nach

Cayo Breton
Endlos fahren wir an überschäumenden Riffen entlang, an der Einfahrt zum Ankerplatz unter dem Leuchtturm müssen wir auf einen festgelegten Kurs – Vertrauen zu den Beschreibungen im Handbuch muss man schon haben - wobei Riffe zu umfahren sind ... diesmal verhaspeln wir uns gründlich, bis wir uns sicher sind, falsch zu liegen. Heidi dreht eine Runde, Klaus stürzt nach unten – wo sind wir und wo müssen wir hin? Letztlich fahren wir nach Sicht und kommen ohne Grundberührung gut durch. Es ist immer ziemlich aufregend, denn was wäre wenn? Nicht auszudenken, man bleibt auf einem Riff hängen ...

Cayo Largo (16.01. – 20.01.2010)

Nach einer Nachtfahrt (126 sm) ist in der Frühe Cayo Largo in Sicht. Wir ankern erst mal neben der Boje vor der Einfahrt zur Marina. Sonne, erfrischendes Bad, ausgiebiges Frühstück in schöner Umgebung: blaugrünes Wasser, weiße Strände, kleine Inselchen – wie Urlaub.
Marina ist dann auch mal wieder schön: easy Anlegen am Fingersteg, Strom, Wasser. Nachdem der Behörden-Marathon absolviert ist, sind wir frei! Als erstes genehmigen wir uns jeder ein halbes Huhn aus der Fritteuse – nach langer fleischloser Zeit ein Genuss in der kleinen Strandbar, vor allem das kühle Bier (Cristal – kubanisches Eigenbräu, schmeckt prima). Die Bank hat sogar am Sonntag auf, hier erhält man die Marken für die Visaverlängerung. Auf Nachfrage rücken sie auch noch 2 Che-Münzen zu 3 Peso und ganz neue Geldscheine mit dem Konterfei des Nationalhelden heraus – sind sehr begehrt bei Sammlern.
Beim Spaziergang durch das Örtchen bemerken wir, dass viele mittelgroße Busse (ca. 40 Sitze) ständig unterwegs sind, endlich kriegen wir mit, dass sie für Ausländer als Taxi ! fahren für 2,50 CUC /Person. Kurz entschlossen steigen wir ein und lassen uns zu einem Hotel fahren, das Internet hat – Hotels liegen eins am anderen die Küste entlang. Da es hier sonst keine Orte gibt, und nur ausländische Urlauber auf der Insel sind, werden diese nicht mal mit einem Bändchen verunziert und können durch alle Hotels pilgern – überall „all inclusive" – das kommt uns gerade recht: wir schlürfen an der Bar Cola mit Rum, trinken dort einen Kaffee, essen am Strand ein Eis ... das lässt man sich gefallen. Internet kostet aber 10,- CUC für 1 Stunde und ist so langsam, dass wir ewig ohne Erfolg versuchen, an unsere Mails zu kommen. Das wird sogar der Aufpasserin (sitzt hinter uns) zu langweilig, die Salon-Löwin ruft den Haustechniker für uns, der nimmt uns dann mit ins „Allerheiligste", völlig ungewöhnlich für kubanische Verhältnisse, noch dazu, wo wir noch nicht mal Hotelgäste sind, was wir aber tunlichst verschweigen. In der Schaltzentrale kriegen wir gleich Verbindung, können unsere Weihnachts-Mails (ca. 30) überfliegen, aber keine Bilder und Anlagen aufmachen. Dafür geht die Zeit nicht von unserer Karte ab und wir sind voll zufrieden.
Am folgenden Vormittag melden wir uns mit Rund-Mail über Funk bei unseren Lieben zu Hause. Uns ist klar, dass wir Internet und Skype vergessen können, solange wir in Kuba sind.
Dann werkeln wir am Boot herum. Einige Besucher kommen zum Steg und fragen uns nach dem Woher und Wohin. Eine Kanadierin ist so begeistert von unserer Geschichte, dass sie symbolisch vor uns „den Hut zieht".
Heute Abend wollen wir „schön essen gehen", gegen 16.00 fahren wir mit dem „Taxi" ins Hotel SOL MELIA, zahlen an der Rezeption je 20,- CUC (wir hätten uns auch reinschleichen können, aber wir wollten doch lieber mit ruhigem Gewissen den Luxus nach wochenlanger Abgeschiedenheit genießen). Es war köstlich: Getränke an der Bar, abends dann ein üppiges Buffet mit allen Raffinessen – Spanferkel, alle Fleischsorten, Fisch und Meeresfrüchte vom Grill, leckere Vorspeisen und Salate, Obst, Eis und Wein bis zum Abwinken – wir haben geschwelgt und stundenlang diniert, allerdings nicht ohne schlechtes Gewissen, wenn wir uns in die freundlichen Kellner versetzt haben, die diese Völlerei mit ansehen und ihre eigenen Möglichkeiten vergleichen. Die „echten" Urlauber kriegen das gar nicht so mit, da sie kaum mit dem wirklichen Leben in Kontakt kommen. Und wir wollen nach diesem Ausrutscher auch endlich den Alltag näher kennen lernen. Jetzt gibt es aber erst noch die übliche Show – schön karibisch bunt und unterhaltsam, begleitet von 3 Mojitos (Heminway-Cocktail: Zucker, Rum, Limettensaft, gestoßenes Eis, Soda-Wasser und garniert mit frischer Minze. (Dass Heidi vom Stuhl fiel, hatte aber den Grund, dass die Steinterrasse zu Ende war.)
Am 3. Tag in der Marina bereiten wir die Weiterfahrt vor. Viel Zeit nimmt das „Einfangen" unserer Wäsche ein, denn der Typ, dem wir sie gegeben hatten, ist nach mehreren Nachfragen einfach abgetaucht. Nach dringlichen Beschwerden an mehreren Stellen wurde sie dann abends gegen 8.00 endlich gebracht. Sie war in einem Hotel gelandet und zu entsprechenden Preisen behandelt, das kostet zu unserem Entsetzen 15,-CUC !!! Aber wenigstens ist sie wieder da, denn es ist fast alles, was wir dabei haben. Wir hätten sonst morgen nicht fahren können.
Im Internet haben wir hier erst mal mitbekommen, dass in Haiti ein schweres Erdbeben gewütet hatte. Wir können nur hoffen, dass die freundlichen Menschen auf der kleinen Insel vor der Südküste, die wir Anfang Dezember auf unserem kurzen Stopp getroffen hatten, nicht ihre ärmliche Existenz oder gar ihr Leben verloren haben. So nahe dran gewesen zu sein, ist schon beeindruckend für uns.
Am 20. Januar wollen wir eigentlich früh weg, aber die „Genossen" haben es anders geplant: ein hohes Tier stattet einen Besuch ab und alles steht bis 9.00 Uhr still !!! Ca. 100 Gäste auf den Ausflugsbooten, Taucher und auch wir müssen eben warten. Dann endlich geht's los: unsere bestellten Sachen wie Bananen, Papaya, Paprika, Pampelmusen, Limetten und Käse werden gebracht (in der Marina ist ein CUC- Laden, wo es manchmal was gibt, dies oder das aber auch extra bestellt werden kann – sie holen es wahrscheinlich dann aus dem Lager der Gaststätte).
Beim Auschecken defilieren dann wieder alle Offiziellen (jedes Mal so 8-10 Leute) vorbei.
Endlich legen wir ab mit Ziel

Cayo Rosario
20 Meilen ruppige See, aber wir können segeln.
Am Strand finden wir die größte Schuh-Kollektion, die wir je sahen: bestimmt 1000 einzelne Teile aller Größen, Farben, Materialien in unterschiedlichsten Verrottungszuständen säumen das Ufer.
Die Brandung ist nicht ohne, beim Anlegen hatten uns Kreuz-Wellen fast zum Kentern gebracht, aber wir schaffen es, bei der Rückfahrt fast trocken ins Dingi zu kommen. Von Weitem sehen wir ein Ruderboot mit 3 Männern auf uns zusteuern – eine Kiste voll Lobster im Gepäck. Geld wollen sie nicht, aber Rum! Gut, dass wir in Santiago im Marina-Laden 10 Flaschen gekauft hatten (für umgerechnet rund 2,- Euro je Fl.). Als wir nur 2 Lobster wollen protestieren sie: wieso nur 2, nehmt alle 6!. Am Ende nehmen wir 5, wobei sie uns nur die Schwänze abdrehen, aber das ist mehr als reichlich.
Also gibt es heute Abend Lobster, aber wie wird so was zubereitet? Wir setzen einen großen Topf mit Meerwasser auf den Herd. Als es kocht, werfen wir die Schwänze rein, lassen es aufkochen und ca. 10 Min. ziehen. Dann abgießen und mit frischem Meerwasser abschrecken. Schalen aufbrechen und Darm entfernen, zum Vorschein kommt herrliches weiß bis rotes Fleisch. Ein Teil wird gleich in Butter, Salz und Knoblauch in der Pfanne geschwenkt. Es riecht und schmeckt phantastisch! Der Rest ist für morgen.
Früh bei auffrischendem Wind merken wir, dass der Anker nicht hält, wir sind schon einige Meter Richtung Riff gedriftet, aber wir fahren sowieso gleich weiter nach

Canalizo (Kanaldurchfahrt zwischen 2 Inseln)
Die Anfahrt wird ziemlich aufregend, da die beschriebenen Orientierungsmarker nicht mehr da sind, aber am Ende finden wir einen schönen ruhigen Platz mitten in der Durchfahrt und der Strömung.
Wir bauen ein schönes Kuba-Stillleben zum Fotografieren auf: Havana Club Rum, Cristal-Bier, Zigarren samt schöner Kiste, Geldschein mit Che drauf, ofenfrisches Weißbrot, Rotkohlsalat und mittendrin Lobster-Cocktail in Stielgläsern! Tja, so lebt sich´s in der Einsamkeit.
Wir legen 2 Etappen zusammen und segeln bei leichtem Wind zum selbst ausgesuchten Ankerplatz zwischen Mangroveninseln über Flachwasser. Unterwegs geht uns ein 2 kg schwerer grauer Snapper an die Angel, somit sind die nächsten Mahlzeiten wieder gesichert. Wir finden ein gemütliches Fleckchen bei ca. 3m Tiefe, aber unsere Trauminsel ist es auch wieder nicht. Abends Mücken- und Fliegeninvasion, wir flüchten in die Kabine, die Viecher kriechen sogar durch das Fliegengitter.
Am nächsten Tag wollen wir in die Hauptstadt der Insel Juventud – Nueva Gerona – was erwartet uns da? Lt. Handbuch ist alles (un)möglich. Wir versuchen über Funk, Kontakt zum Hafenamt zu kriegen, aber es antwortet uns „Sophia"- ein holländisches Schiff mit Frans und Sophia an Bord: wir erfahren, dass man eine besondere Genehmigung für Gerona braucht, die niemand bekommt. Also weiter in die geschützte Bucht hinter dem Ort

Ensenada de la barco
Hier müssen wir erst mal 3 Tage bleiben, dann soll nach dem heftigen Wind aus Süden Nordwind kommen. Wir tauschen mit den Holländern immer neue Ideen und Routen-Pläne aus. Unsere Vorräte an frischem Obst und Gemüse, Wasser, Bier und Wein werden langsam knapp und wir haben noch 3 Wochen vor uns bis Havanna ...
Also machen wir uns am 25. Januar auf den Weg zum sagenhaften „Hotel Colony" (lt. Handbuch) und der Marina an der Südwest-Küste der Insel Juventud.
nach einer angenehmen Fahrt mit achterlichem Wind und Welle kommen wir am Nachmittag an und tasten uns hinein in die Marina beim

"Hotel Colony" (26. – 30.1.2010)
Jede Menge „Grüne" schauen uns zu und sind dann auch gleich zur Stelle, nachdem wir längsseits angelegt haben. Gegen 17.00 Uhr gehen wir zum Hotel ( 20 Min. Fußweg). Es sind in der weiträumigen gut gepflegten Anlage nur 2 Gäste da – Engländer für ein paar Tage zum Tauchurlaub – und ca. 30 Angestellte (nach dem Motto: viele haben einen kleinen Job, ein kleines Einkommen und Verpflegung, das alles wird durch die wenigen ausländischen Gäste erwirtschaftet). Dazu wollen wir auch unseren Beitrag leisten und bleiben noch zum Abendessen, wo es für je 12,-CUC ein mehrgängiges gut schmeckendes Menü gibt.
Morgen früh nimmt uns vielleicht der Personal-Bus mit in die Stadt. Wir sind um 9.00 Uhr da, geben erst mal unsere Bestellung an Lebensmitteln und Getränken auf beim Küchen-Chef (wenn sie sich durch den Weiterverkauf von schon vorhandenen Sachen einen Nebenverdienst in CUC schaffen, soll es uns recht sein – alle sind übrigens sehr hilfsbereit und freundlich, aber nicht aufdringlich und teilen offensichtlich immer untereinander auf). Wir bestellen: Hühnerfleisch, Eier, Brot, Orangen, Kartoffeln, Getränke.
Sie nehmen uns auch gerne mit ihrem Bus in die Stadt und zurück mit für 20,-CUC, die dann wieder der Allgemeinheit zugute kommen. Uns ist auch gedient, denn ein Taxi hätte 50,-CUC gekostet!
Unterwegs kriegen wir im Gespräch mit den Angestellten einiges mit, wie die Dinge so laufen im täglichen Leben. Ein Kellner sagt hinter vorgehaltener Hand: für alle geht es nur darum, irgendwas für die Familie zum Essen zu ergattern, er hofft auf neue Organisation des Lebens, aber wohl erst nach Fidels Abtritt. Auf der Rückfahrt werden ständig Waren hin und her getuckelt. Wenn es irgendwo was gibt, wird gekauft, soviel man kriegen kann, um das dann wieder gegen andere Sachen zu tauschen. Auf einsamer Landstraße fährt ein Traktor mit Hänger – was ist da drauf? Bus hält an, Insassen diskutieren, aber so einfach ist es nicht. Kartoffeln, Zwiebeln und Maniok sind auf dem Weg zum Händler. Nun wird abgesprochen, dass der etwas beiseite legt, was morgen abgeholt wird. Es soll auch noch schwarze Bohnen geben, na davon auch gleich noch einen Sack, irgendwer wird sie schon brauchen ...
In der Stadt Nueva Gerona finden wir echtes kubanisches Leben, am meisten beeindrucken uns die urigen Gefährte verschiedenster Art: Fahrrad-Rikscha mit 2-Sitzer und Sonnenschirm, vierrädrige Karren mit Gummirädern und Schindmähren davor, natürlich überdacht – und dann die mehr oder weniger gepflegten alten Ami-Schlitten ...einfach ein Hingucker!
Im Museum finde ich eine Frau, die bis 1989 in Ilmenau/Suhl eine Ausbildung zur Keramikerin in der DDR gemacht hat.
Zurück im Hotel stehen unsere bestellten Sachen bereit und werden ans Boot gebracht. Soweit alles o.k., nur die Kartoffeln entpuppen sich als 2,5 kg tiefgefrorene Pommes! Und wir haben keinen Tiefkühlschrank, also bringt sie Klaus im Laufschritt zurück ins Hotel und tauscht sie gegen 5 kg „richtige" Kartoffeln, dazu gibt ihm der Koch einen Beutel, in dem sich die Hälfte der gefrorenen Fritten wieder finden. Da wir sie nicht wegwerfen wollen, gibt es heute eine neue Kreation von Hühnersuppe, statt Nudeln kommen die Kartoffelstäbchen dazu, die zerfallen beim Köcheln. Den Rest gibt es morgen als spanisches Omlelette und Pfannen-Fritten.
Der folgende Tag ist ein Arbeitstag : Wäsche waschen, Wasser tanken, Diesel im Kanister holen, Parade der Amtspersonen ...
Nachmittags verlassen wir die Marina und legen uns draußen in Startposition für morgen früh zum Ritt über Nacht zum Cabo San Antonio.
April-April! Schlechte Wetternachrichten: zuviel Wind für´s Cap, sagen die fishermen ...
Es wird ein richtiger Wetter-Krimi: immer neue sich widersprechende Infos von Flaute bis Sturm. Wir rufen 3 Wetterstationen ab, alle widersprechen sich, nichts hat gestimmt bis auf eine Aussage: Wind 10-25 kn aus wechselnden Richtungen.
Also warten, wie schon sooft. Diesmal wird uns die Wartezeit damit versüßt, dass ein „Millionen-Dampfer" sprich Riesenkatamaran unter kanadischer Flagge mit Maria und Roy-John ankommt – zwei sehr gesellige und umgängliche Leute. Sie laden uns und die „Sophia" spontan auf ihr Schiff ein, und wir verbringen zu sechst ein paar sehr unterhaltsame Stunden. So ein Ausflug zur Luxus-Klasse ist schon toll – Platz ohne Ende, Ambiente vom Feinsten, Küche mit allen Raffinessen, Waschmaschine .... Es gab lang entbehrte leckere Snacks: Salami, Räucherkäse, Camembert mit einem höllisch guten Chily-Gelee, Bier und Rotwein.

 

Cabo Antoinio bis Cayo Levisa (31.01. – 06.02.2010)

Die 130 sm um das Kap herum verlangen uns dann wieder viel Durchhaltevermögen ab, denn es wird von Anfang bis Ende eine Dampferfahrt. Nach Einbruch der Dunkelheit hat sich auch noch Seegras um die Schraube gewickelt, also taucht Klaus mit Lifebelt ab, um das Zeug zu entfernen. Früh gegen 9.00 Uhr sind wir fast am Cabo Antonio, aber wie sieht der Himmel aus? Wolkenfelder mit eigentümlichen beängstigenden Formationen, Regen, Gegenstrom, Wind von vorn... Klaus schreit entnervt: „Ich hab das so satt mit dem Wetter! Ich glaub, ich geb´s auf mit dem Segeln". Erfreulicherweise verziehen sich die Wolken und wir kommen am Ende doch noch ganz easy um das gefürchtete Kap und zum Ankerplatz gleich um die Ecke, so dass die Worte (s.o.) schnell wieder zurückgenommen werden.
Kaum haben wir den Anker an der Insel La Lena vor der fishing-station versenkt, wird prompt unser Abendessen in Gestalt von 4 Lobstern geliefert. Als uns die Fischer kommen sehen, schwingen sie sich gleich ins Ruderboot, denn wer zuerst kommt, macht das Geschäft! Also ist bei uns wieder Großkamptag in der Küche und die freundlichen Fischersleute freuen sich über 1 Flasche Rum. So geht das aber nicht weiter, die nächsten Lobster-Lieferanten werden mit einer Dynamo- Taschenlampe, einem Stahlbandmaß und Seife „bezahlt".

 

Etappen:
La Lena - Ensenada de Anita 33 sm
Ens. De Anita - Rapado Grande 23 sm
Rap. Grande - Cayo Jutias 28 sm
Cayo Jutias - Cayo Levisa 31 sm

 

Die Touren sind abwechslungsreich, teilweise fahren wir hinter dem Außenriff, dann wieder im offenen Wasser entlang der schäumenden Riffkante. Wenn der Wind nicht passt, legen wir Pausen ein und widmen uns der „Haus"- Arbeit: diverse Reparaturen, Kochen, Brot backen, Haare schneiden, Bücher sortieren ...

Am Ankerplatz beim Leuchtturm von Cayo Jutias verlassen wir mal wieder das Boot. Der Betonsteg ist weggeschwemmt, die Bäume am Strand sind nur Gerippe, es ist eine bizarre Landschaft. Wir laufen zu einem vermeintlichen Hotel, aber es stellt sich heraus, dass hier nur Tagesgäste hergekarrt und abgefüttert werden. Das Essen ist überteuert und der Mochito nicht trinkbar, angegammelte Minze mögen wir nicht. Von 2 Harpunen-Fischern am Strand kaufen wir dann für 3,-CUC einen kapitalen Zackenbarsch.
Als wir gerade wieder ins Dingi steigen, sehen wir von weitem einen Officer mit den Armen wedeln. Oh Schreck, wir tun so, als ginge es uns nichts an und fahren weg. Das hätte doch wieder Stunden gedauert ...

 

Cayo Levisa (06.02. – 08.02.2010)
Hier müssen wir uns mal wieder ordentlich anmelden. Wir ankern vor dem Anleger, die Staatsmacht kommt im Äppelkahn angerudert, nach gut einer Stunde hat der freundliche Beamte alle Papierchen ausgefüllt.
Nun beginnt für uns der gemütliche Teil: wir paddeln an Land, erkunden die sehr schöne Anlage am Sandy-Beach-Ufer auf der anderen Seite der Insel und genießen das üppige Buffet-Dinner zu 12,-CUC p.P.
Zurück am Steg fängt uns Lazario ab, ein sehr netter junger Mann, der mit seinem Motorboot Fährverkehr betreibt. Er gibt uns Papya, Ananas, Grapefruit, Melone, Limetten, Brot ...
Geld will er nicht nehmen, aber wir sollen mal auf dem Boot schauen, was wir vielleicht nicht mehr brauchen. Wir kramen am nächsten Morgen alles durch und da kommt einiges zusammen, denn bisher hatten wir wenig Gelegenheit, unsere Mitbringsel zu verteilen: Seife und Deos, 1 l Olivenöl aus unserem großen Kanister, Schreibutensilien, Verbandszeug, Silikon, diverse Werkzeuge – der Knüller ist ein nagelneuer Drehmomentenschlüssel. Lazario freut sich riesig und drückt uns ab. Nochmaliges Durchforsten bringen Nähzeug, Schuhe, T-Shirts und andere Kleinigkeiten zu Tage. Sicher wird einiges weiterverteilt und getauscht.
Am nächsten Tag bringt uns Lazario mit seiner Fähre zum Festland und besorgt uns einen Freund, der uns mit seinem „Taxi" ins Valle Vinales fährt – so schaffen wir es also doch noch dorthin in dieses landschaftlich einmalige Tal mit seinen märchenhaften Bergen und den faszinierenden Farbspielen. Erst fährt unser Fahrer zu allen touristischen Highlights, bis wir streiken (überall Abzocke, hier 5 CUC, da 10 CUC ... und Massenabfertigung, das ist nichts für uns. Wir wollen die Landschaft und die Leute erleben. Er bringt uns dann in seinen Wohnort La Palma, zeigt uns sein Haus und bringt uns zum Mittagessen in eine schöne (CUC)-Gaststätte.
Nach 3 Tagen starten wir nach „Abmeldung" bei der Obrigkeit zur

Bahia Honda (09.02.2010)
Gegen 15.00 Uhr fällt der Anker in der Einfahrt zur großen Bucht beim Steg der Küstenwache. Ein Grünrock wird herangerudert, dann erleben wir unsere unangenehmste Begegnung mit der Bürokratie in Kuba. Wir dürfen nicht in die geschützte Ankerbucht, obwohl eine Kaltfront angesagt ist, wir müssen hier ungeschützt vor allen Winden liegen bleiben! Was ist, wenn der Wind auf Norden dreht? Aber es gibt kein Pardon, der Officer bleibt unbeeindruckt und wiederholt immer wieder: heute Flaute, morgen erst mittags Wind, dann seid ihr weg – basta! Wir geben uns geschlagen, was selten passiert, aber wir hatten gelesen, dass ein Segler nachts mit Hupsignal und Scheinwerfern von ebendiesem Ankerplatz – eskortiert von einem bewaffneten Boot – zurück auf den Platz vor der Küstenwache beordert wurde.
Zunächst ist es wirklich ein lauer Abend (allerdings mit schwarzen Flöckchen, die aus dem ca. 4 Meilen entfernten Schornstein rieseln. Gerade haben wir uns zu Bett begeben, da lässt uns ein fernes Rauschen aufhorchen, das schnell näher kommt und lauter wird – die Kaltfront rast heran! Computer an, Ankerwache eingestellt und schon der Schrei: der Anker schliert!!! Inzwischen heult der Sturm, in Spitzen über 40 kn , das Schiff klatscht mit dem Bug in die Wellen und droht, an das nahe und flache Ufer gedrückt zu werden. Uns bleibt nichts anderes übrig, als mehr Kette rauszulassen, in der Hoffnung, dass der Anker wieder fasst ... zum Glück geht unsere Rechnung auf, auch lässt der Wind wieder nach und wir hängen fest. Schlafen können wir aber nicht mehr ruhig in dieser Nacht. Früh 7.30 kommt Grünrock angeächzt, aber wir sind so sauer, dass wir ohne ein Wort unsere Papiere nehmen und so schnell wie möglich weg wollen von diesem unfreundlichen Ort, obwohl die See noch sehr unruhig ist.
Uns ist klar, dass wir heute nicht in die „Marina Hemingway" fahren können, denn bei Nordwind liegt die Brandung auf der Einfahrt, die zwischen zwei Riffen nur ca. 40m breit ist. 15 sm davor gibt es noch eine Möglichkeit:

Bahia Mariel
Die Einfahrt ist ca. 200m breit und gut betonnt. Wir rumpeln durch die aufgewühlte See und trauen beim Näherkommen unseren Augen kaum: mehrfach hintereinander donnern riesige Brecher, die sich hellblau aufrichten und weiß schäumend überschlagen in der ganzen Breite an Land – auch in der Einfahrt zur Bucht! Uns wird ziemlich flau im Magen bei dem Gedanken, da durch zu müssen. Da wir keine Wahl haben, nehmen wir die vorgeschriebene Startposition ein – natürlich sind alle Segel unten – und nehmen Kurs, zwischen roter und grüner Boje hindurch das lockende ruhige Wasser zu erreichen. Wir surfen bei 9 kn Fahrt mit der Welle, die uns hoch hebt und schnell davonträgt – in wenigen Minuten sind wir durch und atmen erleichtert auf. Von Land aus bedeutet man uns, dass wir längsseits an einem großen Schlepper anlegen sollen. Von einem früheren Betonsteg sind nach dem letzten Hurrikan nur noch Ruinen übrig, eigentlich ist der „Hafen" für Touristen gesperrt, aber nun sind wir eben da. Einladend ist die Umgebung nicht, zwei Schornsteine eines Kraftwerkes pusten dicke Qualmwolken in die Luft, ein Zementwerk tut sein Übriges, aber der Wind ist uns gnädig.
Obwohl wir morgen früh weiter wollen und wir das Boot sowieso nicht verlassen dürfen, ziehen die Vertreter der Staatsmacht das volle Programm durch ...Die jungen Leute sind sehr freundlich und interessiert, zucken selbst mit den Schultern, aber so sind eben die Vorschriften. Soviel Leute und Hunde waren noch nie auf unserem Schiff wie in Kuba. Nachdem wir am folgenden Morgen alles noch mal über uns ergehen lassen mussten, schicken sie uns ohne Pardon hinaus aufs Meer.
Mit gemischten Gefühlen ziehen wir los, es ist nicht viel ruhiger als gestern. Wir hoffen, dass sich in den ca. 4 Stunden Fahrt noch eine Beruhigung einstellt, aber eher das Gegenteil ist der Fall.
Kurz vor der Marina Hemingway bei Havanna melden wir uns über Funk an – keine Reaktion! Auf einmal werden wir gerufen:
„Sailing boot Soleil! Marina officer here. The chanal is rough!!! You must be carefully!!! Find the sea-bouy (leicht gesagt, sie verschwindet ständig unter den Wellen). Than go 140° inside!" ---
Die Fahrt durch mehrfach brechende schäumende Brandung hatten wir ja gestern schon „geübt", aber heute sieht alles noch viel schlimmer aus und die Einfahrt ist nur 40m breit. Daneben tobt links und rechts die See. Uns zittern die Knie, Klaus klemmt sich ans Ruder. Wenn wir die Gewalt über das surfende Schiff verlieren, knallen wir auf die Riffe. Motorkraft muss das Boot auf Kurs halten – genau so funktioniert es dann auch. Nach ein paar bangen Minuten sind wir durch. Der Marina-Mann steht mit der Hand-Funke am Ufer, feuert uns an und beglückwünscht uns zum guten Gelingen. Wir strahlen uns an und freuen uns, dass wir es geschafft haben – das war wohl die bisher brenzligste Situation in unserem Seglerleben. Von einem gewissen Punkt an ist man den Elementen ausgeliefert, kann nichts mehr tun als hoffen, dass man im Vorfeld alles richtig gemacht hat.
Hier in der Marina merkt man nichts von dem Wooling draußen. Leider verderben uns die Offiziellen die gute Laune, 13.00 sind wir angekommen, 16.00 Uhr sind wir immer noch nicht fertig. Obwohl wir fast 2 Monate in Kuba sind, müssen wir die schärfsten Kontrollen erdulden. Sogar die Leuchtraketen nehmen sie unter Verschluss, nachdem sie jede einzelne registriert haben.
Am Liegeplatz funktioniert erst das Wasser nicht, dann gibt es Probleme mit dem Strom, aber irgendwie kriegen sie alles hin ...
Wir freuen uns, dass wir sowohl „Senta" als auch „Sophia" wieder treffen. Abends gibt's im Yacht-Club ein Barbecue.

 

Havanna (11.02. – 20.02.2010)
Über Havanna zu schreiben ist nicht leicht – man muss es einfach erleben ...
Die restaurierten Fassaden der Altstadt sehen aus wie im Bilderbuch, aber uns interessieren mehr die Nebengassen, wo das wirkliche Leben stattfindet. Unter uralten Bäumen sind antiquarische Bücher aufgebaut, Revolutionäre aller Zeiten und Schattierungen geben sich ein Stelldichein: neben x mal Fidel und Che lachen uns Lenin, Marx und diverse andere Experten an. Diese Versammlung dürfte einmalig in der Welt sein und noch lange erhalten bleiben, denn es gibt viele Schaulustige, aber kaum Käufer ...
Wir verbringen erlebnisreiche Tage in dieser einmaligen Stadt und lassen uns vom historischen und gegenwärtigen Flair einfangen.

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© Klaus Lange