"einhand" von New York

zur Chesapeake Bay

 

01.10.2010

Vor 4 Tage habe ich Heidi zum Flughafen gebracht. Bei unbeständigem Wetter habe ich mich 40 sm weiter bis Greenwich gehangelt. Eine Unwetterwarnung zwang mich dazu, hier Schutz zu suchen, aber im Hafen war kein Ankerplatz zu bekommen und so musste ich mich mit einer Gästeboje des Yachtclubs vor der Einfahrt des Hafens zufrieden geben. Mit einem Fundamentgewicht von nur 200 kg war diese Boje nicht gerade vertrauenerweckend und zu allem Übel lag die Hafeneinfahrt völlig offen zur zu erwartenden Windrichtung.
Am 30.9. früh 08.00 begann es zu blasen. Die Spitzen lagen bei 40 kn und sehr schnell hatte sich eine heftige, steile Welle aufgebaut. Etwa 20 m neben unserem Boot lag eine rote Einfahrtstonne, die ich in der Folgezeit als Orientierung nutzen konnte. Solange sie noch neben mir lag, so lange hält meine Boje noch.
Im Laufe des Tages hielt der Wind unvermindert an und steigerte sich gegen Abend auf Sturmstärke bis 50 kn. Lt. Wettermeldung sollte in der Nacht langsame Beruhigung eintreten, aber weit gefehlt. Gegen 05.00 brach die Hölle los. Aus dem Heulen des Sturmes wurde ein schrilles Kreischen und er jagte mit über 6o kn über uns hinweg. Ich versuchte, mich vom Cockpit aus zu orientieren, aber in der Gischt war nichts zu erkennen. Lediglich meine "Orientierungstonne" schien noch immer am Platz zu sein. Nach einer Stunde trat Beruhigung ein, der Wind drehte auf NW und heute gegen 08.00 war plötzlich Ruhe.

Erschreckendes Ergebnis:
 Ein neben mir gelegenes Boot hat sich losgerissen und wurde von den Wogen hoch auf die Felsenküste geworfen, der Yachclub ist durch die Sturmflut teilweise überspült worden, eine Marina in der Nachbarbucht hat 6 Totalschäden an Yachten zu vermelden.


03.10.

Heute früh bin ich mit unserem amerikanischen Freund Jeff von City Island aus zur Passage quer durch New York City aufgebrochen. Das Wetter hatte endlich mal ein Einsehen. Zwar war der Wind kräftig und böig, aber es schien die Sonne. 
Der East River packte uns gleich mit seiner kräftigen Strömung (an manchen Stellen über 4 kn).
Nur mit der Fock kamen wir schnell voran, aber ich ließ zur Sicherheit, um immer manövrierfähig zu sein, die Maschine mitlaufen. 
Es war schon ein beeindruckendes Schauspiel, die so bekannte Skyline von New York so dicht an uns vorbeiziehen so sehen. Fotoapparat und Camcorder bekamen ausreichend zu tun. Trotzdem durfte die Aufmerksamkeit nicht vernachlässigt werden. Starker Schiffsverkehr und ständig wechselnde Winde zwangen immer wieder zum Eingreifen.

Nach knapp 3 Stunden bogen wir in den Hudson River ein und steuerten den vorgesehenen Ankerplatz im Liberty State Park hinter der Freiheitsstatue an. Dort ging für Jeff das kleine Segelerlebnis zu Ende. Nachdem ich ihn am Steg abgesetzt hatte legte ich unser Boot vor Anker. Für die nächsten 4 Tage ist wieder Sauwetter mit Regen und Starkwind angekündigt und danach will ich dann endlich weiter.

   

 

 

10.10.2010

Am 09.10. früh 10.00 Uhr habe ich vor Staten Island den Anker gelichtet und die 120 sm - Passage entlang der New Jersey Küste nach Cape May in Angriff genommen. Die Schlechtwetterfront war gerade abgezogen und der Wetterbericht versprach 10 - 15 kn aus W. Leider fühlte sich das Wetter an diese Vorhersage nicht gebunden, denn schon nach wenigen Stunden drehte der Wind auf SW und blies kräftig mit bis zu 30 kn. Hart am Wind mit gerefften Segeln und Maschine, dazu eine ruppige Welle - Segeln zum Abgewöhnen! Trotzdem kam ich recht flott voran.
So dicht unter der Küste war starker Schiffsverkehr. In der Nacht ließ ich zur Sicherheit das Radar mitlaufen.
Am 08.09. früh 04.00 Uhr kreuzte ich vor Atlantic City unseren alten Kurs nach Maine und um 13.00 Uhr erreichte ich (ziemlich müde) das Ziel Cape May.
Der heutige Tag hatte noch eine Überraschung parat: unsere alten Freunde und Wegbegleiter Christel und Wolfgang von der SY "LIV" warfen neben der "Soleil" ihren Anker und am Nachmittag tauchte auch noch die SY "Senta" mit Annette und Wilfried auf.


13.10.2010

Gestern Abend habe ich mein Ziel, die Island View Marina auf Kent Island in der Chesapeakebay, erreicht. Morgen kommt die "Soleil" an Land und dann wird der "Muschelzucht" am Unterwasserschiff zu Leibe gerückt.

Die letzten Tage waren noch einmal recht anstrengend. Wegen angekündigtem Schlechtwetter wurden die vorgesehenen 5 Etappen auf 3 zusammengelegt - das bedeutete: jeden Tag 8 - 10 Stunden Fahrt.
Gemeinsam mit der "LIV" verließ ich am 11.10. früh 07.00 Uhr Cape May. Mit dem Strom passierten wir den Cape May Canal und fuhren dann ( mit Segel und Maschine) über die Delaware Bay und anschließend den Delaware River aufwärts. 

Nach einem Übernachtungsstopp im Cohansey River ging es weiter durch den C&D Canal. Trotz größtenteils mitlaufender Strömung hatte ich Probleme, auf Geschwindigkeit zu kommen. Abends am nächsten Ankerplatz nutzte ich das letzte Tageslicht aus, um unter das Schiff zu tauchen. An der Schraube hatte sich ein kräftiges Bündel Seegras verfangen. Gleichzeitig befreite ich das Ruder mittels eines Schabers von angesetzten Seepocken.

Die letzte Etappe, mit 50 sm auch die längste, starteten wir früh 06.40 noch vor Sonnenaufgang. Die mitlaufende Strömung brachte uns gut vorwärts und meine vorabendliche Bootpflege zeigte auch positive Wirkung. 
Gegen 15.00 standen wir vor der Ansteuerung zur Hebebrücke, die Kent Island mit dem Festland verbindet. Leider war hier auch das Ende der gemeinsamen Tour mit der "LIV". Die Wassertiefe von nur 1,40 m, die ich im Vorausfahren gemessen habe, war leider für ihr Schiff nicht ausreichend, und so blieb nur ein kurzer Abschied per Funk.

Nach Passieren der Brücke legte ich die letzten 10 sm also allein zurück und 17.50 machte ich nach fast 11 Stunden in der Marina fest.


24.10.2010

Die letzten 10 Tage hat unser Boot auf dem Trockenen "zugebracht". Neben einem neuen Unterwasser - Anstrich und den üblichen Wartungsarbeiten waren noch andere Aufgaben fällig. Ein abgerissener Schwingungsdämpfer der Motoraufhängung musste gewechselt werden, der ständig streikende Außenborder war fällig und unter Deck sollten einige Holzlack-Ausbesserungen vorgenommen werden.
In der Marina hatte ich Super-Bedingungen für alles. Ich konnte die gut ausgestattete Werkstatt incl. der Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien benutzen und Brass Ritter, der Besitzer der Marina, stellte mir ein Auto kostenlos zur Verfügung. 
Und noch ein zusätzlicher Luxus: Ich brauchte nicht auf unserer  "Baustelle" zu hausen, denn unsere Freunde Isabelle und Steve überließen mir für die Zeit ihre Segelyacht, und so war das Wohnen wesentlich entspannter und bequemer.

Morgen bringt mich Steve mit dem Auto zum Flughafen, denn Heidi kommt endlich wieder.

Für die darauf folgenden Tage haben uns Isabelle und Steve zu sich nach Washington eingeladen. Wir fahren mit Bus und Metro in die Stadt und tummeln uns in den toll ausgestatteten Museen, die jeder kostenlos betreten kann.

 

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© Klaus Lange