Madeira - Kanarische Inseln (423 sm)

 

 

07.10.08

Heute Nachmittag haben wir unseren Anker in der Bucht vor der Playa Francesa von Graciosa fallen lassen. Die Tage davor waren wieder recht erlebnisreich. Wir hatten Madeira am 02.09. bei recht regnerischem Wetter verlassen. Unterwegs wechselten sich regelmäßig Regen, heftige Böen und Flaute ab. Das Meer war ziemlich unruhig. In den Böen machten wir trotz 2fach gerefftem Großsegel noch über 5 kn Fahrt.
Am 03.09 erreichten wir am späten Nachmittag die Insel Selvagem Grande und gingen in der einzigen (einigermaßen geschützten Bucht) vor Anker (die Ilhas Selvagens sind Naturschutzreservat und Ankern und Betreten erfordert eine schriftliche Genehmigung, die wir uns auf Madeira besorgt hatten).

Diese ruppige Fahrt über 165 sm war aber auch an der Technik unseres Bootes nicht ganz spurlos vorüber gegangen.  
Auszug aus der "Krankenliste":
 Aufhängung Autopilot gerissen, Druckschlauch Petroleumherd undicht, Steuerung der Ankerwinsch ausgefallen.
Das meiste ließ sich zum Glück mit eigenen Mitteln beheben bzw. behob sich nach ein paar Wochen von selbst (Ankerwinsch). Den Druckschlauch mussten wir uns aus Deutschland liefern lassen (wochenlang kein frisches selbstgebackenes Brot!!!).

Am nächsten Morgen setzten wir mit dem Schlauchboot zur Insel über und meldeten uns ordnungsgemäß beim Parkranger an. Es war ein freundlicher Empfang und für den Nachmittag lud er uns zu einer Führung über die Insel ein. Dabei zeigte er uns u.a. die Brutplätze der Albatrosse sowie einige, nur auf den Selvagens lebende Tiere. Die völlig unberührte Natur war ein beeindruckendes Erlebnis für uns.

Als wir 2 Tage später unseren Anker lichten wollten, gab es erst einmal Probleme. Auf dem felsigen Grund hatte sich die Ankerkette in 12m Tiefe um mehrere Felsbrocken gewickelt und konnte nur nach einem ausgiebigen Tauchgang freigelegt werden.

 

Die 136 sm nach Graciosa mussten wir leider größtenteils unter Maschine zurücklegen, zuerst hatten wir Flaute und die letzten 50 sm blies uns der Wind aus O-NO entgegen.

 

19.10.08

Inzwischen haben wir uns auf den Kanaren schon ganz gut eingelebt. Wegen Schlechtwetter hatten wir uns länger als vorgesehen auf Graciosa aufgehalten, aber es waren trotzdem schöne Tage. Zuerst einmal trafen wir Nadine und Tom von der SY Vanille wieder, die uns dann auch in den Hafen von Graciosa lockten. Dort entdeckten wir plötzlich ein Boot mit dem Namen "Delirium", das hatten wir doch vor 4 Jahren auf Sardinien kennen gelernt!! Tatsächlich - als wir am Steg festmachten, standen dort bereits Veronika und Jean Paul. Nach den vielen Jahren wurde es eine freudige Begrüßung und zu sechst verbrachten wir einige schöne Tage.
Nachdem sich der Wind etwas gemäßigt hatte, sind wir am 13.10. weiter nach Rubicon an der Südspitze vonLanzarote. 
4 Tage genossen wir diese sehr schöne Marina und mit dem Mietwagen erkundeten wir das Insel-Innere. Der Südwesten hat uns besonders beeindruckt.

Dann ging es weiter nach Fuerteventura. Eine Nacht verbrachten wir in einer schönen Bucht vor der Insel Lobos, dann segelten wir die Ostküste südwärts  nach Gran Tarajal. Die Marina ist inzwischen mit 2 neuen Schwimmstegen ausgebaut worden. Ankern im Hafen ist dadurch zwar nicht mehr möglich, aber das Liegen (mit Strom und Wasser) ist äußerst preiswert ( wenn der Hafenmeister nicht kommt, ist es kostenlos).
Der Ort selbst hat uns auch sehr gut gefallen - ruhig und gemütlich mit guten Einkaufsmöglichkeiten.

 

31.10.08

Am 20.10. haben wir gegen Mittag Gran Tarajal, und damit Fuerteventura, verlassen. Unser Ziel war die Südküste von Gran Canaria. Die ersten 6 Stunden hatten wir mit ständig wechselnden Winden zu kämpfen, An der Südspitze von Fuerte fauchte es mit bis zu 35 kn. Auf dem offenen Meer wurde es dann aber beständiger und mit gerefften Segeln und achterlichem Wind und Welle hatten wir eine sehr schöne Nacht-Passage. Die letzten 10 sm mußten wir dann noch die "Bremse anziehen", um nicht schon vor Sonnenaufgang anzukommen. Kurz nach 08.00 Uhr ließen wir den Anker über herrlichem Sandgrund in der Bucht vor der Marina Pasito Blanco fallen.

2 Tage später machten wir das Boot in der Marina Mogan fest, wo wir und tags darauf mit unseren Freunden Bettina und Günter aus Deutschland trafen und eine schöne Woche miteinander verbrachten. Gemeinsam erkundeten wir mit dem Mietwagen das atemberaubende Insel-Innere und hatten auch sonst viele schöne Stunden.

 

Eine Woche später bekamen wir erneut Besuch: unsere Enkeltochter Frieda ist mit ihren anderen Großeltern aus Deutschland angereist.  Sie brachten für uns auch ein paar dringend benötigte Ersatzteile mit ( z.B. einen neuen Anlasser). Mit dem Mietwagen holten wir sie vom Flughafen Las Palmas ab und verlebten ein paar sehr schöne Tage auf Gran Canaria. Bei einem Ausflug mit unseren Boot zu einer nahe gelegenen Bucht (Playa de Veneguera) erholten wir uns am Strand und badeten im herrlich klaren und warmen Wasser.

 

09.12.2008

Weihnachten ist gar nicht mehr so weit und noch immer sind wir auf den Kanaren!  Eigentlich wollten wir schon vor den Kapverdischen Inseln liegen, aber es kam nun mal wieder anders.
Zunächst hatten wir ein paar sehr schöne Tage auf Teneriffa. In der Marina San Miguel fanden wir einen ruhigen Platz am Schwimmsteg und mit dem Mietwagen machten wir ein paar interessante Ausflüge in das Insel-Innere. Der Teide-Nationalpark durfte dabei nat
ürlich nicht fehlen. 
In San Miguel trafen wir auch Volker mit seiner "Ziganka III". Wir waren uns bereits einmal in Porto Santo begegnet und unsere Reiseplanung lässt weitere Begegnungen erwarten.

Aber auch mit den traurigen "Besonderheiten" dieser so nahe am Afrikanischen Kontinent liegenden Insel mussten wir Bekanntschaft machen. Schon bei der Ansteuerung von Teneriffa, kurz nach Sonnenaufgang, hatte ein kleines, mit vielen schwarzen Gestalten beladenes Holzboot unseren Kurs gekreuzt. Einige Tage später wurde ein ähnliches Boot mit mehr als 30 afrikanischen Flüchtlingen in den Hafen von San Miguel geschleppt.

Nach einer knappen Woche zog es uns weiter nach La Gomera. Die Überfahrt war zwar mit 28 sm nicht sehr weit, aber die unberechenbare Strömung und der Wind, der immer mehr zunahm je näher wir der Küste kamen, machte die Fahrt doch recht anstrengend. Die letzten Meilen hatten wir es mit 30 kn achterlichem Wind  bei 3 kn Gegenströmung zu tun, so dass wir froh waren, am späten Nachmittag in der Marina von San Sebastian einen ruhigen Liegeplatz zu bekommen.
Als wir das Boot am Steg festmachten, tauchte plötzlich  Werner auf, ein alter Bekannter aus unserer Heimatstadt Jena und der eigentliche "Schudige" dafür, dass wir uns vor nunmehr 9 Jahren eine REINKE zugelegt hatten. Er ist jetzt, nach einigen Atlantik-Überquerungen, auf La Gomera sesshaft geworden, macht sich hier im Hafen als Bootsbauer auf jede erdenkliche Art und Weise nützlich und konnte uns auch bei einigen  unserer Problemchen helfen.

San Sebastian und die gesamte Insel La Gomera haben uns ausgesprochen gut gefallen. Es ist vielleicht sogar die schönste Insel, die wir bisher mit unserem Boot besucht haben. Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass wir von hier nicht loskamen. Die Landschaft ist einfach traumhaft und sollte möglichst zu Fuß erkundet werden.

Allerdings gab es auch noch einen anderen Grund für unseren "verlängerten Aufenthalt": am letzten Tag vor unserem Aufbruch zu den Kapverden stellten wir fest, dass unsere Batterien "im Sterben liegen". Nach ein paar Tagen Bedenkzeit bissen wir in den sauren Apfel und bestellten neue Batterien - auf La Gomera eine kostspielige Angelegenheit. Die notwendige Wartezeit nutzten wir, um uns und das Boot auf die nächsten, langen Schläge vorzubereiten (Lebensmittel aller Art und Trinkwasser bunkern, Segel optimieren, Windgenerator überholen, Unterwasserschiff säubern, Zinkanoden wechseln...).

 

 

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© Klaus Lange